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AfD-Mann Gauland giftet bei Plasberg gegen das "Reschke-Fernsehen"

Seit der Silvesternacht von Köln stehen Polizei und Journalismus in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, im Umgang mit Ausländern zu lasch zu sein. AfD-Sprecher Gauland giftete gegen die NDR-Journalistin Anja Reschke.

Von Paul Middelhoff

AfD-Parteivize Alexander Gauland macht es sich einfach: Er habe Verständnis für all jene, die auf Demonstrationen "Lügenpresse" skandierten, schließlich hätten Politiker wie der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sie als "Pack" abgestempelt. Die Menschen sähen eben keinen anderen Weg, sich in einer ihnen feindlich gesinnten Welt noch Gehör zu verschaffen. Die öffentliche Schmähung der Presse - ein Gegenangriff der Unverstandenen also?

  AfD-Vizechef Alexander Gauland.

AfD-Vizechef Alexander Gauland.

So einfach ist es nicht. Die Talk-Runde bei "Hart aber fair" machte deutlich, dass im Journalismus nicht nur arrogante Weltverbesserer arbeiten. Viel eher ist die Branche offenbar sogar zur Selbstkritik fähig. So präsentierte Frank Plasberg eine Entschuldigung des "heute journal"-Moderators Claus Kleber, der Pegida-Demonstranten in einer Moderation als "Fremdenfeinde, Nationalisten und Zweifler" kritisiert hatte. Er bedauere seine Wortwahl, ließ Kleber ausrichten - jemand, der zweifle, sei schließlich per se nichts Schlechtes und dürfe nicht in einen Topf mit rechten Demonstranten geworfen werden. Sogar Alexander Gauland war mit dieser Entschuldigung zufrieden: "Damit muss es auch gut sein", sagte er.

Massive Kritik an den Medien

Anlass für die Diskussion um die Rechte und Pflichten von Journalisten und Polizisten war erneut die Silvesternacht von Köln. Schließlich war der Polizeipräsident der Stadt geschasst worden, nachdem er die Öffentlichkeit nicht vollständig über die Herkunft der Täter aufgeklärt hatte. Auch die Medien hatten sich in der vergangenen Woche massive Kritik an ihrer angeblich zurückhaltenden Berichterstattung ausgesetzt gesehen. Frank Plasberg ließ seine Gäste deshalb darüber diskutieren, ob die Öffentlichkeit ein Recht auf vollständige Information hat oder nicht. 

Neben Alexander Gauland von der AFD nahm auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt an der Diskussion Teil. In ihren Augen müsse die Herkunft von Straftätern unbedingt genannt werden, um gesellschaftliche Probleme klar benennen zu können, erklärte sie. Sebastian Krumbiegel, Sänger der Pop-Gruppe "Die Prinzen" pflichtete ihr bei: Nur durch umfassende Informationen könnte ein Erstarken rechter Gruppen und Parteien verhindert werden. 

Gauland kritisiert Reschke

AfD-Sprecher Gauland ist einer dieser Nutznießer - in jüngsten Umfragen kommt seine rechtspopulistische Partei in Thüringen auf bis zu 15 Prozent aller Wählerstimmen und liegt damit nur vier Prozent hinter der SPD. Die Angst vor den Übergriffen in Köln treibt der AfD die Wähler zu. Wohl auch deshalb kritisierte Gauland bei "Hart aber fair" den Journalismus in Deutschland scharf, wittert durch die Zusammensetzung der Rundfunkräte eine "Schere im Kopf" der zuständigen Redaktionen.

Und er ging noch weiter: "Der Begriff Lügenpresse ist überspitzt, aber stellt etwas Richtiges dar. Die Medien haben Propaganda pro Flüchtlinge gemacht", sagte Gauland und richtete seine Kritik direkt gegen die anwesende ARD-Moderatorin Anja Reschke: "Ich habe das Reschke-Fernsehen genannt. Wir sollen einfach alles gut und richtig finden." Doch fühlten sich die "Leute auf der Straße" von dieser Art Journalismus nicht mehr vertreten. 

Leider kam die Talk-Runde jedoch über den Medien-Diskurs nicht hinaus. Entgegen des Titels der Sendung "Frisierte Polizeiberichte, bevormundete Bürger" drehte sich das Gespräch ausschließlich um die Versäumnisse des Journalismus. Die Rolle der Kölner Polizei, die maßgeblicher Verursacher der öffentlichen Kritik war, blieb im Dunkeln. 

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