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Zum Luxus stehen

Heino Ferch gehört zu den erfolgreichsten Schauspielern des Landes. Ein Interview über den ZDF-Dreiteiler "Das Adlon", Hotelrituale und deutsche Luxus-Angst.

Von Sophie Albers

Herr Ferch, die ZDF-Serie "Das Adlon" beschwört den "Geist eines Ortes". Glauben Sie dass es den gibt?
Das glaube ich schon. Ich denke, dass man die Energie der Menschen, die einen Ort bereichert haben, die Geschichten, Emotionen und Atmosphäre an einen Ort getragen haben, spüren kann.

Und was macht das Adlon so besonders?
Einerseits die exponierte Position am Brandenburger Tor, andererseits die Stadt Berlin, die in den vergangenen hundert Jahren so viele extreme politische und wirtschaftliche Wirren und Kriege erlebt hat, wie keine andere Stadt auf dieser Welt in so kurzer Zeit. Das Adlon ist anders als das Ritz in Paris oder das Waldorf Astoria in New York.

Mögen Sie Hotels?
Muss ich doch. Ich habe kaum die Möglichkeit, von zu Hause aus zum Drehort gefahren zu werden und am Abend wieder zurück. Hotels sind deshalb ein wichtiger Bestandteil meines Arbeitslebens.

Haben Sie Lieblingshotels?
Klar, Orte, an denen ich mich zuhause fühle, genauso wie Restaurants. Da will ich hin, weil ich weiß, dass ich mit offenen Armen empfangen werde. "Schön, dass Sie wieder da sind", heißt es dann. Solche Häuser nehmen den Gast ernst, wenn sie sagen: "Wenn wir irgendetwas für Sie tun können, sagen Sie Bescheid".

Haben Sie Hotelrituale?
Wenn ich ins Zimmer komme, nehme ich zuerst diese vielen, vielen Magazine, die auf dem Schreibtisch liegen und alles versperren - schöner Shoppen, schöner Essen, schönere Anziehen - und packe die in den Schrank! Ein zweites Ritual ist es, jeden Morgen in den Swimmingpool zu springen, wenn das möglich ist.

Sie haben schon als Vertreter eigentlich jedes Jahrzehnts vor der Kamera gestanden. Haben Sie das Gefühl, deshalb deutsche Geschichte besser zu verstehen?
Die Geschichte zu kennen, ist wichtig, um die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft zu gestalten. Ich habe das Glück, in andere Zeiten eintauchen zu können. Ich darf mich der Geschichte spielerisch nähern, so nah und authentisch wie möglich.

Und hat das Ihren Blick geschärft?
Das weiß ich nicht. Aber je mehr man weiß, desto mehr gewinnt man doch Einsichten. Andererseits ist alles nur überliefert. Man ist ja nie dabei gewesen.

Haben Sie auch etwas über das Deutschsein gelernt?
Leider sind Lebensfreude und Genießen in Deutschland oft mit Entschuldigungen behaftet. Die Leute entschuldigen sich, sobald sie mal eine gute Flasche Wein aufmachen. Jedenfalls nach außen. Das ist alles etwas verlogen.

Stört Sie die Zuschreibung "deutscher Bruce Willis" eigentlich noch?
In Deutschland hat man immer andere Vorbilder, denen man ähnlich sieht. Es gibt Schlimmeres.

Eine andere Zuschreibung ist "Charmeur".
Die Leichtigkeit eines Louis Adlon habe ich nicht immer, aber ich versuche es.

Sind Sie "angstlos"?
Nein.

Entspannt?
Immer mehr.

Wann waren Sie unentspannt?
Wenn man einen Beruf ergreift, in dem man mit Leidenschaft, Träumen und Wünschen ins Leben geht, dann ist die Aufnahme an der Schauspielschule ein Juhu-Ergebnis. Wenn man drei Jahre später seinen Abschluss hat, beginnen Jahre der Suche und des Findens, des Sich-selbst-Gestaltens. Man ist nun mal sein eigenes Instrument in diesem Beruf.

Haben Sie nicht Lust, auch mal einen Tatort zu drehen?
Angebote gab es schon, aber ich möchte im Augenblick nicht Nummer 24 sein, die fragt "Wo waren Sie gestern zwischen neun und zehn?".

Glauben Sie, dass am Ende immer alles gut wird?
Es gibt eine Menge Geschichten, die am Ende nicht gut ausgehen. Aber ich sehe das Leben optimistisch.

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