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25. Januar 2009, 13:00 Uhr

"Wir Alten lassen uns nicht unterkriegen"

Ingrid van Bergen ist Dschungelkönigin. Die älteste in der Geschichte von "Ich bin ein Star...". Im Interview mit stern.de appelliert die 77-Jährige an ihre Generation, sich nicht vom Jugendwahn beeindrucken zu lassen, rechnet mit Giulia Siegel ab und verrät ihren großen Traum, den sie sich jetzt erfüllen will. Von Katharina Miklis

Dschungelcamp, Ingrid van Bergen,

Sie hat für ihre Generation gekämpft und gewonnen: Dschungelkönigin Ingrid van Bergen© RTL

Am Ende siegte das Alter. Ingrid van Bergen, mit ihren 77 Jahren weitaus älter als die beiden Finalisten Lorielle London, 25, und Nico Schwanz, 31, zusammen, wurde im Finale von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" zur Dschungelkönigin gewählt. Ihre Natürlichkeit hat gesiegt, ihre Altersweisheit und vor allem ihre direkte Art. Es war ein Sieg für ihre Generation, verrät sie im Interview, das sie stern.de direkt nach einer "furchtbaren Nacht" in Freiheit gab.

Herzlichen Glückwunsch Frau van Bergen. Wie war Ihre erste Nacht in Freiheit und Luxus?

Schlecht war es. Ganz schrecklich. Ich habe mich zu sehr an das Dschungelcamp gewöhnt. Ich bin zwar froh, dass die Tiere ihr Biotop wieder für sich haben. Aber ich habe einfach viel zu große Sehnsucht danach.

Millionen Menschen haben das Dschungelcamp vor dem Fernseher verfolgt. Ein Großteil hat tagtäglich für Sie angerufen. Was sagt es über Deutschland aus, dass die Zuschauer Sie als Siegerin gewählt haben?

Nun, es hat mich schon sehr erstaunt, dass ich trotz dieses Jugendwahns gewonnen habe. Wie ich gehört habe, hat vor allem die Jugend für mich votiert. Darüber habe ich mich unheimlich gefreut. Dass auch die Älteren ernst genommen werden, ist ein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft.

Womit haben Sie die Jugend überzeugt?

Ich denke, dass auch die Jugend dadurch zu beeindrucken ist, dass jemand in meinem Alter alle Hindernisse auf sich nimmt und vorwärts marschiert - wie die Jugend selbst. Für die jungen Menschen nehme ich in diesem Sinne einen Vorbildcharakter ein. Die finden das toll und denken sich: 'Wenn ich so alt bin, möchte ich auch so sein!'.

Vielleicht bewundern sie auch Ihre zum Teil knallharte Direktheit...

Ich bin, wie ich bin. Ich habe da keine Strategie. Ich will niemanden verletzen. Ich würde eine Wahrheit nicht aussprechen, wenn sie einen Menschen kränken würde. Aber ich bin nun mal auch bekannt für meine Aufrichtigkeit, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben. Was ich sage, das sage ich mit Überzeugung. Ohne Punkt und Komma. Ohne Windungen. Das macht mich aus.

Was wollten Sie den Menschen hinsichtlich Ihrer Generation beweisen?

Ich wollte zeigen, dass mit uns zu rechnen ist. Sowohl physisch als auch psychisch. Und dass wir uns solchen Herausforderungen von Zeit zu Zeit einfach stellen müsssen, um zu beweisen: 'Wir sind da! Wir gehören nicht zum alten Eisen. Wir Alten lassen uns nicht unterkriegen, wir lassen uns nicht ausrangieren!'.

Und was sollen Menschen Ihres Alters von Ihrem beherzten Auftritt lernen?

Dass sie auf keinen Fall resignieren dürfen. Dass sie niemals aufgeben sollen. Und dass sie immer den Blick nach vorne richten. Ich bin Anhängerin des positiven Denkens. Alter hat damit überhaupt nichts zu tun. Ob ich fit im Gehirn oder körperlich fit bin, das liegt an mir. Das muss man trainieren. Es ist falsch, wenn Menschen mit 65 in Rente gehen und sich dann plötzlich fallen lassen. Man muss immer dranbleiben. So wie ich. Oder wie Jopi Heesters.

Das Dschungelcamp ist, wenn man so will, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Verschiedene Gruppen waren im Camp vertreten. Was konnten Sie als Vertreterin der Senioren Ihrer Gemeinschaft geben?

Wenn jemand, der so alt ist wie ich, so weit kommt, dann stärkt das die Gruppe. Durch mich haben die anderen gelernt, nicht aufzugeben. Weil die sich gedacht haben: 'Wenn die das schafft, dann schaffe ich das auch'.

Die meisten Promis gehen ins Camp mit der Hoffnung, der brachliegenden Karriere einen Kick zu geben. Was meinen Sie, was kommt jetzt auf Sie zu?

Keine Ahnung. Ich lasse immer alles auf mich zukommen. Deswegen habe ich auch keine Prognosen für das Finale aufgestellt.

Wenn RTL Ihnen jetzt anbieten würde eine Show zu moderieren, würden Sie annehmen?

Ja, das würde ich.

Was wäre da Ihr Traum. Gibt es etwas, was Sie schon immer mal vor der Kamera machen wollten?

Ja. Ich bin Komikerin. Schon immer gewesen. Ich habe schon in den 50er Jahren politisches Kabarett gemacht. Ich bin seit 56 Jahren im Beruf. Leider wurde ich sehr oft für ernste Rollen besetzt. Es gibt sehr wenig komische Rollen und wenn, dann werden die von Männern gespielt. Ich habe mir immer schon gewünscht, dass jemand eine Serie schreibt für eine Frau, die komisch ist. Ich will die Leute amüsieren.

RTL stellt jetzt sicherlich die Ohren auf. Da werden Angebote kommen...

Ja, das wär schön.

Lesen Sie auf Seite 2: Ingrid van Bergens Abrechnung mit Giulia Siegel und warum es für van Bergen von Vorteil war, als einzige keine operierten Brüste zu haben

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