28. April 2010, 09:59 Uhr

Warum Coachingformate so erfolgreich sind

Sie erziehen Kinder, helfen bei der Jobsuche, beim Abnehmen oder aus der Schuldenfalle. Die Coachingformate der Privatsender sorgen für gute Quoten - selbst kleine Sender wie Kabel eins mit "The Biggest Loser". Doch warum sind diese Sendungen so erfolgreich? Von N. Draxlbauer, K. Hamberger

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Selbst Nischensender erreichen mit Coachingsendungen Quoten über dem Senderschnitt: "The Biggest Loser" auf Kabel eins©

Sie wälzen sich im Dreck, kämpfen gegen Kilos und gegen sich selbst. 16 übergewichtige Kandidaten haben seit Wochen auf Kabel eins einen harten Abnehmmarathon in der Show "The Biggest Loser - Abspecken im Doppelpack" bestritten. Bis zum Finale hat Boxerin Regina Halmich als Teamchefin ihre schwergewichtigen Schützlinge zum Fasten gebracht - die Waage immer kritisch im Blick. Von schmerzverzerrten Gesichtern bis hin zu Heulkrämpfen wurde in dieser Dokutainment-Sendung alles an Emotionen geboten.

Die großen Privatsender haben gezeigt, wie es geht: Nannys, die prügelnde Kinder erziehen, Schuldnerberater, die arme Schlucker aus der Schuldenfalle ziehen, Sterneköche, die runtergekommene Kaschemmen in Gourmettempel verwandeln. Auch Kabel eins hat den Trend erkannt: Mit dem Abspeck-Coachingformat wurde bei den 14-bis 49-Jährigen durchschnittlich gut sechs Prozent Marktanteil erreicht - etwas über dem Senderdurchschnitt, zum Finale kletterte die Quote wieder auf über sieben Prozent.

Für gute Quoten von 17,3 Prozent sorgte 2009 bei RTL "Die Super-Nanny": Im Schnitt schalteten pro Sendung 3,18 Millionen Zuschauer ein. "Rach, der Restauranttester" kassierte dieses Jahr sogar die Goldene Kamera für die beste Coachingsendung. In seiner vierten Staffel lag Sternekoch Christian Rach mit 22 Prozent Marktanteil weit über dem Senderdurchschnitt von RTL. Doch warum schalten die Leute bei solchen Sendungen ein?

Das Erfolgsrezept der Coachingformate

Wenn übergewichtige Menschen durchs Bild laufen, ist dies ein Hingucker, bei dem Zapper gerne hängen bleiben. Voyeuristische Motive spielen eine gewisse Rolle, doch den Vorwurf, dass die übergewichtigen Kandidaten nur vorgeführt werden, weist Kabel-eins-Sprecherin Daniela Allgayer-Koreimann von sich: "Ganz bestimmt nicht. Dafür sind unsere Kandidaten viel zu sympathisch und selbstbewusst." Doch der netteste Mensch kann durch eine unvorteilhafte Kameraeinstellung zur Lachnummer werden, wenn der Bauch beim Springen unter dem T-Shirt hervor lugt.

Tiefe Einblicke ins Privatleben bekam man als Zuschauer erst Anfang der Neunziger, als sich ProSieben, RTL und Sat.1 mit Talkshows ins normale Leben von normalen Menschen wagten. "Damals ging ein Aufschrei durch die Nation. Wenn man sich das heute anschauen würde, würde man denken, was ist das für eine lahme Veranstaltung", sagt Medienpsychologin Bettina Fromm von der Universität Köln. Die Talkshows wurden von den Gerichtsshows abgelöst, die mit schlechten Laiendarstellern und halbseidenen Geschichten das Nachmittagsprogramm füllten. Doch es fehlte an Authentizität, an echtem Leben und an Einschaltquoten. 2008 setzte RTL alle Gerichtsshows ab. Übrig blieben nur noch "Richter Alexander Hold" und "Richterin Barbara Salesch" auf Sat.1.

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
Tut_nix_zur_Sache (29.04.2010, 09:22 Uhr)
Coaching vs. Casting
Irgendwie seh ich da keinen Unterschied zwischen den Formaten. Ob einer lernt abzunehmen, auf dem Laufsteg zu laufen oder leidlich zu singen. Warum lobt der Stern also das eine und das andere wird verdammt?

Sind die Mitarbeiter so einfach zu täuschen? Einfach durch das austauschen eines Wortes?
jsmooth (28.04.2010, 18:21 Uhr)
Diese Formate sind nur erfolgreich, weil

1. die Leute Aufmerksamkeit und ihre 15 Min. Ruhm wollen
2. die Zuschauer gerne anderen zuschauen, wie sie sich lächerlich machen
3. die Leute, die dort "gecoacht" werden, mit ihrem Leben nicht klar kommen und es gerne andere machen lassen.

Vorurteile? Zu sehr pauschalisiert? Vor 20 Jahren vlt., aber heute leider wahr.
Schaltet den blöden Kasten aus und amcht was sinnvolles.
OttoB (28.04.2010, 17:48 Uhr)
Noch einst
es spricht "für den Stern" das das unter Kultur steht.
OttoB (28.04.2010, 17:45 Uhr)
Es ist erschreckend
Ich habe damals bei Kerner noch im ZDF einen Ausschnitt der Super Nanny gesehen hier wurde ein Kind erst in Großaufnahme gezeigt und dann von der Mutter vor laufender Kamera geprügelt.
Ich habe mich beschwert weil meiner Meinung nach gegen die Menschenrechte verstoßen wurde.
Es folgte ein langer Weg der vor dem Ausschuß für Medien und Europa des niedersächsischen Parlaments endete, hier antwortete man mir, das das zwar grenzwertig war aber die Menschenrechte im Grundgesetz nicht definiert sind. Wer dumm genug ist soll sich den Mist doch weiter ansehen.
Leseratte79 (28.04.2010, 13:56 Uhr)
Ich out mich :-)
The Biggest Loser habe ich gerne geschaut. Hat nichts mit fremdschämen oder so tu tun- die Teilnehmer and ich symphatisch und die Coaches hart aber fair. Die Teilnehmer haben jart dafür gearbeitet Ihr Leben zu ändern. Formate wie die Supernanny und Peter Zwegat zeigen Menschen die Kinder "misshandeln" und aus nicht nachvollziehbaren Motiven Schulden anhäufen (bis auch ein paar Ausnahmen). Diese Menschen lassen sich als asozial darstellen.
bodhi-patrick (28.04.2010, 13:52 Uhr)
@tannebaum


aha, früher war die gesellschaft also nicht (ihr zitat:) "krank, dumm und unfähig, sich um die eigenen probleme zu kümmern, egoistisch und sich selbst gegenüber unfair. ohne erziehung, manieren, saufen, feiern..."

in meinen geschichtsbüchern steht das anders! woher haben sie ihre historischen erkenntnisse?
tannebaum (28.04.2010, 13:13 Uhr)
früher...
gab es nur berater beim könig, politik oder in der wirtschaft. also auf allen bereichen, die man nicht mit der geburt in die wiege bekam und wo jeder mal vor problemen stehen konnte. gerade in schlechten zeiten.

heute muss auch die gesellschaft gecoacht werden. denn sie erzeiht sich nicht mehr, hat regeln fallen lassen, ist egoistisch und sicher selbst gegenüber unfair. keine erziehung, keine manieren, zu viel saufen, bumsen, feiern. völlerei durch falsches essen, keine eigene einsicht und schon gar nicht rücksicht auf andere...

und da steht sie nun: krank, dumm und unfähig, sich um die eigenen probleme zu kümmern.
necad (28.04.2010, 13:06 Uhr)
Ist doch klar ...
die Zuschauer solcher Sendungen gehören zu den unterpriveligierten dieser Republik und freuen sich über jeden, der noch unterpriveligierter ist wie sie selber.
80blatt (28.04.2010, 12:57 Uhr)
Ein ewiges Rätsel wird mir bleiben,
wie sich erwachsene, mündige und, zumindest in Grundzügen, intelligente Menschen einer solchen offentlichen Entblödung aussetzen können.

Die gleichen Leute empören sich dann gegen (bspw.) Nacktscanner und sonstige Überwachung.

Gelegentlich kommt mir die Idee einer Wählereignungsprüfung doch nicht so abstrus vor...
Tralala (28.04.2010, 12:12 Uhr)
Warum so erfolgreich?
Ich behaupte, daß potentielle Zuschauer eine übermäßige charakterliche Mischung aus Voyorismus, Intellektlosigkeit und Schadenfreude für sich beanspruchen können.

Man fühlt sich aufgrund eigener vermeintlicher Minderwertigkeit schlicht besser, wenn man sich das "Leid" und die multiple Unfähigkeit der anderen Idioten anguckt, denen es noch übler geht - armselig!

Es hat schon einen Grund, warum sich Gebildetere und meist auch Erfolgreichere Menschen auf's niveaureichere öffentl.-rechtl. TV beschränken!?
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