Heino Ferch gehört zu den erfolgreichsten Schauspielern des Landes. Ein Interview über den ZDF-Dreiteiler "Das Adlon", Hotelrituale und deutsche Luxus-Angst. Von Sophie Albers
Das glaube ich schon. Ich denke, dass man die Energie der Menschen, die einen Ort bereichert haben, die Geschichten, Emotionen und Atmosphäre an einen Ort getragen haben, spüren kann.
Einerseits die exponierte Position am Brandenburger Tor, andererseits die Stadt Berlin, die in den vergangenen hundert Jahren so viele extreme politische und wirtschaftliche Wirren und Kriege erlebt hat, wie keine andere Stadt auf dieser Welt in so kurzer Zeit. Das Adlon ist anders als das Ritz in Paris oder das Waldorf Astoria in New York.
Muss ich doch. Ich habe kaum die Möglichkeit, von zu Hause aus zum Drehort gefahren zu werden und am Abend wieder zurück. Hotels sind deshalb ein wichtiger Bestandteil meines Arbeitslebens.
Klar, Orte, an denen ich mich zuhause fühle, genauso wie Restaurants. Da will ich hin, weil ich weiß, dass ich mit offenen Armen empfangen werde. "Schön, dass Sie wieder da sind", heißt es dann. Solche Häuser nehmen den Gast ernst, wenn sie sagen: "Wenn wir irgendetwas für Sie tun können, sagen Sie Bescheid".
Wenn ich ins Zimmer komme, nehme ich zuerst diese vielen, vielen Magazine, die auf dem Schreibtisch liegen und alles versperren - schöner Shoppen, schöner Essen, schönere Anziehen - und packe die in den Schrank! Ein zweites Ritual ist es, jeden Morgen in den Swimmingpool zu springen, wenn das möglich ist.
Die Geschichte zu kennen, ist wichtig, um die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft zu gestalten. Ich habe das Glück, in andere Zeiten eintauchen zu können. Ich darf mich der Geschichte spielerisch nähern, so nah und authentisch wie möglich.
Das weiß ich nicht. Aber je mehr man weiß, desto mehr gewinnt man doch Einsichten. Andererseits ist alles nur überliefert. Man ist ja nie dabei gewesen.
Leider sind Lebensfreude und Genießen in Deutschland oft mit Entschuldigungen behaftet. Die Leute entschuldigen sich, sobald sie mal eine gute Flasche Wein aufmachen. Jedenfalls nach außen. Das ist alles etwas verlogen.
In Deutschland hat man immer andere Vorbilder, denen man ähnlich sieht. Es gibt Schlimmeres.
Die Leichtigkeit eines Louis Adlon habe ich nicht immer, aber ich versuche es.
Nein.
Immer mehr.
Wenn man einen Beruf ergreift, in dem man mit Leidenschaft, Träumen und Wünschen ins Leben geht, dann ist die Aufnahme an der Schauspielschule ein Juhu-Ergebnis. Wenn man drei Jahre später seinen Abschluss hat, beginnen Jahre der Suche und des Findens, des Sich-selbst-Gestaltens. Man ist nun mal sein eigenes Instrument in diesem Beruf.
Angebote gab es schon, aber ich möchte im Augenblick nicht Nummer 24 sein, die fragt "Wo waren Sie gestern zwischen neun und zehn?".
Es gibt eine Menge Geschichten, die am Ende nicht gut ausgehen. Aber ich sehe das Leben optimistisch.
"Das Adlon - Eine Familiensaga" Von Kaiser Wilhelm II. bis Helmut Kohl: Entlang der Geschichte des Berliner Luxus-Hotels Adlon erzählt dieses Familien-Epos das 20. Jahrhundert in Deutschland nach. Während es den Visionär und Bauherrn Lorenz Adlon (Burghart Klaußner) und seinen Sohn Louis (Heino Ferch) wirklich gegeben hat, ist die mit deren Schicksal verwobene Familie Schadt fiktiv. Die uneheliche Tochter Sonja Schadt kehrt als alte Frau ins Adlon zurück und beginnt zu erzählen, wie alles angefangen hat.
Der "Titanic"-Style war eine gute Wahl. Mit üppiger Ausstattung und großem Schauspieler-Aufgebot - von Ferch und Klaußner über Marie Bäumer und Josefine Preuß bis Sunny Melles - lässt "Das Adlon" glanzvolle, wilde, tragische, grauenhafte und wunderbare Zeiten aufleben. Ein guter Anfang für das neue Jahr!