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"Bullshit!" Erboste Schulmediziner, zeternde Impfgegner

Frank Plasberg diskutiert über Impfgegner und Wunderheiler. Eckart von Hirschhausen mimt den Erklärbären - kann aber auch richtig böse. Und am Ende bleiben mehr Fragen als Antworten.

Von Ilona Kriesl

  Die Lage bei "Hart aber fair" eskalierte schnell: TV-Mediziner Eckart von Hirschhausen (r.) im Clinch mit Impfgegnerin Elisabeth von Wedel (l.)

Die Lage bei "Hart aber fair" eskalierte schnell: TV-Mediziner Eckart von Hirschhausen (r.) im Clinch mit Impfgegnerin Elisabeth von Wedel (l.)

Da sitzt er wieder: Eckart von Hirschhausen, seines Zeichens ARD-Tausendsassa, Komiker und Mediziner. Diese Kombination überrascht, nein, sie irritiert. Hatte sich von Hirschhausen nicht vor wenigen Wochen kritisch in "Die Zeit" über öffentlich-rechtliche Talkshows geäußert? Bemängelt, dass in seinem NDR-Talk "Tietjen und Hirschhausen", den er jahrelang co-moderiert hatte, hauptsächlich Menschen eingeladen wurden, die "gesichtsbekannt", also prominent, waren? Immerhin, so gab sich Hirschhausen in "Die Zeit" versöhnlich, sei es ihm gelungen, "in vielen Sendungen jemanden aus dem Bereich Wissenschaft oder Medizin zu platzieren, relevante Themen, die sonst kaum vorkommen."

Nun sitzt von Hirschhausen also in der Plasberg-Runde mit der - mutmaßlich gesichtsbekannten - ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert, das Thema der Sendung: "Von Impfgegnern bis Geistheilern - alles nur Aberglaube?". Kleinert, so ist es der Untertitelung zu entnehmen, nutze sowohl "klassische als auch alternative Medizin". Dann und wann, wenn ihr der Hals kratze, schlucke sie eben Globuli, homöopathische Mittelchen. Das ist eine vage Daseinsberechtigung in einer Show, die den Anspruch erhebt, auf Konfrontation zu setzen. Immerhin versprechen die übrigen Gäste hohes Konfliktpotenzial: Wolfram Hartmann, Kinderarzt und Schulmediziner, Elisabeth von Wedel, Heilpraktikerin und Impfgegnerin - und Cornelia Bajic, eine ausgebildete Homöopathin.

Rasche Eskalation im Studio

"Kann man über Impfen noch diskutieren?" Mit dieser Frage eröffnet Frank Plasberg die Sendung. Offenbar schon - zumindest eskaliert die Lage im Studio rasch. Impfgegnerin von Wedel sei "eine sehr engagierte und besorgte Mutter", ihre Tochter - mittlerweile 25 Jahre alt - habe sie dennoch nicht gegen die Masern impfen lassen. Daraufhin attestiert ihr von Hirschhausen "eine egoistische und fahrlässige Haltung". Ungeimpfte Menschen würden vom sogenannten "Herdenschutz" profitieren, der dann in Kraft trete, wenn mindestens 95 Prozent der Menschen geimpft seien. Sind weniger Menschen immunisiert, könne es zu Masernausbrüchen kommen - so wie aktuell in Berlin.

Etwas verklausulierter gibt sich Cornelia Bajic: Sie sei keine Impfgegnerin, spreche sich aber "für eine individuelle Impfentscheidung" aus. Und ohnehin: Auch in nahezu durchgeimpften Bevölkerungen, etwa in China, würde es immer wieder zu Masernausbrüchen kommen. Diese Worte beflügeln Elisabeth von Wedel: Sie wolle "weg vom Image der Trittbrettfahrer". Diese Unterstellung gehöre für sie schlicht in das Reich der Sagen. "Bullshit!", zischt da von Hirschhausen von der Seite. Von Wendel beugt sich nach vorne, hebt den Zeigefinger, die lockigen Haare im Gesicht: "Auch meinen Bullshit darf ich anbringen!" Erboste Schulmediziner, zeternde Impfgegner: Richtig neu erscheint dieser Ansatz nicht - dafür unterhält er prima.

Antworten bleibt Plasberg schuldig

Wenige Augenblicke nach diesem Wortgefecht entgleitet Plasberg die Diskussion vollständig. "Ich mache eine radikale Zäsur", ruft er in die Runde - nur, um im Anschluss zum zweiten Teil der Sendung "Homöopathie und Wunderheiler" überzuleiten, in dem auch stern-Redakteur Bernhard Albrecht zu Wort kommt. Hatte aber nicht Impfgegnerin von Wedel gerade verraten, dass sie ihre Tochter doch gegen bestimmte Krankheiten hat impfen lassen? Welche sind das? Und überhaupt: Wie war das gleich noch einmal mit dem Nestschutz nach einer überstandenen Masernerkrankung? Antworten bleibt Plasberg seinen Zuschauern schuldig.

Gegen Ende verliert die Sendung an Fahrt, die Luft ist raus, die Fronten geklärt, das Pulver verschossen. Von Hirschhausen nutzt die Chance, die Werbetrommel für sein Liveprogramm zu rühren - und Wettermoderatorin Claudia Kleinert berichtet von ihrem lange währenden Kampf gegen eitrige Mandeln, denen nur mit Homöopathie beizukommen war. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich Homöopathen deutlich mehr Zeit für ihre Patienten nehmen als Schulmediziner - und dass bei ernsthaften Erkrankungen, etwa Krebs, eine Operation der alternativen Behandlung grundsätzlich vorzuziehen ist. Immerhin doch eine ganze Menge für einen Abend, der mehr Fragen aufwarf, als sie zu beantworten.

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