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8. Februar 2012, 17:53 Uhr

Vier Gründe, warum Thommy scheitern wird

Zwei Wochen nach dem Start seiner neuen Vorabendsendung steckt Thomas Gottschalk im Quotenkeller fest. Zwar ist er deutlich besser geworden. Doch das wird nicht reichen. Von Carsten Heidböhmer

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Thomas Gottschalk bemüht sich, doch die Zuschauer zeigen ihm die kalte Schulter© DPA

Der Absturz war so schnell wie brutal - und ist wohl endgültig: In nur zehn Folgen seiner Vorabendshow "Gottschalk Live!" hat sich die Zuschauerzahl von 4,3 Millionen auf zuletzt 1,2 Millionen pulverisiert. Keine guten Zeiten für den erfolgsverwöhnten Thomas Gottschalk, der noch im Dezember in seiner letzten "Wetten, dass ..?"-Sendung knapp 15 Millionen Zuschauer unterhalten durfte.

Was den Moderator jedoch besonders schmerzen dürfte: Die Quoten pendeln sich auf niedrigstem Niveau ein. Nur an den ersten drei Abenden lag die Zuschauerzahl über zwei Millionen, danach blieb sie konstant darunter. Am Dienstagabend näherten sich die Zahlen erstmals der Millionen-Grenze. Sollte die unterschritten werden, wäre das der Super-GAU - für den Sender, aber auch für Gottschalk persönlich.

Dass die vielen Premierenzuschauer abwanderten, kann nicht verwundern: Die Eröffnungssendung war misslungen, das Format noch unausgegoren und der Moderator auf der Suche nach seiner Rolle. Das zeigte sich vor allem in der zweiten Woche: Genervt von der Kritik nach den ersten Sendungen versuchte Gottschalk, mehr tagesaktuelle Themen einzubringen.

Loddars "Soku-Doap"

Das Resultat war erschütternd: Mit der begnadeten Komikerin Anke Engelke palaverte er über die griechische Schuldenkrise, interviewte dann einen zugeschalteten Schüler und sprang im weiteren Verlauf von Hölzchen auf Stöckchen. Das verwirrte den Zuschauer, vor allem aber Gottschalk selbst: Anke Engelke nannte er "Annette", dann faselte er von einer "Soku-Doap" mit Lothar Matthäus, der etwas Ähnliches mache wie "die blonde Kirchberger" - er meinte Daniela Katzenberger. Dazwischen brachte er noch den Papst und ein Interview mit Duran Duran unter.

Doch mit Beginn der dritten Woche war Gottschalk plötzlich gelöst und ganz bei sich. Die Kritikerschelte sowie das anhaltende Quotentief schien er abgehakt zu haben. Nach und nach bekam er das Gespür für das neue Format - ein nicht unwesentlicher Fortschritt für einen Bauchmenschen wie ihn. Sogar die Übergänge zu den Werbepausen bekam er hin. In den Interviews gelang ihm mit Gästen wie Helge Schneider, Katherine Heigl oder Christian Berkel ein harm- und belangloses, aber eben auch unterhaltsames Palaver wie zu besten "Wetten, dass ..?"-Zeiten.

Kein Interesse an Menschen

So langsam bekommt man einen Eindruck davon, was Gottschalk auf diesem Sendeplatz zu leisten vermag. Und was nicht. So erfreulich seine Fortschritte sein mögen: Es gibt leider immer noch sehr viele Dinge, die der Moderator nicht kann - und nie können wird. Zuallererst interessiert er sich nicht für politisch-gesellschaftliche Themen. Alles ist nur soweit von Belang, wie er dazu eine persönliche Anekdote beitragen kann. Zur Griechenland-Krise fällt ihm etwa ein, dass er als Schüler die Werke der alten Griechen gelesen hat.

Das zweite Manko: Er interessiert sich nicht für Menschen. Manchmal weiß er nicht einmal die Namen seiner Gäste, ohne aufs Kärtchen zu schauen. Im Gespräch ist er fahrig und hört oftmals nicht zu. Auf dem "Wetten, dass ..?"-Sofa verspielte sich dieses Manko. In der intimen Atmosphäre seines "Gottschalk Live!"-Studios ist das fatal.

Womit das dritte Problem angesprochen wäre: Thomas Gottschalk ist ein Vollblut-Entertainer, der den direkten Kontakt zum Publikum braucht und daraus seine Spontaneität und Schlagfertigkeit zieht. Alleine in seinem Studio funktioniert er nicht. Da helfen auch die rührenden Bemühungen seiner Redaktionsmitglieder nicht, die so etwas wie Stimmung erzeugen wollen.

Antiquierter Humor

Vor allem aber ist sein Humorverständnis von gestern. Aktuelle politische Ereignisse stellt er in kleinen Bildergeschichten dar. Angela Merkels Wahlkampfhilfe für Nicolas Sarkozy sieht bei ihm so aus: Er hält drei Bilder in die Kamera, im Hintergrund stöhnt Jane Birkin - und Gottschalk imitiert Sarkozy mit viel "Oh là là". Sowas war schon vor 30 Jahren nicht mehr witzig. Auch sein Versuch, kuriose Szenen des Tages einzublenden, ist nicht mehr up to date: In Zeiten, da Stefan Raab in "TV total" das beste aus Film, Fernsehen und Internet in einen bunten Mix zusammenschmeißt, wirkt es nurmehr rührend, wenn Gottschalk seinen Zuschauern Filmaufnahmen von Papst Benedikt zeigt, dessen weiße Taube einfach nicht ins Freie fliegen will.

So respektabel es ist, dass Gottschalk weiter an sich und dem Konzept seiner Show arbeitet: Letztendlich wird es nicht reichen. Zu seiner Zeit war Gottschalk der Größte TV-Entertainer. Doch seine Zeit ist leider abgelaufen. Ähnlich wie Helmut Dietl in "Zettl" an dem Sprung von der Münchner Bussi-Gesellschaft in die Berliner Republik gescheitert ist, kommt der gefeierte Radio- und TV-Moderator mit der modernen Mediendemokratie nicht mehr zurande. Da kann auch die Social-Media-Beauftragte nicht viel ausrichten.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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