Model, DJane, Zicke im Dschungelcamp. Giulia Siegel macht fast alles, womit man irgendwie bekannt wird. Warum ist das nur wenigen einfach egal? Von Carmen Stephan

Eine durch und durch öffentliche Person: Giulia Siegel© Getty Images
Giulia Siegel wird kaum beachtet. Vor der französischen Schule in München haben sich Trauben von Müttern gebildet, die "oui-oui" und "non-non" quasseln. Mittendrin läuft sie umher, will wie die anderen ihre Kinder abholen. Sie sieht gut aus, aber man sieht sie nicht. Wirklich sichtbar scheint sie nur im Fernsehen zu sein.
Oder beim Friseur. Wenig später betritt Giulia Siegel mit den Zwillingen den Friseursalon von Wolfgang Lippert, dessen Finger auch schon in den Haaren von Paris Hilton waren. Die weiß gekleideten Lehrlinge starren Siegel an wie Sektenmitglieder. Sie setzt sich vor einen Spiegel, die Weißen umschwirren sie, einer kürzt die Extensions, einer bringt Cappuccino. Lippert lehnt am Spiegel, sucht Rat bei seiner Kundin: Er plane was mit Society, welche PR-Agentur da die richtige sei. Und überhaupt, könne sie da nicht auflegen?
Sie ist eine Dreiviertelprominente aus München, sie ist die Tochter von Schlagerkomponist Ralph Siegel, sie ist DJane, Model, dreifache Mutter und im Dschungelcamp war sie das Biest. Demnächst startet die Dokusoap "Giulia in Love" auf ProSieben, es wird wieder viel Aufmerksamkeit geben - und noch mehr Häme. Warum ist einem Giulia Siegel nicht einfach egal? Es gibt natürlich auch Menschen, die ihr seitenlange Verehrermails schreiben. Sehr viele flippen jedoch aus, sobald ihr Name fällt. Ein Insider der Branche schimpft sie "Zirkuspferd, unglaubliche Selbstdarstellerin". Der Standardvorwurf lautet: "Tochter, die nichts kann, aber alles können will."
Und dann noch ihre Art, immer voll drauf! Einer Freundin, der Giulia Siegel beim Friseur begegnet, sagt sie: "Deine Haare sind zu hell", als die sich gerade zum Nachblondieren setzt. Im Hotel gibt sie die geöffnete Cola zurück, weil sie "Coca-Cola" wollte, nicht "Pepsi". Die Kellnerin rollt mit den Augen.
RTL machte sich Siegels direkte Art zunutze und baute sie im Dschungelcamp als Zicke auf. Das Publikum war gespalten, die einen verurteilten ihre "Hoppla-ich-sags-jetzt"-Art, die anderen hielten ihre Offenheit für eine Masche - was nur zeigt, dass man Menschen in den Medien inzwischen jede Inszenierung zutraut, sogar die der Ehrlichkeit. Die wenigsten Zuschauer freuten sich darüber, dass in einem Geschäft, in dem es viel ums Überdecken und Blenden geht, plötzlich jemand war, der einfach nur sagte, was er dachte.
Aus dem Dschungelcamp geflohen, legte Siegel nach: in eine RTL-Kamera sprach sie, dass Promi- DJs wie Naddel & Co. nicht richtig auflegen können. Später meinte sie, dass sie auch provoziert worden sei. Aber da hatte RTL die Sätze schon, der Grundstein für einen wochenlangen "DJane-Zickenkrieg" war gelegt. Dringend benötigtes Material. Früher bekam man von Stars nur so viel zu sehen, dass immer ein ungestilltes Gefühl der Erwartung blieb. Heute muss jede TV-Nische mit Starquatsch gefüllt werden. Irgendwann bekam Siegel eine Morddrohung, ging zur Polizei, dem Sender RTL schickte sie Anwälte ins Haus und sprach von Rufmord. Der Zuschauer bekam davon nichts mit. Er erfuhr wieder nur: Sie ist eine Zicke, Zicke, Zicke.
Manchmal vergisst man, dass Giulia Siegel kein vom Boulevard erfundener Cyborg ist, sondern ein echter Mensch. Sie ist nicht so gefallsüchtig, wie man denkt. Nicht so berechnend, wie man denkt. Siegel erfüllt einige Klischees, aber sie widerspricht ihnen auch. Sie wohnt in einem Penthouse - aber in einem Plattenbau mit Billy- Regalen in einer grauen Gegend von München. Ihr Leben scheint durchgängig öffentlich - und doch weiß niemand, wer in den letzten dreieinhalb Jahren ihr Freund war.
Die echte Giulia Siegel ist freundlich, sie schält Spargel, während sie ein Telefoninterview gibt. Lange gab sie Freunden, denen es schlecht ging, ein Album, in das sie zehn Jahre lang Zitate, Gedichte und Collagen geklebt hatte, jeder sollte darin etwas finden, das ihm helfen könnte. Freunde, mit denen sie nicht mehr klarkommt, kriegen einen Abschiedsbrief von ihr. Es gibt keine Leere in Giulia Siegels Leben, eher zu viel Fülle. Prominenten wie ihr wird gerne vorgeworfen, dass sie ständig auf der Suche seien. Tagsüber sieht man Siegel nur mit Headset: "Bin im Meeting ..." - "Du willst Boy George buchen? Dann musst du 7000 Pfund Cash nach London fliegen ..." Es geht um ihre Bookingagentur, die sie gerade aufbaut, um DJ-Gigs, einen Buchvertrag.
Gefunden in der aktuellen "Neon" Mehr dazu auf www.neon.de