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12. Januar 2009, 07:51 Uhr

Heinz Erhardts Erben

Dschungelcamp, Tag 3: Giulia Siegel löst trotz ihrer Phobien die Aufgabe im Wasserbecken leicht bekleidet, aber souverän. Nicht so die beiden Moderatoren - die machen alles falsch, was ein Moderator nur falsch machen kann. Von Michael Rossié

Dschungelcamp, RTL,

Souverän gelöst: Giulia Siegel besteht ihre Dschungel-Prüfung© RTL

Ob sich jene Politiker, die sich einst für die Einführung des Privatfernsehens stark gemacht hatten, vorstellen konnten, wohin das führen würde? Nein, damit meine ich nicht die Ekel-Prüfungen und Dschungel-Aufgaben. Die sind inzwischen sterbenslangweilig. Sogar Giulia Siegel mit ihren Phobien löst ihre Aufgabe im Wasserbecken leicht bekleidet, aber souverän. Da passiert so gut wie nichts. Die Kandidaten wissen nämlich durch das Studium der letzten Staffeln genau, worum es geht.

Ansonsten Langeweile pur. Schätzspielchen, ein bisschen alberner Soldatendrill, ein bisschen Zickenkrieg, weil Giulia Siegel kein Österreichisch mehr hören kann (gut, dass sie die Dialekt-Imitationen von Frau Zietlow nicht hören muss), und ein Günther Kaufmann, der Frau Siegel wahlweise geschickt Angst macht oder ihre Wahl messerscharf als Antipathie analysiert. Dazu wird fröhlich und lautstark um die Wette gefurzt und das auch noch ausführlich kommentiert.

Nein, man hat sich in diesem Format vor allem entschieden, nackte menschliche Körperteile vor grünem Hintergrund zu zeigen, abwechselnd sehenswerte, überhaupt nicht sehenswerte und künstliche Körperteile. Und das mit einem so starken Zoomobjektiv, dass kaum Wünsche offen bleiben.

Wenn es doch nur aufregend werden würde, wenn Frau Zambo leicht bekleidet "mit dem zurechtkommen will, was ihr der liebe Gott gegeben hat" und Herrn Bond "was passieren könnte", obwohl "MOMENTAN meine Frau die Schönste ist". Da liegt doch der Skandal förmlich in der Luft. Außerdem freut er sich auf Nico Schwanz, der die Ohrstöpsel wegen der Vögelei im Dschungel dabei hat, und das, obwohl bei Lorielle der Po erst zu einem Viertel fertig ist. Man spürt, wie die Redakteure beten, dass etwas Quotenträchtiges passieren möge.

Und die Moderation? Kann man das, was Frau Zietlow und Herr Bach da machen, Moderation nennen? Nein, es handelt sich um gespielte Witze, die wir auch aus Volksmusiksendungen kennen, und deren einziger Zweck die Verlängerung der Sendezeit ist. Der Rest sind Aufrufe zum Voting (für zehn Kandidaten dauert das ewig) und zweideutige Wortspiele mit unartigen Wörtern, bei denen es sogar für "Hans Eichel" und "latte macchiato" Strafpunkte gibt, zwei Begriffe, die keinerlei Zusammenhang zur Sendung haben. Anschließend pubertäres Gekicher. Ja, da ist wohl eine Kindersendung ins Abendprogramm gerutscht.

Finden das auch Erwachsene komisch? Die beiden Moderatoren schon. Die lachen sich über sich selbst scheckig, als wären sie die legitimen Nachfahren von Heinz Erhardt. Dazu machen sie alles falsch, was ein Moderator falsch machen kann. Am Tag drei im Dschungel fanden sie zunächst ihre Kamera nicht. Die vorgefertigten Pointen werden mit falschen Pausen und Betonungen ("Das Auto steht IN der Garage") laienhaft wie kleine Theaterstückchen aufgeführt, wobei beide singen und grimassieren, was das Zeug hält. Jeder Moderator im Kinderkanal spricht natürlicher.

Aber das versteht man als Moderatorenchecker natürlich nicht. Denn das ist doch ABSICHT. Die dauernden Versprecher von Dirk Bach (Gumbis Zambo, lappy hour) liegen nicht daran, dass er zu lange geflogen ist, nein, das soll witzig sein. Sonja Zietlow wackelt mit dem Kopf und geschlossenen Augen wie ein Mitglied der Augsburger Puppenkiste und verscheucht mit ihren Grimassen keine australischen Mücken, das soll vielmehr amüsant sein. Die ständigen Quietschgeräusche sollen ungebremste Lebensfreude signalisieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die morgendliche Begrüßung der Moderatoren ("Moaggen, Ihr Lieben") verlogen ist

Zur Person:

Zur Person: Michael Rossié arbeitet seit 20 Jahren als Sprechtrainer und Coach im Auftrag verschiedener Radio- und Fernsehsender. Er bildet Schauspieler für die Arbeit mit der Kamera aus, schult Moderatoren und Sprecher, coacht Prominente für Fernsehauftritte und berät Musikgruppen für die Moderationsanteile bei ihren Live-Auftritten. Daneben ist er Autor der Bücher "Sprechertraining" (2000) und "Frei sprechen" (2004), beide in der Reihe "Journalistische Praxis" des List-Verlages erschienen, sowie des Buches "Schwierige Gespräche - live" (2005) im Haufe Verlag.

In über 100 Seminaren jährlich arbeitet er außerdem für Filmproduktionen, Wirtschaftsunternehmen, Parteien, Akademien, Schulen und Hochschulen für Sportler, Musiker, Politiker, Lehrer und alle, die viel reden müssen.

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KOMMENTARE (10 von 50)
 
status-quo-fan (14.01.2009, 21:27 Uhr)
Der Präkariatsclown
Ich frag mich schon lange, wann dieser Unterschichten-Clown auf Nimmerwiesersehen aus dem deutschen Fernsehen verschwindet.
Aber anscheinend gibt es noch genug geistig Umnachtete, die diesen Schwachsinn mit Begeisterung einschalten.
setus (13.01.2009, 14:00 Uhr)
Erhardts Erben
Diesen unsäglich blöden Dirk Bach mit Heinz Erhardt zu vergleichen, das ist Verunglimpfung eines Toten.
Unsinniges Geschwafel in noch unsinnigeren Klamotten....
Reich-Ranicki hatte recht.
HolgerA (13.01.2009, 12:52 Uhr)
Alles doof
Also wirklich. Ich habe schon viele Kritiken über diese Sendung gelesen, aber diese schlägt dem Fass den Boden aus. Nicht ein vernünftiges Argument wurde gegen die Moderation gebracht. Ob nun die Witze falsch betont oder für Kinder sind muss denke ich jeder selbst für sich entscheiden. Bei den Einschaltquoten muss man sich überleben, ob der Zuschauer denn etwas anderes sehen möchte. Diese Sendung und die Moderation ist "leichte Unterhaltung". Stimmt. Diese Kritik kann man ja annehmen. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass alle, die diese Sendung gerne sehen gleich Dumm sind. (Ich habe dies einfach mal zwischen den Zeilen gelesen) Kann es denn etwas besseres geben als nach getaner Arbeit nach Hause zu kommen und sich einfach mal "unterhalten" zu lassen? Ich finde es könnte wohl kaum jemanden besseres geben als Sonja und Dirk, die diese Sendung so gut moderieren, dass die Quoten in die Höhe geschossen sind. Das Groh der Zuschauer guckt diese Sendung nur wegen den Kommentaren der Beiden. Dies ist nachvollziehbar. Wenn diese Redaktion also unbedingt etwas schlechtes an diesem Format finden muss, weil leichte Unterhaltung schlecht sein MUSS, dann doch bitte etwas anderes und nicht Moderatoren, die einen tollen Job machen.
Mastergirl (13.01.2009, 10:07 Uhr)
Jedem das Seine
Die Fernsehlandschaft ist heute so bunt, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Die Fernsehprogramme spiegeln auch den Zeitgeist wieder. Deshalb kann die Zielgruppe von den Privaten weder mit einem Heinz Erhard noch mit Heinz Rühmann etwas anfangen. Mit solchen Filmen können höchstens die Ö-Rechtlichen bei ihrer Rentner-Zielgruppe punkten. Ich persönlich habe diesen Dschungelcamp noch nie gesehen.
jeanclode7 (13.01.2009, 00:30 Uhr)
Hat Rossié die Sendung nicht verstanden?
Wie würde Herr Rossié die Sendung moderieren? Grauer Anzug und Krawatte anziehen und dann wie einen Tierfilm von Bernhard Grzimek kommentieren?
Diese Sendung ist reine Comedy. Alle wissen das, die 10 Teilnehmer, die Veranstalter, die Zuschauer, die Moderatoren. Alle, nur nicht Herr Rossié...
Die Moderation von Zietlow und Bach lebt vom konsequenten Mut zum Kitsch. Das Timing der Pointen ist perfekt. Es ist eine Freude zu sehen, wie die beiden sich gegenseitig die Stichworte zuspielen und in der Rolle bleiben, so flach und zotig die Pointen auch kommen. Das ist hohe Schauspielkunst!
Ich liebe diese Show! Gerade für intelligente und intellektuelle Zuschauer ist die Show ein Genuss. Alle Beteiligten machen sich zum Affen - und haben Spaß dabei. :-)))
kiwi4ever (12.01.2009, 22:34 Uhr)
Immer das Gleiche...
Angeblich schaut es wieder keiner (weil intellektuell zu minderwertig), aber warum dann diesen Artikel anklicken, lesen und auch noch kommentieren?
Nur um noch einmal zu betonen wie gebildet man selbst ist, da man sich soetwas ebent NICHT anschaut? Intellektuell gesehen trägt Fußballschauen wohl auch eher zum Absterben der Gehirnzellen bei und trotzdem verleugnet Niemand sich die EM angeschaut zu haben (und das zumeist noch in aller Öffentlichkeit).
Aber zum Artikel:
Der Autor spricht mir hier aus der Seele, unvorstellbar dass diese Moderatoren wirklich eine Live Sendung moderieren dürfen, einfach nur schlecht.
Und ja, ich schau mir die Sendung an und ich bin auch vollkommen zufrieden nicht jede Minute meiner Fernsehzeit mit Sendungen zu verbringen die Reich-Ranitzki empfehlen würde.
gunnarhaeger (12.01.2009, 18:42 Uhr)
Ach, Herr Rossie....
jetzt sind Sie schon der 6.345te, der sich über die Sendung aufregt. Wenigstens konnten Sie ja gleichzeitig etwas Werbung für Ihre Bücher machen. Wir leben im 21. Jahrhundert und soviel ich weiss, hat jedes TV Gerät einen AUS-Knopf bzw noch mind. 50 andere Programme. Und trotzdem gucken das die Leute! Und trotzdem beschäftigen sich die Medien damit, Sie tun es ja auch. Was ich aber besonders schlimm finde, ist, dass Sie den Namen Heinz Erhardt auch nur erwähnen. Nichts und niemand ist vergleichbar mit diesem Genie!
Haris_Pilton (12.01.2009, 18:35 Uhr)
@Düsseldorferin
ich habe den Artikel gar nicht gelesen, die Überschrift hat mir gereicht! Und 6 Millionen Zuschauer? Kann ich nicht ganz glauben, obwohl die Dummheit der Deutschen dazu passen würde...
hevosenkuva (12.01.2009, 18:33 Uhr)
Den Verfasser der Überschrift "Heinz Erhardts Erben"
sollte man umgehend in eine Badewanne voller schleimiger Maden schmeißen. Das ist ja wohl ein unglaublicher Griff ins Klo.
schmock (12.01.2009, 17:23 Uhr)
@nichtvergessen...
supergeiler Kommentar. Bitte alle anderen sofort loeschen. ( diesen hier inclusive).
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