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Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt: "Du muscht schaffe, du muscht schwitze!"

Bei Frank Plasberg wurden die Chancen der Flüchtlinge auf einen guten Job in Deutschland diskutiert - und worauf es bei der Integration auf dem Arbeitsmarkt ankommt. Der Talk macht deutlich: Es gibt es weder gute Lösungen noch sichere Prognosen.

  Bei "Hart aber fair" mit Frank Plasberg wurden die Chancen der Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt diskutiert

Bei "Hart aber fair" mit Frank Plasberg wurden die Chancen der Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt diskutiert

"Jung, männlich, ungebildet?", lautete das Thema des ARD-Talks "Hart aber fair" mit Frank Plasberg. Nur wenige Flüchtlinge bringen eine Ausbildung mit, trotzdem hoffen viele von ihnen auf einen gut bezahlten Job in Deutschland. Wie groß ihre Chancen am Arbeitsmarkt sind, darüber sind sich auch Experten nicht immer einig. Eine Analyse gängiger Aussagen zum Thema Flüchtlinge und Arbeitsmarkt:

1. Eine Million Flüchtlinge im vergangenen Jahr - die kann doch selbst der robuste deutsche Arbeitsmarkt nicht aufnehmen.

Doch, sagen etliche Forscher. Derzeit suchen deutsche Firmen - vor allem der Dienstleistungssektor - nämlich so viele Arbeitskräfte wie nie zuvor. Allein im Januar gab es laut Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) 581.000 offene Stellen, 96.000 mehr als vor einem Jahr. Und es entstünden dank der guten Wirtschaftslage ständig neue Jobs.

Aber, so Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück bei "Hart aber fair": "Du muscht schaffe, du muscht schwitze!" Diese schwäbische Ethik untermauert Hück mit einem interessanten Vergleich: "Wenn einer sagt, nach acht Stunden bin ich müde, ja, welche Arbeit soll ich denn dem geben? Die können doch nicht alle Politiker werden!"

2. Aber trotzdem werden viele Flüchtlinge nicht rasch Arbeit finden.

In der Tat ist nach Prognosen von Arbeitsmarktforschern mit schnellen Erfolgen bei der Vermittlung arbeitsloser Asylbewerber eher nicht zu rechnen. Bevor ein Flüchtling nicht richtig Deutsch kann, braucht man mit der Jobvermittlung nicht zu beginnen, räumt die BA selbst ein.

So lautet auch der Tenor der Runde bei Plasberg, der außer Hück angehören: Cem Özdemir (Vorsitzender der Grünen), Emilia Müller (Arbeits- und Sozialministerin der CSU), Bildungsökonom Professor Ludger Wößmann und Petra Bosse-Huber (Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche), die sagt: "Jeder Flüchtling braucht einen Deutschen, der ihn an die Hand nimmt."

3. Viele Flüchtlinge treten in direkte Konkurrenz zu schlecht ausgebildeten deutschen Langzeitarbeitslosen.

Auch Wissenschaftler sehen das Risiko solcher "Verdrängungseffekte", wie etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Analyse feststellt. Andererseits, so machen die DIW-Experten deutlich, sprächen ältere Untersuchungen zum Beispiel aus Dänemark gegen die These der Verdrängung. In dem skandinavischen Land sei zwischen 1991 und 2008 untersucht worden, ob gering qualifizierte Einheimische von Folgen der Einwanderung betroffen waren.

Das Ergebnis: Dänen mit relativ wenig Know-how wechselten angesichts der auf den Arbeitsmarkt drängenden Migranten sogar in "produktivere Jobs". Ihnen habe durch die Zuwanderer mithin weder Lohndumping gedroht, noch hätten sie ihren Arbeitsplatz verloren.

Zum Ausbildungsvergleich wartet Ökonom Wößmann bei "Hart aber fair" mit einem interessanten Vergleich auf: In Deutschland würden 19 Prozent der Schüler nicht die Kompetenzstufe 1 bei den Pisa-Tests erreichen - in Syrien habe diese Zahl bei einer vergleichbaren Untersuchung schon vor Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 2011 bei 66 Prozent gelegen. Bedenkt man, dass die Syrer als Flüchtlingsgruppe mit den besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration gelten, wird an diesen Zahlen schon eine Problematik deutlich. 

4.  Insgesamt aber dürften Flüchtlinge - nicht zuletzt wegen der von ihnen verursachten Sozialkosten - die deutsche Wirtschaft belasten.

diese Aussage allenfalls auf die erste Zeit nach der Ankunft zu. Mittel- bis langfristig dürften die Flüchtlinge dagegen für positive wirtschaftliche Effekte sorgen, ergab eine Simulation der Forscher. Wie schnell die deutsche Wirtschaft von Flüchtlingen profitieren wird, hänge letztlich davon ab, wie viele Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter nach Deutschland kommen und wie schnell es gelingt, sie in einen möglichst qualifizierten Job zu vermitteln.

Bei ungünstigen Annahmen - dauerhaft geringe Deutschkenntnisse und geringe Qualifikation - könne dies zwar erst nach zehn Jahren der Fall sein, im günstigsten Fall aber auch schon nach drei Jahren. Vor allem Özdemir und Müller dreschen zu diesem Punkt bei Plasberg die üblichen Phrasen: dass das alles dauern werde, dass es richtig teuer werde, dass es kein Patentrezept gäbe. Neue politische Ansätze zur Problemlösung? Fehlanzeige. Stattdessen Einwürfe, die nach Resignation klingen. 

5. Der positive wirtschaftliche Effekt der Flüchtlinge ist nur klein.

Wieder spielt der Bildungs- und Ausbildungsgrad eine Schlüsselrolle. Treffen die moderat optimistischen Annahmen des DIW zu, dann würde die deutsche Wirtschaftsleistung dank der Flüchtlingszuwanderung bis zum Jahr 2025 um 0,5 Prozent höher liegen als im Jahr 2015, bis zum Jahr 2030 um 0,9 Prozent. Nicht enthalten sind dabei die von beschäftigten Flüchtlingen bezahlten Sozialbeiträge.

Sollte die Integration dagegen deutlich langsamer verlaufen, würde das zusätzliche Wirtschaftswachstum erst Ende der 2020er spürbar. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 wuchs Deutschlands Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent. In die DIW-Modellrechnung fließt neben dem privaten Konsum der Flüchtlinge auch die durch ihren Arbeitseinsatz geschaffene Mehrproduktion ein - abzüglich direkter Kosten für die Unterbringung, Versorgung und Integration von Asylbewerbern.

Aber der Blick in die Zukunft gleich bei der komplizierten Gegenwart dem in die Glaskugel: "Die Realität ist draußen", sagt Porsche-Mann Hück bei "Hart aber fair". Schon längst.

tim/Klaus Tscharnke/DPA
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