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Jan Böhmermann macht Stefan Raab zum Gespött

Normalerweise veralbert Stefan Raab andere, diesmal wurde er selbst aufs Kreuz gelegt: Jan Böhmermann jubelte dem "TV total"-Moderator einen gefälschten Beitrag unter.

Von Jens Wiesner

  Auf der anderen Seite des Witzes: Jan Böhmermann "blamielt" Stefan Raab.

Auf der anderen Seite des Witzes: Jan Böhmermann "blamielt" Stefan Raab.

Es fällt leicht, sich vorzustellen, wie gestern Abend das Telefon im Hause Raab klingelte. Wie Stefan Raab ungläubig auf den Spartenkanal ZDFneo schaltete und sich selbst auf der Mattscheibe wiederfand. Wie dem ehrgeizigen Moderator langsam dämmerte, einem ganz großen Schwindel aufgesessen zu sein. Er muss geschäumt haben vor Wut.

Jan Böhmermann, seit neustem Grimmepreisträger und Moderator des schlauen, kleinen "Neo Magazins" hatte dem großen "TV Total", der Institution Stefan Raab, ein Ei ins Nest gelegt. Und was für eins: Vor einigen Tagen hatte Raab stolz eine Version von "TV Total" präsentiert, die angeblich im chinesischen Fernsehen angelaufen war. Offenbar hatte der Sender das Showkonzept von Raabs Sendung kopiert - natürlich ohne dessen Erlaubnis: Der Fernseher mit den Teufelshörnchen fand sich genauso wieder wie eine "Blamieren oder Kassieren"-Variante. Selbst Eltons roten Anzug hatte der schlaksige, asiatisch aussehende Moderator in seine Garderobe übernommen. Raab machte Witzchen über den Ideenklau, ließ Elton in einer chinesischen "Blamielen oder Kassielen"-Variante herumkaspern.

Doch diesmal war es nicht Raab, der zuletzt lachte: Der "TV-Total"-Klon war nämlich keineswegs im fernen Osten entstanden, sondern in einem kleinen Produktionsstudio in Köln-Ehrenfeld. Auftraggeber: Jan Böhmermann und sein "Neo Magazin". Und seit gestern wird der Mann, der jahrzehntelang andere narrte, über Menschen spottete, sie wegen ihres Dialekts ("Maschendrahtzaun") oder ihres Namens ("Lisa Loch") vorführte, selbst zur Zielscheibe des Spotts.

"Hochmut kommt vor der Sommerpause"

Es war der Triumph David gegen Goliath - und Böhmermann zelebrierte ihn entsprechend: Er hatte Raabs einzige Schwachstelle gefunden - sein Ehrgeiz, sein Ego, sein Stolz auf seine eigenen Produktionen - und diese Achillesferse gnadenlos ausgenutzt. Immer wieder legte der Moderator während der Sendung nach, spielte darauf an, wie überraschend einfach es dann doch gewesen sei, den großen, unangreifbaren Raab auszutricksen. Ließ sich gar eine Kopie jener Buttons zimmern, mit denen Raab in "TV Total" kurze Videoschnipsel aufruft. Mit dem feinen Unterschied, dass diesmal nur Szenen aus der entsprechenden "TV-Total"-Sendung eingeblendet wurden. Nein, Böhmermann streute kein Salz mehr in Raabs Wunden. Es war Jod. Pures, hochkonzentriertes Jod. Und er goss es breit grinsend in die offene Flanke des ProSieben-Moderators.

Seht her, liebe Kinder, sagte Böhmermann und brauchte keine Worte dafür: Das hier ist Stefan Raab, der war mal lustig, damals in den Neunzigern, als er noch auf einem Spartensender herumturnte. Man könnte also sagen, der Schüler übertrifft seinen Meister. Aber das wäre ein schiefer Vergleich: Raab war niemals Böhmermanns Meister, das war immer Harald Schmidt. Tiefschwarzer Humor, böse, bissige Spitzen, die treffen, weil sie eine Wahrheit, eine Schwäche im Kern treffen, das ist sein Metier. Nicht der Raab'sche Hau-drauf-Humor und Spott.

Dass Raab einen solchen Schlag nicht einfach hinnehmen wird, dass ein harter Konter zu erwarten ist, weiß Böhmermann. Und wappnet sich schon mal mit seiner stärksten Waffe, der Ironie. "Hey, sieh's mal Neo!" rief er seinem neuen liebsten Feind neben der "Bumsbuch-Tante" Charlotte Roche durch die Mattscheibe zu. Eine Kampfansage, verpackt in ein Schwiegermuttergrinsen. Wir freuen uns auf die nächste Runde. So macht Fernsehen endlich wieder Spaß!

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