Bislang hat ihm das ZDF viele Sonderrechte eingeräumt. Er darf eine eigene "Wetten, dass..?"-Website betreiben: wetten-dass.com, auf der das ZDF und Audi gleichrangig als Partner Erwähnung finden. Auch der kurzzeitige ZDF-Unterhaltungschef Viktor Worms ist bei "Wetten, dass..?" immer noch verdienend mit von der Partie. Spezialität seiner Agentur wmp ist laut Selbstauskunft die "inhaltliche Betreuung von Partnereinbindungen" - im Rahmen des gesetzlich Erlaubten, versteht sich. Thomas Gottschalk aber darf noch mehr: in einem joint venture mit dem Bauer-Verlag, der auch das Internet-Wettportal "wannachallenge" betreibt, gibt er zu "Wetten, dass..?" ein gleichnamiges Blättchen heraus.
Das meiste aber wirkt lieblos gemacht, ohne Engagement des Protagonisten. Zwar können im Netz die User abstimmen, wie ihnen das Kostüm Gottschalks gefallen hat und im Shop ein paar sturzlangweilige Sampler wie "Sunshine Reggae auf Ibiza" bestellen, aber eine Goldgrube würde anders aussehen. Das Vermarktungsgenie des Bruders wirkt ein wenig erlahmt. Über diesen Eindruck kann auch die teure Gottschalk-Moderation der Audi-100-Jahrfeier nicht hinwegtäuschen.
Was nun, wenn Gottschalk die größte europäische TV-Show selbst produzieren möchte? Die wachsende Macht der Produzenten ist eine generelle Tendenz: Noch braucht es Verlage und Sender, Labels und Veranstalter. In der Perspektive können aber immer stärker einzelne Sendungen ein Markenversprechen erfüllen. Noch sind die Protagonisten selber - denken wir an Günther Jauch oder Stefan Raab - auch die Marke; bei Gottschalk aber ist es zunehmend die Einheit von "Wetten, dass..?" und Gottschalk. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Fast alle TV-Versuche von Gottschalk außerhalb dieser Show gingen mehr oder weniger schief.
Und ohne Gottschalk wäre "Wetten, dass..?" eine etwas eigenartige, komisch aufgeblähte Dino-Show. So ist es nach wie vor eines der wichtigsten Produkte des ZDF, eine bedeutende europäische TV-Show. Hinter deren Kulissen wird gerade um mögliche Machtverschiebungen gerangelt. Die Öffentlichkeit soll davon wohl erst etwas mit bekommen, wenn alle Entscheidungen gefallen sind.