. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Juli 2008, 11:05 Uhr

"Schlag ins Kontor für die Bundesliga"

Das Kartellamt hat das Vermarktungsmodell der Deutschen Fußball-Liga (DFL) abgelehnt. Das heißt, die Fußball-Bundesliga ist auch in Zukunft im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen. Die Topclubs der Bundesliga reagierten auf die Entscheidung mit totalem Unverständnis.

In der Sportschau wird auch in Zukunft Bundesliga-Fußball zu sehen sein© DPA

Das Bundeskartellamt lehnt das Vermarktungsmodell der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur Übertragung von Bundesliga-Spielen weiterhin ab. Auch das geänderte Modell genüge nicht den kartellrechtlichen Anforderungen, teilte die Behörde am Donnerstag in Bonn mit.

Sollte die Liga an ihren Plänen festhalten, würde das Amt nach eigenen Angaben das Vorhaben förmlich ablehnen, weil es Fernsehzuschauer nicht angemessen beteiligt sieht. Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Ausstrahlung von Höhepunkten der Fußball-Bundesliga samstags vor 20.00 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen.

Die DFL will Pay-TV-Sendern mehr Exklusivität einräumen und damit einen höheren Preis für die Übertragung der Spiele erzielen. Würden die Bundesliga-Spiele nicht wie bisher in Höhepunkten vor 20.00 Uhr in der ARD-"Sportschau" gesendet, gäbe es für Fußball-Fans mehr Anreize, einen Bezahlsender zu abonnieren. Bereits vor der Entscheidung warnten die DFL und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor finanziellen und sportlichen Nachteilen für den deutschen Fußball.

Die Clubs befürchten nach eigenem Bekunden, dass sie sich wegen fehlender Einnahmen keine Superstars mehr leisten können. Solange der Konflikt andauert, kann die DFL nicht mit der Ausschreibung der TV-Rechte-Vermarktung für die Spielzeiten 2009 bis 2015 beginnen. Für ein exklusiveres Paket als bisher hat der DFL-Vermarktungspartner Sirius aus dem Umfeld des Medienunternehmers Leo Kirch drei Milliarden Euro geboten.

Der jetzt gefährdete Vertrag zwischen Kirch und der Liga würde allein dem DFB nach eigenen Angaben drei Millionen Euro mehr pro Saison bringen. Welche Auswirkungen die Entscheidung auf die Einnahmen der Clubs hat, ist noch unklar. Pro Saison erwirtschaften sie 420 Millionen Euro.

Die beiden deutschen Topclubs Bayern München und Werder Bremen haben am Donnerstagnachmittag unterdessen mit Unmut auf die Entschdeidung des Bundeskartellamts reagiert.

Manfred Müller, Geschäftsführer von Werder Bremen und Mitglied im DFL-Aufsichtsrat meinte: "Das ist ein Schlag gegen die Finanzierung der DFL. Die zentrale Vermarktung mit Fernsehzeiten zu verbinden, halte ich für unmöglich und unverständlich." Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzender der Bayern, sagte: "Das ist ein Schlag ins Kontor für den deutschen Profifußball. Ich weiß nicht, ob die Herren wissen, wie der Fußball tickt und welche negativen Folgen das haben wird. Ich habe das Gefühl, dass uns die Politik immer höhere Hürden in den Weg stellt. Ich weiß nicht, wie wir international wettbewerbsfähig sein wollen und sehe große Probleme auf uns zukommen."

Die weiteren Reaktionen auf das Urteil:

Felix Magath (Trainer VfL Wolfsburg): "Die Entscheidung kann schon Auswirkungen haben und den Wettbewerb beeinflussen. Wenn wir uns mit anderen Verbänden messen wollen, dann müssen wir sehen, dass dort viel mehr Geld durch Fernsehen eingenommen wird. So haben wir klare Nachteile in Deutschland und dürfen so nicht böse sein, dass wir international nicht so gut dastehen wie beispielsweise die englischen Vereine."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Das ist kein guter Tag für den deutschen Fußball. Das Kartellamt entscheidet über Dinge und schiebt quasi eine Rechtfertigung nach. Das finde ich persönlich schlecht. Die Politik lässt den Fußball im Stich. Wir haben durch die Zentralvermarktung immer den Solidargedanken gepflegt, und jetzt könnte es sein, dass sie kaputtgeht. Wenn nun deutlich weniger Geld käme, können sich die Clubs von internationalen Ambitionen verabschieden."

Steffen Heidrich (Manager Energie Cottbus): "Das ist alles andere als schön für uns. Man weiß nicht, was wird. Ich fand den Vertrag mit Kirch sehr vernünftig. Man hatte Klarheit und Planungssicherheit, die gibt es jetzt nicht mehr. Wir leben größtenteils vom Fernsehgeld. Andere können das auffangen, wenn etwas wegfällt. Für uns ist es doppelt schwer, das Geld reinzuholen."

Theo Zwanziger (DFB-Präsident): "Durch die Entscheidung des Kartellamtes werden die Vermarktungschancen der Liga für einen angemessenen Preis beeinträchtigt. Dies wird zwangsläufig Auswirkungen auf die Nachwuchsförderung und viele gemeinnützige Aufgabenstellungen haben. Ob wir auf einer solchen Grundlage ähnliche Erfolge wie den Einzug unserer U 19-Mannschaft ins Endspiel der Europameisterschaft am Samstag halten können, scheint mir sehr zweifelhaft."

Reinhard Rauball (Liga-Präsident): "Diese Position ist unverständlich und könnte den deutschen Profifußball um Jahre zurückwerfen. Keine andere Liga in Europa wird von Amtsseite derart in ihren Vermarktungsmöglichkeiten beschränkt. Der Bundesliga drohen massive Einnahmeverluste, wir würden es künftig noch schwerer haben, international mitzuhalten. Fakt ist: Es ist nicht etwa der neue Partner oder das neue Vermarktungsmodell mit eigenem Sender gescheitert, hier wird etwas verboten, was in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wurde."

Marc-Jan Eumann (Vorsitzender SPD-Medienkommission): "Das ist ein guter Tag für den Fußball. Mit der heutigen Entscheidung des Kartellamtes ist auch in den nächsten Jahren sichergestellt, dass Kinder, Jugendliche und Familien zu einer zuschauerfreundlichen Zeit gemeinsam die Bundesliga im Free-TV erleben können. Denn Kinderträume und -idole dürfen nicht verschlüsselt werden."

Monika Piel (WDR-Intendantin): "Das ist ein guter Tag, das ist ein Glückstag für alle Fußballfans."

Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer 04 Leverkusen): "Zunächst ist festzuhalten, dass die Zentralvermarktung grundsätzlich gestattet ist. Das ist positiv. Zum anderen hat das Kartellamt zur Bedingung gemacht, dass die Berichterstattung bis 20.00 Uhr abgeschlossen sein muss. Das ist unverständlich, weil man dem Verhandlungsführer damit Handschellen anlegt. Man hätte erst das Verhandlungsergebnis abwarten und dann die Diskussion aufnehmen können. Grundsätzlich ist dieses Problem dazu da, es zu lösen. Wir werden irgendwann auch damit fertigwerden müssen. Aber es ist richtig, wenn Herr Watzke sagt, das sei kein guter Tag für den deutschen Fußball."

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
pitter42 (26.07.2008, 13:03 Uhr)
Chance für RTL oder Sat1?
Die kommerziellen Sender könnten doch nach 20.00 Uhr eine "Spitzen-Show" über die Bundesliga vom gleichen Tag abziehen. Vielleicht ist eine dieser Shows ja besser - was zu erwarten ist!
Also: Auf - und planen, falls nicht längst geschehen...
Tom65 (25.07.2008, 14:48 Uhr)
Gute Nacht Bundesliga!
Das passt doch so richtig schoen in das biedere Bild Deutschlands! Die Bundesliga-Berichterstattung der oeffentlich-rechtlichen ala Sportschau ist eh so grottenschlecht, da haette es niemanden gestoert, den Sendetermin nach 22 Uhr zu legen. Schaut doch mal nach UK, wo "Match of the Day" auch erst fruehestens gegen 22.30 Uhr ausgestrahlt wird. Erstklassige Reportagen mit kompetenten Moderatoren und Co-Moderatoren wie Gary Lineker, Alan Hansen, Alan Shearer und Mark Lawrenson... Wer noch bis 17 Uhr fuer €75 im Stadion war, der kann wenigstens gemuetlich nach Hause (oder ins Pub) fahren, bevor MOTD ausgestrahlt wird. Und so ganz umsonst ist das oeffentlich-rechtliche hier ja nun auch nicht. Wen es interessiert, der sieht mal hier rein http://news.bbc.co.uk/sport1/hi/football/match_of_the_day/default.stm
Verheerenc (24.07.2008, 18:18 Uhr)
Sport oder Mammon
Diese Entscheidung finde ich besser als alles dem immer mehr ausuferndem
Fussballkapitalismus zu überlassen.Bald werden nicht nur die Spieler teuer gekauft,sondern ganze Spiele.Die Scouts für gute Fussballer schauen ja gar nicht mehr im eigenen Land um Talente zu fördern wenn man ebensogut welche in "wasweissichwo" kaufen kann.
Siamkatze79539 (24.07.2008, 16:44 Uhr)
DFL und kein Ende
das geschieht der DFL recht, die wollten nur Premiere kaputt machen, wegen der Übertragung, Bay.Manager Höneß sagte doch immer und immer wieder, die Kinder bzw. Jugendlichen können so die Sportschau in der ARD sehen, umd 18.30h. Mir ist das egal, ich habe ein Premiereabo, aber daß nun Kirch/Sirius beendet ist, daß ist das Beste, wo wollte auch Sirius/Kirch die Millarden hernehmen? Aus der ehehmaligen Pingruppe (Döpfner), dieser steht doch mit Kirch hinter der Sirius Gruppe
Gruß Renate
Gruß
Renate
OttoB (24.07.2008, 16:40 Uhr)
@Gernspieler
Von welchen "Zwangs-TV-Gebühren" sprechen Sie, von den Rundfunkgebühren mit den viele guten Fernsehsendern die zum größtenteil werbefrei wie die Dritten, Arte, Phönix ein gutes Programm senden und von denen viele Rundfunksender bezahlt werden.
Oder von denen die wir im Supermarkt täglich bezahlen.
Jede Firma die ihre Produkte im Fernsehen bewirbt zahlt dafür viel Geld das sie auf das Produkt aufschlägt, da ich einiges kaufen muss bezahle ich eine versteckte Zwangsgebühr für die mir nur Mist geboten wird. Den ich nicht nutze.
Auch bin ich für ein Werbeverbot bei ARD und ZDF.
Ich sehe mmir diese Sender nicht an.
matbln (24.07.2008, 14:52 Uhr)
@CeeTo
genau richtig.... und Sie sind dann der erste der gross rumheult wenn Deutschland in der Champions Legaue in der Gruppenphase gegen saloniki rausfliegt, den 3. Champions League Platz and Rumaenien verliert und der WM-Quali gegen Malta mal wieder nur 0:0 spielt. Lieber gucken wir alle schoen die Sportschau mit der Bundesliga und lesen in der Zeitung von Spielern wie Kaka, Ronaldhino oder Ballack, die da Spielen wo man Geld verdienen kann. Man was freu ich mich drauf.
silber_ruecken (24.07.2008, 14:09 Uhr)
@CeeTo
Absolut FALSCHE Entscheidung! Denn wo gibt es eine Leistung (Unterhaltung, hier: durch Fußball) ohne Gegenleistung (Geld)… Bestraft wird der abGEZockte Zuschauer von den öffentlich rechtlichen mit ihrem Bildungsauftrag (Bildung = Fußball?)
Ich halte es für genauso schwachsinnig irgendwelchen Balltretern noch mehr Millionen hinterher zuwerfen, wenn es aber den Fans am Herzen liegt mit ManU, Real, Barca und Inter auf Augenhöhe zu sein, dann müssen eben noch mehr Millionen reingepumpt werden…
Aber bitte nicht wieder über die Erhöhung der Gebühren!
Preise rauf, dann werden, wie fast immer, Angebot und Nachfrage letztendlich den Preis bestimmen.
Aber das Kartellamt kümmert sich ja lieber um „Nebenkriegsschauplätze, wie schon „@chrgue“ bemerkt hat.
Helge55 (24.07.2008, 13:28 Uhr)
Finanzielle Nachteile?
Was ist mit den finanziellen Nachteilen der Fußballfans?
Wäre es nicht ehrlicher, den Profifußball zu organisieren wie die Wrestler? Die Spiele sind eine gute Schau, alle haben Spaß, alle verdienen und die Ergebnisse werden vorher ausgehandelt...
Eine Alternative wäre auch: Die Bundesliga läuft nur im Pay-TV und keiner kuckt (bezahlt). Es gibt auch guten Regional Fußball.
Viele Grüße
Helge
CeeTo (24.07.2008, 13:12 Uhr)
-.-
Absolut richtige Entscheidung.
Die deutsche Bundesliga mit all ihrer Tradition und ihren Fans ist ausreichend wie sie ist. Warum soll der gemeine Fan mehr zahlen, damit das Geld an einzelne Fussballspieler fließt.
eric111 (24.07.2008, 12:50 Uhr)
durchgereicht
Spanien, Italien oder England sind nun keine Länder, die wirtschaftl. mit Deutschland auf einer Stufe stehen und doch wird dort weitaus mehr in den Fußball investiert, es fließen ganz andere Summen und fast alles, was im Fußball Rang und Namen hat spielt dort, fast alle Champions-League und UEFA-Cups der letzten Jahre wurden dort geholt oder neuerdings auch in Russland, wo ebenfalls viel Kohle fließt.
Nur Deutschland, wo kaum jemand bereit ist für guten Fußball auch etwas auszugeben, wo die Stadionpreise taschengeldgerecht sein müssen und wo Superstars niedergemacht werden, weil sie nicht arbeiten wie Kohlekumpels und weil man des Gehalts wg. schon neidisch wird, wird langsam aber sicher immer weiter nach hinten durchgereicht.
Stuttgart steht in der 1. Runde des UI-Cups fast vor dem aus, mal sehn, wie weit die Super-Bayern diesmal in der CL kommen...
MEHR ZUM ARTIKEL
TV-Rechte Kartellamt stützt "Sportschau"

Im Ringen um die Zentralvermarktung der Fußballbundesliga erhält die "Sportschau" der ARD offenbar mächtige Unterstütztung: Das Bundeskartellamt pocht auf einen frühen Sendetermin im Free-TV. Eine frühe Übertragung jedoch würde den Rechteverkauf unattraktiver für Bezahlsender machen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft