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Der kalte Krieg der Kandidatinnen

Missgunst, Neid, Tränen: Den Kandidatinnen von "Germany's Next Topmodel" schlägt der Hass ihrer Konkurrentinnen entgegen. Das ist in der Modelwelt leider an der Tagesordnung.

Von Marie von den Benken

GNTM

Die GNTM-Kandidatinnen Christin, Laura Franziska, Jennifer, Laura und Lara-Kristin (v.l.n.r.). Für Jennifer war nach Folge fünf Schluss.

Eine Woche der Superlative: Am Sonntag erhält Leonardo DiCaprio, der schon mehr Topmodels im Bett hatte, als Mario Barth "kennta" gesagt hat, seinen ersten Oscar. Montag kommt Uli Hoeneß (das Ex-Topmodel des FC Bayern) aus dem Knast. Dienstag folgt der Super Tuesday (Hillary Clinton und Donald Trump bekommen ein Foto). Am Mittwoch wird ein Spitzenpolitiker der Grünen mit Chrystal Meth erwischt und die Öffentlichkeit reagiert in etwa so, als hätte Kendall Jenner auf Instagram ein Bild gepostet, auf dem sie gemeinsam mit Barack Obama, dem Papst und Taylor Swift fröhlich ein paar Robbenbabys erschlägt und dabei ein T-Shirt mit der Aufschrift "Heidi Klum ist doof und stinkt nach Pipi" trägt.

Und dann der Höhepunkt: Donnerstag. Schaukel-Shooting in zehn Metern Höhe und die Chance auf echte Superjobs: Bei GNTM geht es um das Cover der Zeitschrift "Shape" (für Team Michael in Miami) sowie der Magazine "Indie" und "Fashion Avenue" (für Team Thomas in New York).

GNTM-Kandidatinnen auf Cover der "Indie"

Nach dem Schaukel-Shooting, bei dem es wie jedes Jahr ein bisschen Überkopf-Übungen und heulende Mädchen mit Höhenangst gibt, geht im Big Apple das "Indie"“-Cover an Jasmin, Julia und Taynara. Eine Eins-a-Referenz für ihre Modelbücher. Vom Cover der "Indie" lächelten nämlich auch schon Topmodels wie Bergje Heinen oder Daisy Lowe. In die "Fashion Avenue" schaffen es Elena, Elena C. und Fata. Auf dem Cover landet Elena.

Kaum sind diese Entscheidungen gefallen, fließen Hass-Tränen. Jennifer bekommt keinen Job. Was sie nicht verinnerlicht hat: Ablehnungen sind in diesem Job Alltag. Nichts begegnet dir öfter als Zurückweisung. Wenn ein Casting ansteht, geht man zu 85 Prozent mit einem "Nein" nach Hause. Nur 15 Prozent der Tage enden mit einem "Ja". Das muss man verarbeiten können. Nur wer die Kraft und die Einstellung hat, trotzdem immer weiter zu machen, überlebt in diesem Business. 

Jennifer wird es schwer haben

Jennifer kann aber nicht auf die 15 Prozent warten. Nach den zwei Pleiten beim Cover-Casting offenbart sie Charakterzüge, mit denen sie es im Modelgeschäft schwer haben wird. Ihre unverhohlene Missgunst entlädt sich insbesondere gegen Fata. Man kann es Neid nennen. Man kann es Eifersucht nennen. Egal, wie man es formuliert: Enttäuschung auf andere zu projizieren, isoliert dich. Von Kolleginnen, aber vor allem von Kunden, Fotografen und Entscheidern. Diese Erfahrung macht auch Jennifer. Der kalte Krieg der Kandidatinnen gipfelt in der verzweifelten Feststellung von Fata: "Es gibt hier Leute, die dich hassen, für null Gründe." Null Gründe halten die Menschen aber nicht ab. Es gibt zum Beispiel null Gründe, AfD zu wählen oder "Musikantenstadl" zu gucken. Trotzdem machen es die Menschen.

Neid ist im Modelbusiness an der Tagesordnung

Fatas Erlebnis, grundlos angefeindet zu werden, ist in der Modelwelt leider an der Tagesordnung. Bei meinem ersten wichtigen Casting - ich hatte mich stundenlang vorbereitet, um besonders hübsch auszusehen und fühlte mich gut - kam ich in einen Raum, in dem schon um die 30 andere Mädchen warteten. Ich stand in der Tür, versuchte zu lächeln und meine Schüchternheit zu vertuschen. Aus dem Raum hörte ich ein Mädchen rufen "Guck nicht so arrogant". Alle anderen schwiegen betreten und schauten mich an.

Wenn man neu in diesem Geschäft ist und in diesem jungen Alter, in dem man selber gar nicht weiß, wie man wirkt und wer man sein möchte, kann so ein Satz sehr einschneidend sein. Nicht umsonst erinnere ich mich noch heute genau an diese Situation. Das Casting war für mich gelaufen, bevor mich der Kunde überhaupt gesehen hatte. Das Verhalten von Jennifer kommt - wenig überraschend - nicht bei allen gut an. Die Jury schickt sie später (als erste aus Team Thomas) nach Hause.

GNTM

Yusra ist die GNTM-Zicke der elften Staffel


Das "A" in "Yusra" steht für "Allüren"

In Miami angelt sich derweil Luana das Cover der "Shape". Mittelpunkt in Florida ist allerdings Yusra. Souverän verteidigt sie ihren Titel als Oberzicke. So regelmäßig, wie Micaela Schäfer (übrigens Kandidatin der ersten GNTM-Staffel, erinnert sich jemand?) ungefragt ihre Brüste zeigt, rastet Yusra aus und pöbelt so leidenschaftlich gegen alles und jeden, dass es Matthias Sammer am Fernsehschirm zu Hause ganz warm ums Herz wird.

Diese Woche erwischt es ihren Coach. Als Michael Michalsky ihr am Abend nach dem Casting für das "Shape"-Cover sanft beibringen möchte, dass sie bei der zum Casting gehörenden Yoga-Session in etwa so engagiert zu Werke gegangen ist, wie Günther Oettinger beim Englischunterricht, rastet sie minutenlang aus. Mit dieser völlig uneinsichtigen Zickentour hat sie es sich allerdings schon heute bei den meisten potenziellen Kunden im späteren echten Modelleben verscherzt. Das Image eines nicht belastbaren, nicht motivierten, latent gelangweilten und zusätzlich auch noch durch ein Reality-TV-Format vorbelasteten Models passt zu keiner seriösen Fashionmarke.

Noch nicht ganz so unten durch wie bei der "Shape" und den Zuschauern ist Yusra offenbar bei Heidi Klum und ihren Kollegen. Nach ihrer oscarreifen Entschuldigung gönnt die Jury ihr ein Foto und damit noch eine weitere Woche. Dramaturgisch wäre es auch ein unentschuldbarer Fauxpas gewesen, die patzige Giftnatter Yusra jetzt schon aus dem Rennen zu nehmen.

Jasmin kann plötzlich laufen

Sich selber aus dem Rennen genommen hätte am Ende beinahe Jasmin. Sie hat nicht nur einen Top-Job bekommen und beim Schaukel-Shooting per Nippelblitzer einen ersten Foto-Aufreger für den Boulevard geliefert ("Mein Kopftuch sagt tschüss, mein Boobie sagt hallo"), sondern endlich auch gelernt, den Catwalk nicht mehr ganz so elegant runter zu schweben, wie Til Schweiger nach 23 Pils. Jasmin kann plötzlich laufen. Vor allem: weglaufen. Nach dem fotolosen Auftritt ihrer Busenfreundin Laura spielt sie dennoch mit dem Gedanken, schwesternsolidarisch ebenfalls auszusteigen. Freiwillig. Nach kurzem Empörungs-Tsunami der Jury, einem persönlichen Gespräch mit ihrem entsetzten Coach Thomas und etwa vier Cliffhanger-Werbeblöcken erklärt sie dann aber doch, zu bleiben. Erleichterung bei der Jury. Und bei mir. Immerhin habe ich Jasmin in meine Top Fünf gewählt.

Um bis dahin zu kommen, muss sie aber weiter ihren Walk verbessern. Verpasst also auf keinen Fall meine Tutorial-Kolumne in der nächsten Woche: Laufen wie die ganz große Catwalk-Garde: Natasha Poly, Coco Rocha und Karlie Kloss. Kann man effizient laufen trainieren und seine Catwalk-Fähigkeiten verbessern? Ich verrate es euch!

Bis dahin, liebe Grüße, Eure Marie  


Hier können Sie der Autorin auf Twitter folgen: @Regendelfin

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