Die Wahl in Schleswig-Holstein gab eigentlich das Thema vor: Und doch schaffte es Günther Jauch, einen Talk ohne Inhalte und Diskussionen hinzulegen. Stimmung kam erst auf, als ein Störer das Studio stürmte. Von Christoph Forsthoff

Versteht es nicht, nachzuhaken: Talkshow-Moderator Günther Jauch© stern.de-Grafik
Ich frage mich, was wir jetzt hier eigentlich diskutieren?" Ja, Renate Künast, das fragten sich im Verlauf dieser Talkrunde auch immer mehr Fernsehzuschauer - und die fatale Antwort: Der Talkmaster wusste es längst selbst nicht mehr. Günther Jauch hielt sich nur noch krampfhaft an seinen Karteikarten fest und bemühte sich, irgendwie die geplanten Einspielfilmchen unterzubringen. Die standen zwar in keinerlei Zusammenhang mit dem eben Diskutierten, doch boten sie für den Gastgeber willkommene Ausweichmöglichkeiten, um sich ohne bedingungslose Kapitulation über die 60 Minuten Sendezeit zu retten. Eine Bankrotterklärung - nicht zuletzt für das öffentlich-rechtliche Fernsehen.
Klar, das Thema "Wahlschlacht, die Erste - Piraten entern, Liberale im Aufwind?" hatte die Redaktion angesichts des ungewissen Wahlausganges in Schleswig-Holstein diffus formulieren müssen. Doch spätestens nach den ersten Hochrechnungen hätte Jauch sich einen thematischen roten Faden überlegen und die Diskussion entsprechend lenken müssen. Stattdessen aber irrte der 55-Jährige wieder einmal umher und gerierte sich wie ein Klassenkasper, der mit flotten Sprüchen um Anerkennung buhlt, doch gleichzeitig jedes ernsthafte Gespräch, jede Vertiefung zunichte macht.
Wollte von Johannes Ponader, dem neuen Politischen Geschäftsführer der Piraten-Partei, unbedingt das Eingeständnis hören, dass dieser von Hartz IV lebe oder arbeitete sich an Norbert Röttgen und der bereits x-mal gestellten Frage ab, ob der Spitzenkandidat der NRW-CDU im Falle einer Niederlage bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag als Bundesumweltminister in Berlin bleibe: Was, bitte, sollten solche Fragen und (ausbleibenden) Antworten zur Diskussion beitragen?