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Es wurde "laut links und rechts" - TV-Streit zwischen Kipping und Petry

So laut wurde es lange in keiner Talksendung mehr: AfD-Sprecherin Frauke Petry und Katja Kipping von "Die Linke" standen sich bei Maybrit Illner gegenüber. Die Politikerinnen vertrieben mit ihrem Streit sogar einen gestandenen Unionspolitiker.

AfD-Sprecherin Frauke Petry schaut genervt zu ihrer Kontrahentin Katja Kipping hinüber

Es wurde etwas lauter: Frauke Petry, Bundessprecherin der Alternative für Deutschland (AfD) im Streit mit Katja Kipping (nicht im Bild)

Maybrit Illner hat in ihrer Sondersendung zum Thema "Streitpunkt Flüchtlinge" mit dem starren Talkrunden-Konzept gebrochen. Es kamen normale Bürger zu Wort und Politikerinnen und Politiker lieferten sich Rede-Duelle. Besonders hoch her ging es dabei zwischen Frauke Petry, Bundessprecherin der Alternative für Deutschland (AfD), und "Die Linke"-Parteivorsitzender Katja Kipping her.

Der Streit nimmt seinen Anfang, als Moderatorin Illner Linken-Politikerin Kipping fragt, ob die AfD mittlerweile die bessere Sozialpolitik als "Die Linke" mache. "Nein, sie lenkt ab von den notwendigen sozialen Fragen", sagt Kipping und verweist auf die Steuerpläne die AfD. Die wolle nämlich eine Steuer nach Kirchhof (Steuerrechtler Paul Kirchhof, Anm. d. Red.), so Kipping. Frauke Petry lächelt erst, dann wirft sie Kipping vor, schlecht informiert zu sein. Die Linken-Politikerin beruft sich auf die bundespolitischen Leitlinien auf der AfD-Website. Das Steuermodell der AfD sei ein Geschenk an Superreiche, für das Menschen mit mittleren und kleinen Einkommen mehr Steuern zahlen müssten. "Im Klartext: Die AfD ist zutiefst unsozial", sagt Kipping.

"Frau Kipping holt jetzt mal Luft"

Das kann die bisher vor sich hinlächelnde Petry nicht auf sich sitzen lassen. Sie übergeht erst einmal Illners Frage nach dem konkreten Plänen der AfD und sagt: "Ich muss mit ein paar Irrtümern aufräumen. Die Steuerfrage wird in der AfD heiß diskutiert, ist aber noch nicht entschieden." Ein Steuermodell nach Kirchhof bedeute kein Steuermodell gleich Kirchhof, aber dazu müsse man ein bißchen differenzieren. Da platzt Kipping der Kragen: "Diesen Trick machen Sie immer. Sie nennen keine konkreten Vorschläge und wenn man Sie einmal kritisiert ...". Frauke Petry versucht, wieder zu Wort zu kommen: "Ich erkläre es Ihnen gern, wenn Sie mich ausreden lassen." Doch Kipping ist in Fahrt. "Das ist die Masche, die Sie immer machen, wenn man einen konkreten Punkt benennt, heißt es von Ihnen immer 'Das habe ich so nicht gemeint! Das mit dem Schießen habe ich auch so nicht gemeint!' Diesen Trick kann man Ihnen nicht mehr durchgehen lassen", sagt Kipping - und bekommt dafür Applaus vom Publikum.

"Die Frau Kipping holt jetzt mal Luft, und zwar ein bisschen länger", beginnt Petry ihre Antwort. Trotzig erwidert Kipping: "Das entscheide immer noch ich, wann ich Luft hole." Doch dann scheint Petry tatsächlich einmal konkret zu werden, geht dann aber doch lieber zum Gegenangriff über: "Wir stellen fest, dass die Linken mehr Geld ausgeben und die Flüchtlinge uns nur die Probleme klar machen, die wir immer schon gehabt und nie gelöst haben", sagt Petry. Das Geld für soziale Projekte habe bislang nicht gereicht, die Linke wolle aber mehr ausgeben und das über Staatsschulden finanzieren - oder Steuererhöhungen. "Das müssen Sie den Leuten mal erklären, vor allem ihrer eigenen Klientel", so Petry.

Petry wird konkret

Da hakt Illner nun aber doch einmal nach, was nun die konkreten Pläne der AfD seien. "Was darf der Bürger für eine Wirtschafts- und Sozialpolitik von Ihnen erwarten?", fragt sie Petry. Nach einer kurzen Erläuterung zu den Kirchhof-Plänen der AfD sagt Petry dann, dass die Lücke zwischen Leistungsempfängern und Arbeitenden zu klein geworden sei. Leistung in Deutschland müsse sich wieder lohnen. Da ruft Kipping dazwischen: "Im Klartext: Sie wollen einen niedrigeren Hartz-IV-Regelsatz!"

Petry ermahnt Kipping: "Vielleicht erinnern Sie sich an eine möglicherweise gute Erziehung!" Dann bemängelt Petry, dass beim Mittelstand - der das Geld für die Gesellschaft verdiene - immer weniger Geld hängenbliebe. "50 Milliarden Euro Ausgaben jährlich, die nun im Raum stehen, bei sehr positiven Integrationsprognosen - die man sehr wohl anzweifeln darf - zeigen uns, dass der Sozialstaat künftig  noch sehr viel stärker belastet werden wird als bisher", sagt Petry. Darauf haben die Linke und die Grünen überhaupt keine Antwort. Mehr Geld ausgeben auf Kosten des Haushalts und der Steuerzahler sei schon immer ihre Devise gewesen.

Thomas Strobl verlässt den Tisch

Zu dieser Summe möchte Illner auch Thomas Strobl, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, befragen. "Sie müssen einfach wieder an den Tisch kommen", sagt Illner. Strobl hatte zu Anfang der Diskussion ein paar Sätze gesagt, dann aber vom Tisch mit Kipping und Petry einen Schritt Abstand genommen. "Es war nur so laut links und rechts", sagt er, als er wieder nach vorne kommt.

Wer sich das Streitgespräch anschauen möchte, findet die Sendung "Streitpunkt Flüchtlinge" in der ZDF-Mediathek. Lauter wird es ab Minute 34.

tkr
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