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Wenn Heidi auf Fred trifft

Die elfte Staffel von "Germany's Next Top Model" hat begonnen: mit nervigen Buzzer-Battles und dem erfreulich eloquenten Michael Michalsky - und einer großen Hoffnung namens Fred.

Von Simone Deckner

Germany's Next Topmodel 2016: Kandidatin Fred auf der Bühne

Eigenwillig, ungeschminkt, selbstbewusst: Kandidatin Fred (r.) überraschte in der ersten Folge von "Germany's Next Topmodel" mit ihrer bunten Hose

Tschingderassabum, "Germany's Next Top Model" ist wieder da! Während Frauen gestern in weiten Teilen des Landes Krawatten zerschnippelten und fröhlich männerfeindliche Gesänge anstimmten, hatte der weibliche Nachwuchs mal wieder nichts Besseres zu tun, als sich bereitwillig vor Pro Sieben-Kameras aufs Aussehen reduzieren zu lassen. Und jetzt alle im Chor: Laaangweilig!

Schön trinken musste sich Modelmama Heidi Klum ja zuletzt auch ihre Quoten: die waren in der vergangenen Staffel so schlecht wie nie. Zudem hatte sich der tolle Wolle Joop abgeseilt. Die Erwartungen: eher gering. Wir haben trotzdem angeschaltet und beantworten die wichtigsten Fragen zum Start der neuen Staffel:

Ist jetzt wirklich alles anders?

Auf Plakaten und in Trailern - überall wurden die "neuen Regeln" angepriesen. Doch, warum eigene Ideen entwickeln? Pro Sieben klaute einfach bei sich selbst und baute der "GNTM"-Jury fette Buzzer vor die Nase, ganz wie bei "The Voice of Germany". Als "ultimatives Battle" wurde dann der Kampf um die Teammitglieder angekündigt. Ja, auch das ist neu: Es gibt jetzt konkurrierende Teams, angeführt von den Juroren Thomas Hayo (zum sechsten Mal dabei) und Michael Michalsky (Modeschöpfer aus Berlin aka "der Neue").

Doch der vermeintliche Kampf entpuppte sich als lahme Patscherei ohne Folgen. Denn: Die Juroren konnten zwar buzzern wie blöde, zu entscheiden hatten sie nichts. Genau so wenig wie die Mädchen. Heidi Klum schob die Kandidatinnen nach Gutdünken ("Ich sehe mit einem Blick, ob ein Mädchen Modelqualitäten hat") entweder nach links oder rechts zu Team Weiß (Michalsky) oder Team Schwarz (Hayo). Dazwischen gifteten sich der Thomas und der Michael mit der Wut von Meerschweinchen an. Niedlich für circa zwei Minuten.

Muss ich mir irgendwelche Kandidatinnen merken?

Aus dieser ersten Folge eigentlich nur eine. Ihr Name ist Fred. Ja, richtig gelesen. "Den Spitznamen habe ich seit der fünften Klasse", erfuhr man von Fred. Wer laut Udo Lindenbergs"„Ich mach mein Ding egal, was die anderen sagen"-singend auf die Bühne kommt, noch dazu in einer quietsch-bunten Leggings ("meine Glückshose") und mit selbst genähter Bluse, der könnte auch Helge oder Rosinante heißen, wir wären entzückt. "Ich bin ein bisschen besonders", sagte Fred und klimperte mit den Augen.

War da jetzt tatsächlich genau so ein Mädchen aufgetaucht, dass es in so einer Sendung eigentlich gar nicht auftauchen durfte? Eigenwillig, ungeschminkt, selbstbewusst? Ach ja, noch so eine Neuerung: Die Mädchen dürfen sich zuerst in ihren Lieblingsklamotten präsentieren. Persönlichkeit zeigen und so. Fred zog einfach ihre Glückshose an. Und kam weiter. Michael Michalsky raunend zu Heidi Klum: "Wenn ich mal ein Kind habe, dann möchte ich so eins haben."

Dann war doch noch eine Julia aus Hamburg, die alle mir ihrer "Mir ist das hier eigentlich alles ziemlich wumpe"-Haltung nachhaltig beeindruckte. Michalsky: "Die ist so 'nen bisschen Kate Moss-ig, ne?" Kate Moss aus HH trug einen Nasenring und benutze Wörter wie "surreal" korrekt. Hallo, GNTM-Kritiker, was geht denn hier ab?

Der Spruch des Abends

Eine Kandidatin erläutert Heidi Klum auf Nachfrage kurz und knapp, was BDSM bedeutet: "Ich halte mir einen Haussklaven. Der putzt für mich und zahlt mir schöne Kleider und so was." Die Klum fasziniert: "Ich bin total hin und weg."

Wie schlägt sich Michalsky?

Gut. Ziemlich gut sogar. Okay, vielleicht trug der Berliner Modeschöpfer bei seiner Vorstellung etwas dick auf, als er sagte: "Lady Gaga hatte ihren ersten Auftritt außerhalb der USA bei mir" und dann: "Eigentlich sind alle Models, die später groß raus gekommen sind, zuerst bei mir gewesen." Göttlich aber sein leicht herablassend-näselnder Gouvernantenton, mit dem er wirklich jede Kandidatin piesackte: "Warum hast du dich hier angemeldet?" Bei 99 Prozent der immer selben Antworten ("War schon immer mein Traum!") verdrehte er gereizt die Augen. Dazu erklärt er, dass er "die Kandidatinnen von der Illusion befreien (will), dass das Modeldasein ein Dauerurlaub ist". Klare Worte, nuschelnd vorgetragen.

Ist wieder der anstrengende kleine Fotografenmann mit dem Riesen-Ego dabei?

Bislang nichts zu sehen von Kristian Schuller, dafür durfte "Hair & Make-up Artist" Boris Entrup wieder hingebungsvoll in Gesichtern herum tupfen und -streichen und dabei seine typischen Boris Entrup-Sätze sagen. Ein Highlight(er)!

Überflüssigste Aktion des Abends?

Neben der blöden Battle-Buzzerei: Die erste "Fashion Show" vor Publikum in Berlin. Nachdem die Gruppe der Kandidatinnen von 50 auf 30 gesund geschrumpft wurde, stöckelten sie in Kleidern von Michalsky über den Catwalk. Für einige eine sehr große Herausforderung, trotz sachdienlicher Hinweise wie "Du musst schneller als die Schleppe laufen!" Noch schräger war nur das Publikum: In der ersten Reihe lungerten so bekannte Modezaren wie Jimi Blue Ochsenknecht, irgendwelche Fashion Blogger und "IT-Boys" herum.

Wurde wenigstens rumgezickt?

Sieht man von den laienhaft vorgetragenen "Battles" der Juroren Hayo und Michalsky ab, leider so gar nicht. Einer Jasmin aus Vorarlberg trauen wir aber noch einiges zu, hatte sie sich doch unverkrampft sympathisch mit den Worten vorgestellt: "Wenn es um meinen Ruf geht, dann gehe ich über Leichen."

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