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Kanzlerin in Tschador erzürnt die Zuschauer

"Was geschieht mit unseren Werten?", fragt die ARD alarmiert im "Bericht aus Berlin" - und zeigt eine Angela Merkel im Tschador - umgeben von Minaretten. Der Sound des Beitrags erinnert arg an Pegida - und erhitzt die Gemüter.

Rainald Becker steht im ARD-Studio vor einer Fotomontage mit Angela Merkel im Tschador vor dem Reichstag umgeben von Minaretten.

Angela Merkel im Tschador vor dem Reichstagsgebäude umgeben von Minaretten - so bebildert die ARD ihren Sorgenbericht aus Berlin

Die aktuelle Flüchtlingskrise wirft viele Fragen auf. Auch die ARD beschäftigte sich in ihrem jüngsten "Bericht aus Berlin" mit dem Thema und vergriff sich dabei ziemlich im Ton. Der Tenor erinnerte stark an bekannte Parolen islamfeindlicher Pegida-Demonstranten. Ein praller Bizeps in Schwarz-Rot-Gold, montiert neben das Reichtagsgebäude umgeben von Minaretten - so bebildert die ARD das Thema. Es folgt eine Fotomontage der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Tschador, vor der Moderator Rainald Becker mit sorgenvoller Miene steht und Dinge fragt wie: "Was geschieht mit unseren Werten?" und "Wie reagieren wir, wenn Flüchtlinge Probleme haben mit der Gleichstellung, mit Frauenrechten, mit Presse- und Meinungsfreiheit?"

"Und was kommt jetzt?"

Dann der Beitrag, in dem zunächst das Deutschland präsentiert wird, das wir scheinbar zu verlieren drohen: Hier dürfen Frauen sich selbst verwirklichen, heißt es. Und Männer dürfen Kinder (mit-)hüten. Und zwei Männer dürfen sich an der Hand halten, wie die ARD sogar mit Bewegtbildern belegt.

Dann die sorgenvolle Stimme des Reporters: "Und was kommt jetzt?"

Unsere Werte werden keineswegs in Frage gestellt, so der Tenor einer Rede von Bundespräsident Joachim Gauck, die in den Beitrag eingespielt wird. "Das Grundgesetz steht über dem Islam", fasst die ARD zusammen, mit dem Kommentar: "Erstaunlich, dass Gauck das sagen muss." Muss er das denn tatsächlich?, fragt sich der Zuschauer unweigerlich.

"Hier dürfen Frauen arbeiten und damit habe ich kein Problem"

Als nächstes werden "Flüchtlinge" zum Thema befragt - "Flüchtling" nennt die ARD alle Männer im Bild - ohne einen Hauch von Identität. Auch aus welchem Land oder aus welcher Kultur die Befragten kommen, scheint die Reporter nicht zu interessieren, obgleich ihr Bericht sich gerade darum - um unterschiedliche Kulturen und Werte - dreht.

Und was sagen nun diese befragten Flüchtlinge zu deutschen Werten, zu der "völligen Gleichstellung" (darüber lachen wir dann später noch, liebe ARD) von Mann und Frau in Deutschland? "Deutschland ist eine freie Gesellschaft; hier dürfen Frauen auch arbeiten und damit habe ich kein Problem", sagt ein Mann aus dem Irak. Der kritische Bericht lässt damit ausschließlich Stimmen zu Wort kommen, die sagen, dass sie die deutschen Werte respektieren und sie gar schätzen.

Das Thema, zu dem ein "muslimischer Seelsorger" spricht, hat damit rein gar nichts zu tun, wird von den Reportern aber als Statement eingebaut. Vielmehr spricht dieser über Probleme innerhalb der Unterkünfte, wo einander fremde Männer und Frauen dicht an dicht leben müssen, was häufiger zu Konflikten führt. Er fordert Imame für die Wohnheime, da "nur Muslime mit Muslimen sprechen" könnten. Da ein Imam der stellvertretenden Parteivorsitzenden der CDU, Julia Klöckner, bei einer Begegnung nicht die Hand schütteln wollte, fordert diese nun ein Integrationsgesetz.

"Kennt man sonst nur von Pegida"

Aber: "Ein überzeugendes Konzept, wie unsere Werte geschützt werden können, bleibt uns die Regierung schuldig" - mit diesen Worten endet der Beitrag, in dem kein Flüchtling sagt oder zeigt, dass er deutsche Werte nicht schätzt. Der Kanzleramtsminister Peter Altmaier, der als Studiogast interviewt wird, hat aber ein Konzept mitgebracht: das Grundgesetz. Er betont nochmal, dass das für alle gilt, die in Deutschland leben.

Mit ihrer unreflektierten Berichterstattung in ihrem Beitrag geriet die ARD in die Kritik - in den sozialen Netzwerken braute sich schnell ein mittelgroßer Shitstorm zusammen. "Die ARD hat doch einen Knall. [...] Kennen die Kollegen die islamfeindliche Propaganda der NPD nicht? Ich mag das Wort nicht: aber das halte ich für einen Skandal", schreibt der Journalist Jakob Augstein auf Facbeook. Auch auf Twitter kam der Bericht aus Berlin ganz und gar nicht gut an.


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