. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
31. Januar 2008, 15:14 Uhr

"Man darf sich auch gruseln"

Christian Ulmen hat einen beeindruckenden Slalom zwischen Fernsehen und Kino hingelegt. Nun wird sein Frühwerk auf DVD veröffentlicht. Er hat das stern.de-Interview genutzt, um mal zu sagen, was bei ihm Sache ist - von Diätwahn über Nokia-Syndrom bis zum Kunststück des Verschwindens.

Ein reflektierendes Blick zurück auf sein Frühwerk: Christian Ulmen, Moderator und Schauspieler, der durch seine Shows auf MTV bekannt wurde© Kai Schulz/ProSieben

Mitte der 90er Jahre nahm die Karriere Ulmen Gestalt an. Der MTV-Moderator nutzte die Freiheiten des Musiksenders für anarchische, kleine Formate, die als Einspieler seine Sendungen schmückten, die ihm eine große Fangemeinde einbrachten.

Ob als heulender Polizist am Wegesrand, der mit seinem Gefühlsausbruch Passanten erschreckt oder in der Chaos-Kombo "Tweety und Schotte", in der Ulmen als gelber Vogel verkleidet seinen Mitmenschen so lange auf die Nerven ging, bis sie sich - in welcher Art auch immer - auf ihn einließen: Der Moderator und Schauspieler hat eigene Konzepte geschaffen. Den "Frühen Ulmen" gibt es nun auf DVD. Grund für ein ausführliches Gespräch.

Christian Ulmen: Wollen Sie einen Keks?

Danke, gern. Herr Ulmen, die DVD heißt "Der frühe Ulmen". Fühlt man sich da nicht sehr alt? Sie sind gerade mal 32.

Ich fühle mich nicht alt, im Gegenteil, ist doch schön, dass es eine Phase gibt, die man schon beendet hat. Da weiß man, das ist abgeschlossen, und damit hat man nichts mehr am Hut.

Ist der Blick zurück nostalgisch oder eher wehmütig?

So eine Mischung. Ich neige ja eigentlich nicht dazu, wehmütig zurück zu blicken, aber das war schon eine ganz tolle Zeit. Wir konnten bei MTV machen, was wir wollten, das wurde bundesweit ausgestrahlt - und in Österreich und der Schweiz. Das hat nie wirklich jemand kontrolliert. Die Senderverantwortlichen haben zwar ihr Feedback gegeben, aber doch hatte ich immer das Gefühl: So richtig mit beiden Augen hingeguckt haben die nie. Das war toll.

Auf der DVD sprechen ehemalige Kollegen auch von Problemen, die Sie damals plagten. Ich frage Sie mal ab, was daraus geworden ist, ok?

Ok.

Was macht die Hysterie?

Da neige ich heute immer noch zu. Wenn die Zeit knapp wird, wenn irgendwas nicht passiert, dann werde ich hysterisch. Aber ich bin introvertiert hysterisch. Das äußert sich in stoischer Ruhe und Gelassenheit...

Und Magengeschwüren?

Ja, es richtet sich nach innen: Schmerzen, Krämpfe, Depressionen.

Wie steht es mit dem Kettenrauchen?

Aufgehört! Ich rauche seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Ihre Ex-Kollegen sprechen auch vom "Saufen".

Weiterhin... [denkt nach] weiterhin!

Und die Essstörung?

Weil ich eben eigentlich immer abnehmen will und immer darüber nachdenke, wie viel ich eigentlich esse, aber dabei immer esse! Es ist wirklich verrückt. Seitdem ich mir darüber Gedanken mache abzunehmen, nehme ich zu. Na, den einen Joghurt noch, wie viele Kalorien hat der denn, wird nicht so viel sein. Oder auch so ein Keks. Da denkt man sich "Ich esse jetzt Kekse, und dafür verzichte ich heute Abend auf Spaghetti". Dann isst man den Keks, und am Abend sagt man sich "Na gut, eine Portion Spaghetti, wie viel Punkte hat das bei Weight Watchers? Drei? Kann ich mir leisten."

Sie sind bei den Weight Watchers?

Auch. Ich kenne zumindest das Punktesystem. Ich wende so viele Diäten gleichzeitig an, dass nichts mehr funktioniert.

Wie wäre es mit Sport?

Dafür bin ich zu lustlos. Ich bin wirklich nicht faul, weil ich gerne und viel arbeite, aber ich habe auf Sport überhaupt keine Lust. Es langweilt mich zu Tode zu laufen. Ich finde Sport ganz unerträglich ätzend.

Dann bleibt nur noch das Hinnehmen.

Und das kann ich eben auch nicht. Ich finde, ich sah in "Herr Lehmann" besser aus als in "Der Fischer und seine Frau". Nicht, dass ich übertrieben eitel wäre, aber wenn ich darüber nachdenke, dann habe ich mich weniger fülliger lieber gemocht.

Einen haben wir noch: die Schwermut.

Ja, wie gesagt, die Depressionen. Das ist so ein Kommen und Gehen. Im Herbst kommt die Schwermut.

Wie viel Koketterie steckt eigentlich in Ihren Depressionen?

Man kann ja gar nicht nicht kokett sein, wenn man in irgendeiner Form etwas in der Öffentlichkeit macht. Da ist alles Koketterie. Ist Koketterie eigentlich negativ? Es ist eine negativ anmutende Beschreibung für Darstellerei. Aber das ist ja die Aufgabe, die man hat.

Wann haben Sie das letzte Mal so richtig geheult?

Beim Ende von "Six Feet Under" [US-Fernsehserie], bei der allerletzten Folge habe ich geweint. Das ist wirklich ein Meisterwerk! Irgendwann fängt es dich, und dann bist du süchtig.

Bei "Unter Ulmen" hieß es früher immer "Kommt, wir spielen!"...

[rattert runter] Mein Name ist Christian Ulmen, ich bin Moderator, und deshalb dazu gezwungen euer Freund zu sein, kommt, wir spielen...

Sind die Menschen heute weniger spielfreudig als früher?

Die sind total spielfreudig! Das merkt man auch an diesem ganzen Web-2.0-Gedöns. Da spielen die ja alle mit. Die Leute wollen unbedingt spielen. Mehr denn je habe ich den Eindruck.

Anders spielen?

Ja, über das Internet, da passiert ganz viel. Da findet vielleicht auch das statt, was wir früher als junge Menschen über MTV gemacht haben. Das war unsere Jugendleitkultur, das passiert heute im Netz. Da haben jetzt alle ihre Myspace-Seiten, Youtube und so weiter. Mehr Interaktion geht ja gar nicht

Im Umgang mit den Menschen auf der Straße haben Sie wiederum gesagt, dass die Leute aggressiver geworden seien.

Das kann auch ein Riesenzufall gewesen sein, aber als wir für die DVD Sachen nachgedreht haben, sind wir nur attackiert worden. Die Leute haben keinen Spaß verstanden. Dabei war Sommer, die Sonne schien, es war Wochenende. Wir haben "Tweety und Schotte" gemacht, und bei allem, was wir machten, fast jedes Mal hat jemand damit gedroht, uns aufs Maul zu hauen. Ein paar Mal haben Leute uns angegriffen.

Vielleicht waren Sie im falschen Stadtteil?

Wir waren überall: in Berlin-Biesdorf, in Mitte, in Charlottenburg. Es war wirklich wie verhext. Es kann aber auch sein, dass die Leute inzwischen einfach wissen "Ok, das ist Comedy. Das sind irgendwelche Typen vom Fernsehen, die machen,..."

"...dass wir blöd aussehen."

"Die machen jetzt Quatsch. Haut ab!" Ich hab keine Ahnung, woran das liegt. Vielleicht ist es auch das Nokia-Syndrom, dass die Leute Angst um ihren Job haben. Das Klima schien jedenfalls rauer.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Greeper (31.01.2008, 21:07 Uhr)
Bildunterschrift
"Ein reflektierendes Blick zurück auf sein Frühwerk"
Schönes deutsches Spraches.
Malt (31.01.2008, 15:56 Uhr)
Christian Ulmen...
...ist einfach der Beste!
MEHR ZUM ARTIKEL
Pro-Sieben-Serie "Dr. Psycho" Zum Schießen komisch

Ein Krimi, der witzig sein soll - kann das gut gehen? Oh ja, wenn Christian Ulmen die Hauptrolle spielt. In "Dr. Psycho" fällt er den Kollegen von der Soko als trotteliger Polizeipsychologe auf die Nerven. Und löst nebenbei sogar den ein oder anderen Fall. mehr...

Christian Ulmen Der Albtraum-Mann

Er ist kaum auszuhalten. In seiner TV-Sendung macht Christian Ulmen, maskiert als "Mein neuer Freund", den Kandidaten das wahre Leben verdammt schwer. Jetzt ist die Serie auf DVD erschienen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft