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Viel Matsch und noch mehr Blut

Josefine Preuß bringt wieder Kinder auf die Welt: Sat.1 zeigt mit "Die "Hebamme 2" die Fortsetzung des erfolgreichen Historienfilms. Diesmal muss sich Hebamme Gesa abscheulicher Anschuldigungen erwehren.

Josefine Preuß in "Die Hebamme 2"

Josefine Preuß in "Die Hebamme 2"

An den Film "Die Hebamme" (Sat.1) kann sich bestimmt manch einer noch erinnern. Er lief vor zwei Jahren und fuhr eine beachtliche Einschaltquote ein: 5,45 Millionen Zuschauer waren vor dem Bildschirm versammelt, was einen satten Marktanteil von 17,5 Prozent bedeutete. Da ist es nur konsequent, wenn nun eine Fortsetzung kommt. Zu sehen ist sie mit dem eher einfallslosen Titel "Die Hebamme 2" an diesem Dienstag (20.15 Uhr, Sat.1). Im Anschluss folgt die Dokumentation "Die wahre Hebamme", in der es um die erste moderne Hebamme Justine Siegemund (1636 - 1705) geht.

Im ersten Film macht Gesa (Josefine Preuß) in Marburg eine Ausbildung zur Hebamme und macht schlimme Erfahrungen in einem Gebärhaus dort. Einige Jahre später, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, macht sie sich auf den Weg nach Wien, zusammen mit ihrer an Schwindsucht erkrankten Cousine Luise (Genija Rykova) und deren kleinem Sohn, ihrer Freundin Lotte (Alicia von Rittberg) und Fuhrmann Pauli (Johannes Nussbaum).

In Wien lehrt und praktiziert Luises Vater, Prof. Gottschalk (Bernhard Schir), als Dekan der medizinischen Fakultät am Allgemeinen Krankenhaus. Er soll Luise heilen, obwohl er sich von ihr losgesagt hat. Gesa macht gleich einen Vorschlag dazu: Der kranke Lungenflügel von Luise soll zum Kollabieren gebracht werden, damit der gesunde Teil der Lunge die ganze Arbeit übernehmen kann. Dies geschieht mit Hilfe einer langen Nadel - Luise muss schreckliche Schmerzen erdulden, überlebt aber und wird schließlich gesund.

Josefine Preuß als Hebamme

Daraufhin darf Gesa an den Lehrveranstaltungen des Professors teilnehmen. Ihr Kommilitone Wilhelm (Adrian Topol) verliebt sich in sie. Derweil erliegt Lotte dem Charme des jungen Medizinstudenten Anton (Jannik Schümann). Zufällig stoßen Gesa und Wilhelm in der Kanalisation des Krankenhauses auf sechs Frauenleichen, denen recht fachmännisch die Herzen entnommen wurden. Gesa wird prompt verdächtigt, an diesen abscheulichen Taten beteiligt zu sein.

 Wie das Schauermärchen ausgeht, wird nicht verraten - Parallelen zum ersten Film sind jedoch nicht zu übersehen. Was sicher auch daran liegt, dass Regisseur Hannu Salonen, Autor Thorsten Wettcke und Produzent Oliver Berben wieder beteiligt sind. Allerdings entstand der zweite Film in Prag und nicht nach einer Romanvorlage von Kerstin Cantz. Es geht auch weniger um den Berufsstand der Hebamme, sondern um eine für ihre Zeit moderne Frau (Gesa), für die es ein weiteres Vorbild im realen Leben gibt: Dorothea Erxleben, die im 18. Jahrhundert als erste Frau in Deutschland zum Promotionsstudium zugelassen wurde. Sie kämpfte zum "Heil und Trost der Kranken" darum, dass persönliche Eignungen wichtiger sind als das Geschlecht.

Zu viele Klischees

Auch die Figur der Luise zeigt eine für ihre Zeit moderne Frau. Schauspielerin Genija Rykova (30, "Schlussmacher") sagte im Interview mit der dpa über ihre TV-Rolle: "Die harten Umstände der Figur haben mich interessiert: Luise hat keine Familie, ist todkrank und möchte ihr Kind versorgt wissen. Sie war einem Arzt versprochen, ist aber einem Poeten verfallen, von diesem schwanger und somit zur Aussätzigen geworden. Ich nehme zwar stark an, dass die Menschen damals nicht mehr oder weniger treu gewesen sind aber heute gehen wir toleranter mit diesem Thema um".

Luise gebe nicht auf, sagte Genija Rykova, sondern kämpfe vielmehr um ihr Leben und das ihres Kindes. Sie besitze den Mut, es sich nicht in einer Partnerschaft bequem zu machen und sei bereit, diese Komfortzone zu verlassen, weil sie an die wahre Liebe glaube.

 Das ist hübsch gesagt. Die Verquickung von etwas Romantik, etwas Thrill und etwas Historie im TV kommt offenbar an, siehe "Die Wanderhure" (Sat.1), "Die Pilgerin" (ZDF) oder "Die Pfeiler der Macht" (ZDF). Schade nur, dass so viele Klischees (geplatzte Mieder, spitze Schreie, gepresste Lippen, unheilvolle Gewitter) bemüht werden, dass ziemlich drastische Schockmomente (blutige Messer bei OP-Szenen), dramatisch anschwellende Musik und hektische Schnitte den Spaß beim Zuschauen trüben. Es ist mal wieder ziemlich viel Matsch und Blut zu sehen.

Klaus Braeuer, DPA

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