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13. Oktober 2008, 13:33 Uhr

Reich-Ranickis Sendung läuft am Freitag

Für das ZDF hätte es nicht besser laufen können: Nach seiner Wutrede beim Deutschen Fernsehpreis und der Verschmähung des Ehrenpreises bekommt Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nun seine eigene Sendung im Zweiten. Bereits am Freitag darf er neben Thomas Gottschalk dem deutschen Fernsehen die Leviten lesen. Von Katharina Miklis

Werden gemeinsam über die Qualität des deutschen Fernsehens diskutieren: Quotenzampano Gottschalk und Literaturpapst Reich-Ranicki© Oliver Berg/EPA

Es war Thomas Gottschalks verzweifelter Versuch, einen aufgebrachten Marcel Reich-Ranicki zu beschwichtigen. Dieser hatte am Samstag vor laufenden Kameras die Ehrung für sein Lebenswerk auf der Bühne zurückgewiesen und scharfe Kritik am deutschen Fernsehen geübt. Damit hatte er nicht nur vielen aus der Seele gesprochen, sondern gleichzeitig Fernsehgeschichte geschrieben. Als "Blödsinn" bezeichnete er die nominierten Sendungen und richtete die verbale Ohrfeige an die Sender ARD, ZDF, Sat1 und RTL: "Ich nehme diesen Preis nicht an." Daraufhin hatte ihm Gottschalk noch auf der Bühne eine gemeinsame Sendung angeboten, um über das zu reden, was im Fernsehen sonst zu kurz kommt - wie Bildung und Literatur. Dem ZDF könnte der Eklat des Krawall-Kritikers nun eine Top-Quote bescheren.

Jetzt werden diese Pläne konkret: Bereits am Freitag werden der 88-jährige Literaturkritiker und der Fernsehpreis-Moderator über die Qualität im Fernsehen diskutieren. Das halbstündige Gespräch wird unter dem Titel "Aus gegebenem Anlass" von 22.30 bis 23.00 Uhr ausgestrahlt, wie das ZDF am Montag in Mainz mitteilte. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut zeigte sich erfreut über die Zusage von Marcel Reich-Ranicki und erklärte: "Wir sind offen für Kritik und räumen ihr gerne Raum ein."

Wie das ZDF gegenüber stern.de äußerte, wird es ein Gespräch unter vier Augen zwischen dem Quotenzampano und dem Krawall-Kritiker. Weitere Gäste sind nicht geladen. Am Mittwoch soll das Gespräch aufgezeichnet werden. Offen ist, ob die anderen Stifter des Fernsehpreises ebenfalls die Sendung ausstrahlen. RTL-Chefin Anke Schäferkordt hatte bereits am Samstag betont, dass sie sich nach Reich-Ranickis Verhalten zu gar nichts verpflichtet sieht. Sat1-Geschäftsführer Matthias Alberti sieht sich ebenfalls nicht in der Pflicht.

Die Reaktionen auf Reich-Ranickis Verschmähung des Preises vor laufenden Kameras fielen gemischt aus: Kollegin Elke Heidenreich übte bereits am nächsten Tag ebenfalls scharfe Kritik an der Gala zur Verleihung des Preises. Die Mehrzahl der nominierten Beiträge bezeichnete sie als "verblödet und kulturlos". "Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde", schrieb Heidenreich in der "FAZ".

ZDF-Intendant Markus Schächter nannte Reich-Ranickis Auftritt derweil eine "Sternstunde des Fernsehens", Ex-RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma titulierte das Geschehen als "großartige Stand-up-Comedy. Ich schlage Reich-Ranicki für den nächsten Comedypreis vor". Auch "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer schwärmte: "Fantastisch! Ein Bruch mit den Spielregeln." Moderator Gottschalk zeigte Verständnis für die offenen Worte des Literaturpapstes: "Wenn er eine halbe Stunde lang eine wild gewordene Horde Teenager sieht, Atze Schröder in einer weißen Paradeuniform, Richterin Salesch und zwei Köche mit idiotischen Texten erleben muss, ist es für ihn in der Tat konsequent zu entscheiden: Ich habe hier nichts verloren."

Reich-Ranicki räumte nach der Gala ein, dass er die Entscheidung früher hätte treffen sollen. Allerdings habe er vorher nicht gewusst, was ihn erwartet. Erst während der Aufzeichnung sei ihm aufgefallen, dass die Serien und Shows, die für den Fernsehpreis der großen Senderfamilien ARD, ZDF, Sat1 und RTL nominiert wurden, schlichtweg "Blödsinn" waren. Der Verlauf der Gala sei für ihn aber so "widerwärtig" gewesen, "dass ich es nicht ertragen konnte", sagte der 88-Jährige, der sich spontan zu der leidenschaftlichen Fernsehkritik hinreißen ließ. Berichte, er habe sich den Ehrenpreis nachher doch geben lassen, dementierte Reich-Ranicki: "Ich will ihn definitiv nicht haben." Auf die Frage, was getan werden müsste, um wieder mehr Qualität im Fernsehen zu sehen, sagte Reich-Ranicki am Montagmorgen dem Radiosender Bayern 3: "Man müsste viele Leute rausschmeißen." Namen wollte er aber nicht nennen.

"Aus gegebenem Anlass", am Freitag, 17. Oktober, um 22.30 Uhr im ZDF

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Von Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
Benkku (14.10.2008, 14:36 Uhr)
Verdammte Inzucht, nochmal!
"Hier hätte ich von einem 80jährigen mehr Anstand erwartet."
Sie meinen doch wohl nicht Angepaßtheit?
sportartmakler (14.10.2008, 13:53 Uhr)
@thomasa - sie verwechseln beleidigung mit kritik
zumal er genau diese aussage getroffen hat "ich möchte keinen beleidigen....kann mich nicht in eine reihe mit denen stellen". stimme mit ihrem ersten teil was unterschiedliche geschmäcker anbelangt vollkommen überein, aber ne beleidigung sieht für mich anders aus..;)
ps: falls er auch das wort blödsinn in den mund nahm, so ist das lediglich eine wertschätzung, aber keine beleidigung;)
ThomasA (14.10.2008, 08:29 Uhr)
was ist Toleranz
Die "Wut"-Rede kann man verstehen.
Man muß aber auch als 80jähriger verstehen, daß es unterschiedlichste Formen von Unterhaltung gibt.
Man (jeder) muß auch tolerieren, daß es unterschiedlichste Interessen und Vorlieben gibt.
Das heutige Fersehen bietet hier jedem etwas.
Steuern kann dies jeder über den Ein/Ausschalter oder den Programmwechsel.
Die Ehrung für Herrn Reich-Ranicki war vielleicht an dieser Stelle fehl am Platze.
Trotzdem hätte er diese Beleidigungen so nicht aussprechen dürfen. Hier hätte ich von einem 80jährigen mehr Anstand erwartet. Wenn mir etwas nicht gefällt stehe ich auf und gehe. Dies wäre auch ein Protest gewesen ohne beleidigend zu wirken.
Benkku (14.10.2008, 07:31 Uhr)
Schwachsinn siegt?
Die Quoten der Privatsender beruhen vorallem auf dem Bedienen niederer Instinkte unterhalb der Gürtellinie sowie auf dem Senden von Sensationen, Seifenopern und Blah-blah. Um gegenüber dem Rest der Bevölkerung den Eindruck der informativen Daseinsberechtigung zu erwecken, werden bestenfalls systemkonforme Berichte ausgestrahlt. Was nun den Unterhaltungsbeitrag von Gottschalk im Zweiten anbetrifft, könnte dabei ganz gut Scientologie mit von der Partie sein. In selbstbeweihräuchernde Vorstellungen - wie die inzüchtigeTV-Preisverleihung - paßt er wie auch all die anderen: Atze Schröder, Mario Bart, diese Fernsehköche usw. und so fort.
Das Endergebnis einer Privatisierung der Öffentlich-Rechtlichen zu puren Blödelsendern stelle ich mir so vor wie für die Ewigkeit festgeschriebenes Senden von Überschrifts-Themen der Blödzeitung: Britney in der Sauna, Löw feuert Kuranyi, So sexy reitet Katie Price, Kirk Douglas trifft Sky Dumont, King of Rock 'n' Roll in Zehlendorf. Gleichkommend mit verordneter Gehirnamputation.
lorelai310 (13.10.2008, 21:24 Uhr)
Recht hat er!!!
Ich gebe zu, ich kann mir mit meinem jungen Alter kein unvoreingenommenes Urteil darüber bilden, ob das Fernsehprogramm zu vergangenen Zeiten wirklich schon einmal höheren Anspruch hatte.
Was ich aber durchaus kann, ist Herrn Reich-Ranicki, was die heutige Qualität des Fernsehprogramms angeht, zustimmen.
Was hab ich denn heute für eine Wahl, wenn das TV-Gerät einschalte? Vielfalt ist gegeben, ja. Aber Tiefgründigkeit nicht. Ich kann mich entscheiden, zwischen Gerichtssendungen, in denen der Gärtner auf der Anklagebank sitzt, weil er den Hausherren, bei dem er angestellt war, erstochen haben soll, weil er endlich bei der Hausherrin freie Bahn haben wollte. Nebenbei hat er aber natürlich auch noch eine Affäre mit der Stieftochter selbiger (Immer nur Erbsensuppe wird ja auf Dauer auch langweilig)...u. s. w.
Oder aber ich schalte einen Sender weiter und kann dort sehen/muss dort sehen, wie sich Bauern zum Obst machen, um doch noch eine Magd für ihren Hof zu finden? Ob diese dann weiß, dass Kühe normalerweise nicht lila sind, hängt davon ab, wie viel Werbung sie in ihrem Leben schon konsumiert hat.
Für alle, denen Schokolade nicht reicht, gibt's ja 1001 Kochshow. Was ist nur aus Oma's gutem, alten Kochbuch geworden?
Und wer's bei diesem Fernsehprogramm hier nicht mehr aushält, der kann ich werktags mit drei anderen Bewerbern um einen Ausbildungsplatz wettstreiten, seine Tiere mit der Kamera zum Tierarzt begleiten, sich Familienhelfer anschauen, um zu sehen, dass die eigene Familie ja doch nicht so unnormal ist, oder am besten doch gleich auswandern. Aber nicht ohne vorher einen Schuldnerberater gefragt zu haben, ob die angehäuften Schulden diesem Unterfangen im Wege stehen. Vielleicht kann der gute Mann auch gleich noch seine Freundin mitbringen. Was macht die nicht gleich? Nanny für "schwer erziehbare" Eltern äääh Kinder???
Gute Nacht. Ich lese noch ein wenig, bevor ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht einschlafen und an die weisen Worte eines alten Mannes denken werde... Ein Hoch auf das deutsche Fernsehen ;-D
hevosenkuva (13.10.2008, 20:49 Uhr)
Eklat? Verzweifelter Versuch?
Kann wohl keine Rede von sein. Der stern versucht seit Samstag verzweifelt, aus der kleinen Irritation einen Skandal zu stricken. Gebts auf!
Sinibaldi (13.10.2008, 19:05 Uhr)
Memories.
Sweet and
beautiful memories
in my mind, like
a delicate wind
that always
remembers the
breath of your
life.
Francesco Sinibaldi
Johann58 (13.10.2008, 18:11 Uhr)
nicht halb so senil
wie mancher Kommentator vom Schlage Hirnbretzn ist Marcel Reich-Ranicki, der pointierte dem Fernsehen den Spiegel vorhaelt und mit dem ihm eigenen Witzden Nagel auf den Kopf getroffen hat. Die Selbstbeweihraeucherung der Brot und Spiele Mentalitaet des Deutschen Fernsehens hat er ins Mark getroffen und die Fernsehmacher stellen fest, dass es neben Konsumidioten auch noch Leute gibt die Denken koennen und wollen. Das Literarische Quartett wa eine n Sternstunde des Deutschen Fernsehens und wenn mehr Menschen Buecher lesen statt sich vom Privatleben einer Familie Effenberg einlullen lassen wuerden, waeren Deutschland Fernsehsender gezwungen Qualitaet statt hinrissigen Mist zu produzieren. Ich kann auch nicht sagen, dass es eine Wutrede war, es war Leidenschaft ein Meduium wachzuruetteln, welches Reich-Rancki selbst genutzt hat und den Zuschauern zu verdeutlichen es gibt doch noch mehr als den taeglichen Fernsehbrei. Man muss ihn nicht kauen, man kann auf dem Sofa liegen und ihn einfach unterschlucken ohne das Gehirn bemuehen zu muessen. Ich ziehe meinen Hut vor marcel reich-Ranicki.
dreicon (13.10.2008, 17:44 Uhr)
Danke MRR
3sat, arte und Phoenix, wie auch den meisten 3ten sei Dank, auch ein noch das Gehirn bestimmungsgemäß Nutzender
kann hie und da mit Vergnügen TV konsumieren. Geht man aber die Ankündigungen in Programmzeitschriften durch und hat dabei den Anspruch der Sende"anstalten" (frei nach "Neues aus der Anstalt)vor Augen, Themen und Qualität der Sendungen richteten sich nach dem Anspruch des Puklikums, verspürt man den dringenden Wunsch, Sammelklagen wegen kollektiver Beleidigung zu initiieren. Auf der anderen Seite, stimmt es vielleicht doch? Wie sonst könnte die Blödzeitung sonst eine derartige Auflage haben?
Ford.Prefect (13.10.2008, 17:38 Uhr)
Selten so gelacht
Man stelle sich vor: Da gibt es eine Fernsehsendung, in der die Produkte anderer Leute vorgestellt werden. Es sitzt dort eine Expertengruppe, die über die Eigenschaften, die Vor- und Nachteile der Produkte befinden soll, damit InteressentInnen sich beim Kauf daran orientieren können. Einer der Experten fällt dabei besonders auf. Während die übrigen Gruppenmitglieder ihre Einschätzung in ruhigem Ton und sehr sachlich vortragen, schreit, zetert und wütet er herum, schimpft auf die Produkte und ihre Hersteller und beleidigt en passant auch regelmäßig seine Kollegen und Kolleginnen persönlich auf verletzendste Art und Weise. Außer ihm selbst hat niemand Recht, alle anderen sind ahnungslose Stümper, er alleine ist der wissende Experte. Und wer das auch nur leise anzweifelt hat nichts verstanden und in der Gruppenrunde nichts verloren. Ist solch eine Sendung unterhaltsam? Durchaus möglich. Doch ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn 3 Experten vom vierten Mann niedergebrüllt und beleidigt werden? Ich finde nicht. Hier ist keine Orientierungshilfe gegeben. Ist solch eine Sendung ein Indiz für mangelnde Qualität des Fernsehprogramms? Mit Sicherheit. Wer aber ist nun der notorisch nörgelnde Niederbrüller? Sie wissen es längst. Es ist derselbe Reich-Ranicki, der zuerst selbst Schrott-TV produziert und sich später darüber ereifert, dass im Fernsehen nichts Gescheites läuft. Wer solch bigottes Verhalten toll findet, hat wahrlich kein besseres Programm verdient. Für solche Leute wurde das Dschungelcamp und Popstars eigens erfunden. Da braucht man nämlich nicht mehr Hirn, als zur Bedienung des TV-Apparates nötig ist.
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