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Wenn der Moderator das Problem ist

Weil Katja Riemann bei dem sinnfreien Frage-und-Antwort-Spiel von "Das!" nicht mitmachen wollte, steht sie als Zicke da. Dabei sind häufig nicht die Gäste, sondern die Moderatoren das Problem.

Von Carsten Heidböhmer

  Hinnerk Baumgarten steht auch nach dem Gesprächsdesaster mit Katja Riemann öffentlich gut da - während die Schauspielerin als "Zicke" bezeichnet wird.

Hinnerk Baumgarten steht auch nach dem Gesprächsdesaster mit Katja Riemann öffentlich gut da - während die Schauspielerin als "Zicke" bezeichnet wird.

Die Gesprächssituation ist so banal wie alltäglich: Er stellt blöde Fragen, sie reagiert genervt und wendet sich ab. Eigentlich kein großer Aufreger. Wäre sie nicht die berühmte Schauspielerin Katja Riemann und er ein Moderator - und das Gespräch findet gerade im Fernsehen statt. Dort gelten andere Regeln. Die wichtigste: Eine dumme Frage darf nicht als solche benannt werden. Die Zuschauer erwarten, dass der Star die Frage-Antwort-Prozedur geduldig über sich ergehen lässt und einen reibungslosen Gesprächsablauf gewährleistet.

Aus diesem Grund hat fast niemand dem TV-Moderator Hinnerk Baumgarten die Schuld für das gegeben, was sich in der vergangenen Woche in der NDR-Show "Das!" zugetragen hat. Das Gesprächsdesaster, das der Medienjournalist Stefan Niggemeier als "verstörende Faszination eines grausamen Autounfalls in Zeitlupe" bezeichnet hat. Dabei trägt der Moderator mit seinen taktlosen, wenig intelligenten und jedes Gespür für sein Gegenüber vermissen lassende Fragen mindestens eine Mitverantwortung. Doch während Riemann vielfach attackiert wurde, das Gästebuch ihrer Homepage unter dem Useransturm zusammenbrach und sie in vielen Medien als "zickig" dargestellt wurde, haben nur wenige die Rolle des Moderators thematisiert.

"Lena Meyer-Landrut zickt Frank Elstner nieder"

Eine ähnliche Erfahrung hat auch schon Lena Meyer-Landrut gemacht, als sie 2011 kurz vor dem Beginn des Eurovision Song Contest von Frank Elstner in der Düsseldorf Arena interviewt wurde. Elstner scheiterte schon an der korrekten Bezeichnung der Veranstaltung und sprach vom "European Song Contest" - woraufhin ihm Lena sogleich ins Wort fiel und ihn korrigierte. Der Beginn einer wunderbaren Feindschaft. Meyer-Landrut war abweisend, kurz angebunden, und verbesserte den Moderator, wo es nur ging.

Ein Jahr nach ihrem Überraschungssieg beim Song Contest in Oslo hob Elstner an: "Jetzt spricht man in den letzten beiden Jahren ja von Lena, von dem Sieg ..." - und schon grätschte die Sängerin wieder dazwischen. Wie auch bei seinen nächsten Sätzen. Mit Blick auf die Bühne sagte Elstner: "Sie sind der einsamste Mensch der Welt da unten." Darauf Lena: "Nein, ich habe fünf Mädchen bei mir." Elstner: "Das war ja früher hier ein Fußballstadion." Lena: "Ist es auch immer noch."

Dass da ein Moderator auftrat, der ganz offensichtlich nicht vorbereitet war und nicht wusste, worüber er redet, geriet schnell in Vergessenheit. Worüber dagegen viele redeten war: "Lena Meyer-Landrut zickt Frank Elstner nieder", wie die "Bild"-Zeitung titelte.

Gottschalk kannte die Namen nicht

Während in dem Fall einige Medien spekulierten, der jungen Sängerin sei ihr Erfolg zu Kopf gestiegen, galt das für Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ganz sicher nicht. Dennoch ließ auch er 2010 im "ZDF-Morgenmagazin" den Moderator auflaufen. Wulf Schmiese flog schon bei der Anrede aus der Kurve. Er sprach Weizsäcker als "Herr Bundespräsident" an, und erläuterte oberlehrerhaft: "Man redet Bundespräsidenten immer noch mit Bundespräsident an". Was nicht ganz korrekt ist - und von dem früheren CDU-Politiker gleich mit einem "Nee" dementiert wurde. Davon ließ sich Schmiese jedoch nicht beeindrucken und erklärte dem früheren Staatsoberhaupt, wie es anzureden sei - als ob Weizsäcker das nicht selbst am besten wüsste. Das Gespräch sollte im weiteren Verlauf nicht besser werden. Der Ex-Bundespräsident überstand das missglückte Interview freilich ohne Imageschaden - dank des in seiner Amtszeit erworbenen Vertrauens.

In diesem Beispiel kannte der Moderator wenigstens den Namen des Interviewten. Eine Aufgabe, an der Thomas Gottschalk im Laufe seiner Karriere des öfteren gescheitert ist. Er sprach die deutsche Eisschnellläuferin Anni Friesinger auf dem "Wetten, dass ..?"-Sofa wiederholt als Frau Wiesinger an, machte aus dem Fußballer Thomas Hitzlsperger einen Zitzelsperger. Und in seiner ARD-Show "Gottschalk live" stellte er Anke Engelke als "Annette" vor. Vor allem aber war er immer wieder schlecht vorbereitet. Viele ließen das Sofageplapper über sich ergehen. Nicht so Götz George. Der reagierte 1998 sichtlich genervt auf Gottschalks Geplauder und herrschte ihn an: "Es kommt immer wieder der Oberlehrer durch bei dir. (...) Komm auf den Film zu sprechen. Der ist mir wichtiger als das, was du redest." Der Reputation Georges war das nicht zuträglich.

Ungleiches Duell

Es ist ein ungleiches Duell. Egal wie schlecht vorbereitet der Moderator ist, wie peinlich die Fragen sind - bei einem Misslingen des Gesprächs ist der Dumme meistens der Promi. Denn die Zuschauer sind mit dem Prozedere in der Regel einverstanden. Der Inhalt kann noch so belanglos sein, die Fragen noch so sinnfrei - der Gast hat zu parieren. Wer da nicht mitspielt, zieht sich den Zorn des Publikums zu.

Johanna Adorján hat in der "FAZ" das "Vergehen" Riemanns auf den Punkt gebracht: "Sie hat allen Ernstes versucht, dem Moderator als Mensch zu begegnen, stillschweigend voraussetzend, dass er sein Gehirn nicht an der NDR-Garderobe abgegeben hat." Das ist ihr schlecht bekommen: "Dass das in der Außenwirkung wahrgenommen wird, als habe sie sich eben 'spektakulär danebenbenommen', zeigt nur, wie abgestumpft wir alle inzwischen geworden sind, die wir finden, jaja, ein 'Star', oder was wir dafür halten, habe sich gleichbleibend freundlich und möglichst stets lächelnd all diesen absurden Situationen auszusetzen, denen die Medien sie aussetzen."

Bedeutet das nun, dass Prominente den Regeln des Mediengeschäfts schutzlos ausgeliefert sind? Nicht ganz. Es gibt durchaus einen Ausweg aus dem Dilemma: Humor. Blöde Fragen genauso blöd beantworten. Als der Fußballtrainer Hans Meyer nach einem Spiel vom Reporter die ewig gleiche, offene Frage "Wie sehr freuen Sie sich?" gestellt bekam, antwortete er knapp und ohne Regung: "Ich freu mich sehr." Dann lachte er schelmisch und ging. Auch wegen solcher Szenen gilt er heute als Kulttrainer.

Sollte Katja Riemann demnächst noch einmal auf Hinnerk Baumgarten oder einen ähnlich penetranten Fragesteller treffen, gilt für sie: Mach's noch einmal - aber mit Humor.

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