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"Der Böse bin ich auf keinen Fall"

Modemacher Michael Michalsky tritt in die Fußstapfen von Wolfgang Joop und wird Juror bei Germany's next Topmodel. Im Interview verrät er, was er in der Klum-Show anders machen will. 

Von Caroline von der Goltz

Germany's Next Topmodel mit Heidi Klum, Michael Michalsky

Sie sind die Jury für die elfte Staffel von "Germany's Next Topmodel": Thomas Hayo, Heidi Klum und Michael Michalsky

Herr Michalsky, Sie sind das neue Jury-Mitglied bei "Germany's Next Topmodel". Wie man hört, soll die Show in diesem Jahr anders sein, jeder Juror soll ein Team haben und um die Kandidatinnen batteln. Ein bisschen wie bei "The Voice of Germany“. Wird dieser Spielshow-Charakter der schwächelnden Quote helfen?

Schwächelnde Quote? Man muss es doch mal so sehen: Die Kernzielgruppe von "Germany's Next Topmodel" konsumiert Fernsehen ganz anders als ich es noch tue, nämlich übers Internet. Die Zahlen sind also quasi verfälscht, die Sendung war immer sehr erfolgreich. Trotzdem müssen sich die Dinge hin und wieder neu sortieren. Ich wurde schon sehr oft angefragt und mache dieses Jahr nur mit, weil sich das Konzept radikal geändert hat. Vor zehn Jahren war das Format neu und unterhaltsam, aber irgendwann hat es sich abgenutzt. "The Battle" hat mein Interesse geweckt, weil es das echte Modelleben gut darstellt.


Apropos "echtes Modelleben": Luxusvilla, Star-Fotografen wie Rankin, Limousinen-Service: Warum wird bei GNTM ein völlig falsches Bild vom Modeldasein vermittelt?

In dieser Staffel wird vieles anders. Die Mädchen müssen aus Koffern leben und die einzelnen Stationen bis nach oben unter realistischen Bedingungen durchlaufen. Die ersten Jahre des Modellebens sind nun mal kein Zuckerschlecken - du lebst mit sechs anderen Mädchen in einem Zimmer, kriegst einen Stadtplan in die Hand gedrückt und wirst ins kalte Wasser geschmissen. Die Modebranche ist ein Wettbewerb. Das ganze Leben ist ein Wettbewerb.

Let the games begin! Am 4. Februar geht´s wieder los! #GNTM

Ein von Heidi Klum (@heidiklum) gepostetes Video am


Abgesehen von Lena Gercke hat bislang allerdings keine Siegerin den Durchbruch als Model geschafft. Wie wollen Sie verhindern, dass in der elften Staffel wieder ein Red-Carpet-Häschen aus dem GNTM-Hut springt?

Mit der Fashion-Kompetenz, die ich mir in 24 Jahren als Designer angeeignet habe. Ich werde authentisch sein und konstruktive Kritik geben, denn ich habe einen Ruf zu verlieren. Ich habe kein einheitliches Schönheitsbild und stehe auf spezielle Typen - deshalb wird die Gewinnerin hoffentlich in meinem Team sein. Darum geht es ja. Der Wettbewerb ist das, was es spannend macht.


Ihr Vorgänger Wolfgang Joop galt als Publikumsliebling und Model-Versteher. Welche Rolle wollen Sie in der Jury einnehmen, um in seine Fußstapfen zu treten?

Es ist wichtig, dass ich nicht versuche, jemand anders zu sein. Ich liebe Wolfgang und kenne ihn schon sehr lange. Seine Rolle einzunehmen, wäre aber völlig unglaubwürdig. Ich arbeite seit Jahren mit denselben Menschen zusammen, buche Models über mehrere Saisons - der Böse bin ich also auf keinen Fall, weil ich auch im Berufsleben nicht der Böse bin. Ich bin Experte. Das ist meine Rolle.

Als Designer sind Sie immer wieder mit ausgefallenen Models und spektakulären Inszenierungen aufgefallen. Das war in Ihrer letzten Show nicht der Fall. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Haben Sie einfach keine Lust mehr auf Mode?

Es kommt immer darauf an, wie man "große Show" definiert. In der letzten Show habe ich mein Couture-Label Atelier Michalsky gelauncht. Da war es mir sehr wichtig, dass die wenigen, bewusst ausgewählten Gäste ganz nah am Catwalk sitzen, damit sie die hochwertigen Stoffe und komplizierten Schnitte sehen. Wenn etwas mit so viel Liebe zum Detail hergestellt wird, ist eine kleine Inszenierung oft noch aufwändiger als eine große. Ich wollte mich verändern. Mir wurde immer vorgeworfen, meine Shows seien zu groß und bombastisch und als ich mich dann reduziert habe, gab es wieder Diskussionen. Es ist eine schöne Übung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, für viele Leute war das aber ein Schock.


Sie sagten aber einmal, die Mode sei tot. Meinten Sie damit auch ein stückweit Ihre eigene?

Nein. Ich arbeite seit  dem 1. September 1992 als Designer, da hat mein erster Job bei Levi’s angefangen. Das ist knapp 24 Jahre her, fast ein viertel Jahrhundert. Damals habe ich meine Informationen aus Printmagazinen bezogen und bin nach London, New York oder Tokio gereist, um mir anzusehen, was die Leute dort tragen. Mit Herstellern haben wir über Fax kommuniziert und uns zu dritt einen Computer geteilt. Damals konnte sich niemand vorstellen, dass wir in Zukunft Mode übers Internet konsumieren. Als Designer hat man aber die Pflicht, sich den Veränderungen anzupassen. Natürlich existiert Mode weiter...


Aber?
Sie ist anders geworden. Früher gab es höchstens zwei Trends zur gleichen Zeit, heute sind es 100. Wer soll das alles kaufen? Mode ist zum Wegwerfartikel verkommen. Ich mache jetzt Couture, weil ich mit den ganzen Ketten nicht in Konkurrenz stehen möchte. Couture ist das komplette Gegenteil. Bei meiner Show habe ich den Satz deshalb ergänzt: "Die Mode ist tot, lang lebe die Mode!"


Michael Michalsky

Michalsky bei der Präsentation seiner Couture-Kollektion im Juli 2015. Die Entwürfe zeigt er als 3D-Modelle in der Berliner Galerie von Anna Jill Lüpertz.

Sie sind in diesem Jahr erstmals nicht auf der Fashion Week in Berlin vertreten, sondern haben Ihre Couture-Kollektion als 3D-Mini-Modelle aus dem Drucker präsentiert? Ist das eine Sparmaßnahme?

Als Designer bin ich sehr interessiert an der Zukunft und finde es fruchtbar, wenn Leute sagen "früher war alles besser". Deshalb bin ich auch an Technologie interessiert. Als ich ein Teenager war, wurde aus dem Kassettenrekorder ein Walkman, aus dem Walkman wurde ein Discman und daraus wurde dann ein MP3-Player. Als das Kabelfernsehen in unser Dorf kam, hat sich mir eine komplett neue Welt eröffnet. In meinem Design-Department lief von morgens bis abends MTV, das war stilprägend und heute ist MTV völlig irrelevant. Die Dinge verändern sich immer schneller. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir in wenigen Jahren alle einen 3D-Drucker zu Hause haben. Das hört sich jetzt ein bisschen James Bond mäßig an, aber ich könnte mir vorstellen, dass wir uns in Zukunft personifizierte Mode selbst ausdrucken. Wer weiß? Vor 15 Jahren hätten wir auch nie geglaubt, dass es Smartphones geben wird.

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