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Schmähgedicht? Was der Böhmermann kann, kann die "Heute Show" schon lange

Jetzt also auch die ZDF "Heute Show": Die Redaktion um Oliver Welke hat selbst ein Schmähgedicht geschrieben - und zeigt sich damit solidarisch zu Jan Böhmermann und seiner Erdogan-Kritik.

Oliver Welke gestern Abend in der ZDF "Heute Show": Auch sie veröffentlichten ein Schmähgedicht – vorgetragen von Gernot Hassknecht

Oliver Welke gestern Abend in der ZDF "Heute Show": Auch sie veröffentlichten ein Schmähgedicht – vorgetragen von Gernot Hassknecht

In den letzten Wochen wurde in Deutschland viel darüber diskutiert, was gute Satire darf – und was nicht. Stein des Anstoßes war Jan Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Staatschef Erdogan, das er in der ZDF-Show "Neo Magazin Royale" vorgetragen hatte. Der Moderator musste für seine beleidigenden Worte massive Kritik einstecken, das Gedicht wurde zu einer Staatsaffäre: Aktuell läuft gegen Böhmermann ein Strafverfahren wegen Beleidigung des türkischen Staatschefs.

Auch in der gestrigen Ausgabe der ZDF "Heute Show" war die Schmähkritik noch ein Thema – wenn auch nur indirekt: Zwar meidete das Team um Moderator Oliver Welke den Namen Erdogan, schaffte aber dennoch einen Bezug zum Thema. Die Redaktion veröffentlichte kurzerhand ein eigenes Schmähgedicht, das sich an die österreichischen FPÖ-Wähler richtete. Die rechtspopulistische Partei hatte in der vergangenen Woche in der Wahl zum Bundespräsidenten einen Stimmanteil von 35,1 Prozent erreicht.

"Heute Show" stellt sich auf Böhmermanns Seite

Die Parallele zum Erdogan-Gedicht: Auch die Verse der "Heute Show" zielen eindeutig unter die Gürtelllinie und sind nicht ganz jugendfrei. Das Team um Welke sieht sich daher genötigt, dem Stück eine Erklärung vorzuschieben: So würde das Schmähgedicht "in keiner Hinsicht den Qualitätsansprüchen des ZDF" genügen. Das ist ein klarer Seitenhieb an die Sender-Verantwortlichen: Mit ähnlichen Worten hatten sie die Entscheidung verteidigt, Jan Böhmermanns Erdogan-Kritik aus der ZDF-Mediathek gelöscht zu haben.

Das Gedicht, das Satiriker Gernot Hassknecht vorträgt, umfasst lediglich zwei Verse. Kurze Absätze, die es aber in sich haben. Das Gedicht mit dem Titel "Der FPÖ-Wähler" im Wortlaut:

"Palatschinken, Apfelstrudel – 

Birne hohl und weich die Nudel.

Du machst dir selbst dein Bundesheer,

durch Inzest beim Geschlechtsverkehr.

Egal ob Hühner oder Gemsen,

mit beiden tust du gerne wemsen.

Und ist die Gemse einmal schneller,

dann geht’s zur Schwester in den Keller."

Mit der eigenen Veröffentlichung eines Schmähgedichts zeigt sich die Redaktion der "Heute Show" solidarisch zu Jan Böhmermann und bekennt sich klar zu dem Satiriker. Mit einem entscheidenden Unterschied: Während sich Böhmermanns Gedicht gezielt an eine Person, nämlich den türkischen Präsidenten Erdogan richtet, ist die Kritik der "Heute Show" an eine Vielzahl von Wählern adressiert.

Der Satiriker Böhmermann hat via Twitter bekannt gegeben, eine Fernsehpause einlegen zu wollen. Aktuell sendet das ZDF keine neuen Folgen seiner Satire-Show "Neo Magazin Royale". Nach Angaben des Senders soll die nächste Ausgabe am 12. Mai ausgestrahlt werden.

ikr

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