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Warum GZSZ nie so gut war wie heute

Ein Vater geht mit seiner Tochter ins Bett und bezahlt dafür mit seinem Leben. Seine Leiche wird später in Mafia-Manier entsorgt und alle Beteiligten verstricken sich in Lügen. GZSZ mausert sich von der Seifen-Oper zum Serien-Krimi.

Mord bei GZSZ

Mord bei GZSZ: Dr. Riefflin (Dieter Bach) wurde von Maren (Eva Mona Rodekirchen; M.) erschlagen. 

Man mag ja von GZSZ halten, was man will. Schlechte Dialoge, billige Filmkulisse und hanebüchene Geschichten - so heißt es häufig. Protagonisten, die sich in einer Großstadt wie Berlin immer zufällig im gleichen U-Bahnabteil treffen, oder einige ihre Jobs im Vorbeigehen ausüben und trotzdem immer Kohle für Spontanreisen ins Ausland haben. Aber immerhin hält sich der Dauerbrenner auf RTL schon seit 1992 im Vorabendprogramm und damit deutlich länger als das australische Vorbild "The Restless Years", das gerade mal vier Jahre über die Mattscheibe flimmerte. Die Mutter der Privatsender-Soaps hat schon bald 6000 Folgen auf dem Buckel - und war wohl noch nie sie so spannend wie heute. Denn mit einer Inzest-Geschichte, einer Leiche und einer Entsorgung derselbigen in Mafia-Manier ist die Serie mittlerweile eher Krimi statt Seifenoper.

Darum geht's: Jasmin Flemming (gespielt von Janina Uhse), eine junge, aufstrebende Designerin verliebt sich in den gut aussehenden und deutlich älteren Herzchirurgen Frederic Riefflin (gespielt von Dieter Bach). Es beginnt eine romantische Liebesgeschichte. Die aber eigentlich nicht sein darf. Denn: Frederic ist Jasmins Vater. Die einzige, die das weiß, ist Jasmins Mutter Katrin (gespielt von Ulrike Frank). Die will eine Beziehung der beiden natürlich verhindern. Als sie Frederic die Wahrheit erzählt, ist der erst mal von der Rolle und beendet sofort die Beziehung zu seiner Tochter. Doch die lässt nicht locker und verführt ihn. Die beiden landen im Bett und Frederic bittet Jasmin, mit ihm nach Australien durchzubrennen. Jasmins Mutter erfährt von dem Plan, stellt ihn in seinem Hotelzimmer zur Rede. Es kommt zum Streit, bei dem Frederic auf Katrin losgeht. Da stürmt Katrins Freundin Maren (gespielt von Eva Mona Rodekirchen) zusammen mit Jasmins Ex-Freundin Anni (Linda Marlen Runge) herein, greift zur (und ja, hier wird’s etwas schräg) Deko-Ananas und schlägt ihn tot. Die drei wickeln die Leiche schließlich in ein Bettlaken, fahren ihn im Kofferraum zu einer Baustelle und versenken ihn dort im frisch gegossenen Fundament (dass der Beton eigentlich schon längst hätte trocken sein müssen - geschenkt). 

Mehr Action bei GZSZ 

Und auch wenn es an einigen Stellen hakt (dann etwa, wenn ein Mann mit Taschenlampe zum Dönerholen geht und die beiden Damen fast beim Entsorgen der Leiche erwischt), die Darsteller hatten Spaß beim Dreh. Linda Marlen Runge (spielt Anni Brehme) sagt: "Die Story finde ich megageil. Das ist mal komplett was anderes (..)" Auch Ulrike Frank (spielt Jasmins Mutter) findet die Geschichte gut, auch, wenn sie selbst von ihrem Ausgang überrascht war: "Ich finde es aber irgendwie auch konsequent. Das ist eine sehr dramatische, hoch angesetzte Geschichte, die wir da erzählen, und da ist vielleicht ein Tod auch ein adäquates Ende."

Sie war neben Janina Uhse von Beginn an in die Geschichte involviert. GZSZ-Producer Damian Lott: "Auf eine Nachfrage, was oder wen sie gerne mit ihren Figuren mal erzählen würden, antworteten beide sofort mit dem 'leiblichen Vater von Jasmin'. Unsere Produzentin Petra Kolle und mir kam relativ schnell die Idee des klassischen griechischen Dramas und zusammen mit unserem Autorendepartment entwickelten wir die Inzest-Story." 

GZSZ-Producer Damian Lott

GZSZ-Producer Damian Lott


Für viele Fans ist der Sender mit der Inzest Geschichte jedoch etwas übers Ziel hinaus geschossen. In den sozialen Netzwerken wird das Thema kontrovers diskutiert. "Geht es eigentlich noch RTL? Wie geschmacklos und vor allem verantwortungslos!!!" schreibt einer. Und "Endlich is Schluss mit dem kranken Scheiß", ein anderer. Auch der Serientod wurde kritisiert: "War auch schon mal besser inszeniert" oder "Das Ende der Story ist absoluter Murks". Doch viele finden auch, dass GZSZ noch nie so gut war, wie jetzt "Meiner Meinung nach war das bisher die spannendste Geschichte bei GZSZ", heißt es da, sowie "Beste Story überhaupt bei GZSZ" oder "Geile Serie, verstehe nicht warum die Leute sich hier permanent aufregen!"


Lott kann die Diskussion verstehen: "Klar polarisiert die Geschichte, aber die Zuschauer sind wirklich emotional voll dabei. Sie leiden und fiebern mit den Figuren mit und durch den Mord ist auch klar, dass die Story hier nicht enden wird, sondern noch einige Überraschungen parat haben wird."

Mit der Spannung stiegen auch die Quoten. Schalteten vor der Inzest-Geschichte noch 2,7 Millionen Zuschauer ab drei Jahren ein, waren es vergangene Woche knapp 3,3 Millionen. "Die Quoten geben RTL und uns in diesem Punkt die Gewissheit, genau das erreicht zu haben - ein mitreißende Story mit tiefen Emotionen zu erzählen."

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