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3. November 2009, 15:19 Uhr
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Günther Jauch? Kann ich auch!

An Günther Jauch wollte Johannes B. Kerner nicht gemessen werden. In seiner ersten Sendung auf Sat1 lieferte er aber einen derart schlechten Abklatsch von "stern TV", dass er sich dem Vergleich nun stellen muss. So war die "Kerner"-Premiere. Von Katharina Miklis

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Überraschend oberflächlich: Johannes B. Kerner enttäuschte bei seiner Sat1-Premiere© Krafft Angerer/Getty Images

Ich will viel, manchmal vielleicht zu viel." Johannes B. Kerner weiß, wo seine Schwächen liegen. Das gab er unlängst in einem Interview zu. Die volle Ladung Kerners adäquater Selbsteinschätzung gab es am Montagabend nun zum ersten Mal bei Sat1 zu sehen. Da war vielleicht viel "Wollen", aber nur wenig "Können". Die erste "Kerner"-Ausgabe überraschte mit beliebigen Themen, null Aktualität, viel zu langen Einspielern, peinlichem Service-Getue und vor allem: viel Langeweile.

Nur das viele Orange im modernen, viel zu großen neuen Studio erinnerte an Kerners ehemaligen Haussender, das ZDF. Ansonsten hatte die Premierensendung mehr von abgestandenem Blasentee als unterhaltsamem Themen-Cocktail. Kerner, der neue Ratgeber-Onkel von Sat1, war routiniert, klar. Seine eigentliche Stärke, tiefgehende Gespräche mit seinen Gästen, blieb jedoch aus. Die neue Sendung hat nichts mehr vom einstigen Talk. Es wird nicht wirklich geredet, nur ausgetauscht, aufgeklärt, ratgegeben.

Der Moderator hatte ja bereits angekündigt - angedroht muss man jetzt sagen - dass er "magaziniger" werden wolle. Wie Günther Jauchs "stern TV". Dass er damit meinte, alte Themen aufzuwärmen, weiß man jetzt nach der Premiere. Es ist ein langweiliger Abklatsch. Vehement bestand er im Vorfeld darauf, nicht mit dem "beliebtesten Deutschen" verglichen zu werden. So billig, wie er in der ersten Sendung kopiert hat, muss er sich jedoch dem Vergleich stellen.

Bei seiner ersten Sendung bei Sat1 setzte Kerner - scheinbar aus Unsicherheit oder Ideenlosigkeit - auf vermeintliche Aufreger-Themen, die mittlerweile allerdings so abgegriffen sind, dass sie nur noch zum Abschalten anregen. Als erster Gast durfte die Aldi-Kassiererin Romy Büssow von ihrem Schicksal bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber erzählen. Mobbing, Überstunden, Druck vom Chef ... Ja, das ist natürlich alles furchtbar. Aber nicht nur für die Kassiererin. Auch für den Zuschauer. Pfandbons, die Maultaschen ... Themenwechsel! Natürlich, Kerner ist ein alter TV-Profi, die Stirn kann er immer noch so schön betroffen in Falten legen. Die Fragen an die Kassiererin, die er von seinen Kärtchen abliest, sind trotzdem die gleichen, die schon im Einspielfilmchen geklärt wurden. Es ist alles gesagt.

Durchhalten wird bestraft

Wie Jauch versuchte auch Kerner, seine Zuschauer interaktiv einzubeziehen, rief sie auf, Fragen per Mail zuschicken und mit dem Kündigungsexperten zu chatten. Später sprach er von "stapelweisen Mails". Das ist schon fast unverschämt gegenüber dem Zuschauer, wenn man bedenkt, dass die Sendung gar keine Live-Sendung war.

Wer es tatsächlich geschafft hatte, dranzubleiben, und nicht zum großen Konkurrenzprogramm "Bauer sucht Frau" auf RTL umzuschalten, wurde im zweiten Beitrag dafür hart bestraft. Es ging um Staus und Baustellen auf Deutschlands Straßen. Langweiliger und einfallsloser geht es kaum. Wieder ein viel zu langer Video-Beitrag, in dem man nicht viel mehr sah, als dass auf Deutschlands Straßen nicht viel geht. Zehn Minuten lang. Stau. Pendler lösen in ihren Autos Sudoku-Rätsel - die "Kerner"-Zuschauer wahrscheinlich auch. Dann sitzt der Moderator mit einer Berufs-Pendlerin in einer "Sendung mit der Maus"-Kulisse mit blinkenden Warnschildern und Verkehrskegeln und spricht darüber, wie es denn so sei, im Stau zu stehen.

Peinlich berührend war auch der Auftritt des Comedians Mario Barth, beziehungsweise Kerners krampfhafter Versuch, ein Gespräch vorzutäuschen und über Barths müden Sprüche zu Lachen. Warum dieser überhaupt als Studiogast geladen war, blieb bis zum Schluss ungeklärt. Bei RTL schon längst verbraten, durfte er bei Sat1 die alten Gags aufwärmen. Und drei Steaks braten. Damit wollte Service-Kerner, der doch eigentlich nie wieder im Fernsehen kochen wollte, zeigen, wie viel Gewicht ein 200-Gramm-Steak beim Braten verliert. Es ging bei "Kerner" nämlich auch um kuriose Rechtsirrtümer.

Eine Farce: Erst in der letzten Woche hatte Jauch das gleiche Thema bei "stern TV". Mit dem gleichen Gast, Dr. Ralf Höcker, als Experten. Das ist ganz schön viel RTL für Sat1. Und ganz schön viel Jauch für Kerner. Natürlich war es ein kollegialer Seitenhieb von Jauch, dieses Thema spontan in die Sendung zu nehmen, wo Kerner es doch für seine Premiere geplant hatte. Kein Grund für die "Kerner"-Redaktion, dieses Thema nicht knallhart durchzuziehen und das gleiche Programm zu machen. Etwas mehr Spontaneität ist von einem solchen Sat1-Prestige-Projekt zu erwarten.

Das bittere Fazit zur Premiere: verbrauchte Themen, langweiliges Konzept, überraschend oberflächlicher Moderator. Das wird bestimmt noch besser. Aber diese Sendung hätte genauso gut vor vier Wochen laufen können. Oder in vier. Oder gar nicht.

Von Katharina Miklis
KOMMENTARE (10 von 24)
 
jaumoin (04.11.2009, 14:19 Uhr)
Flach
Ich bin auf diesen Artikel aufmerksam geworden, weil auch ich als langjähriger Kerner (aber auch sternTV) -Gucker selbst die Sendung ein wenig langatmig fand. Meine Meinung von dem schlechten Start der Sendung hatten viele Zeitungen unterstützt. Aber dies, DIES ist echt die Krönung!
Einen solch flachen Bericht habe ich aus Stern-Kreisen noch niemals gelesen, und ich hatte als Jugendliche selbst jahrelang den Stern gelesen und sogar abonniert.
Das Niveau dieses Artikels ist absolut BILD-Zeitung-reisserisch und dämlich. ("Ansonsten hatte die Premierensendung mehr von abgestandenem Blasentee als unterhaltsamem Themen-Cocktail.") / "So billig, wie er [Jauch] in der ersten Sendung kopiert hat......"
Anscheinend hat es dem Stern gar nicht gefallen, dass Kerner ein ähnliches Format wie Jauch machen möchte....Merkt man gar nicht.....Schämt euch für solch einen beschissenen Journalsmus!
spiderman60 (03.11.2009, 17:56 Uhr)
Barth Verarsche
alfredo1 hat vollkommen Recht! Barth macht seit Jahren immer das Gleiche. Aber das schlimmste an ihm ist das über sich selbst lachen. Das macht der oberblöde Pocher auch immer. Menschen die so etwas tun, sind absolute Verarscher. Pocher selbst gab ja selbst mal in einem Interview zu, dass er immer noch überrascht ist, wie viele Leute sich seinen Mist anschauen! Da gibt es weit aus bessere Komiker in Deutschland. Und Kerner sitzt da und macht das Spiel auch noch mit. Da hätte mal ein Satz fallen sollen wie: Herr Barth, eigentlich wollte ich etwas über ihr Privatleben erfahren und nicht ihre Show hier promoten.
66er (03.11.2009, 15:17 Uhr)
Wahrscheinlich...
würde Herr Kerner sich mit Freuden einmal selbst einladen, um mit sich darüber zu sprechen wie aus ihm ein so genialer Journalist werden konnte.
raptor-xl (03.11.2009, 13:57 Uhr)
@alfredo1
und er macht mit billigen frau/mann-zoten (über die er immer selbst am meisten lacht) die stadien voll.... was sagt uns das über die gesellschaft???
raptor-xl (03.11.2009, 13:55 Uhr)
laaaannnngggwwweeeiiilllliiiggggggg!!!!
müsste herr kerner von den geldspenden der zuschauer leben, so müsste er sicher aufstocken lassen und die sommerpause auf brandenburgischen spargelfeldern verbringen...

es ist schon erstaunlich, wie gut bei uns interessenlosigkeit, unvorbereitet sein, zettelableserei, ignoranz, fachliches nichtskönnen, dummgequatsche und größenwahn bezahlt wird (und ich spreche mal nicht von den bankern). muhahahahaha
alfredo1 (03.11.2009, 12:46 Uhr)
Mario Barth
Das Präkariat hat ein Gesicht: Mario Barth.
alfredo1 (03.11.2009, 12:43 Uhr)
Seicht ist in!
Auch diese Sendung passt wohl so richtig in den Zeitgeist: Seicht, hohl, oberflächlich. Kerner war schon immer eine Schlaftablette. Ich kenne ihn nur aus Sportsendungen. Aber auch da war er immer anbiedernd und ölig. Wenn es nicht ARTE und 3Sat gäbe, - ich hätt schon lange keinen Fernseher mehr.
Leseratte79 (03.11.2009, 12:23 Uhr)
Der Ton war spitze :-)
Der Ton der Einspieler passte leider auch nicht zum Bild. Barth riss die gleichen Witze wie zuvor auf RTL, die Themen veraltet und langweilig, Kerner grottenschlecht. Aber auch auf Stern TV ist einiges veraltet (die Rechtsirrtümer laufen ständig) und durch viele Themen hangelt man sich so durch. Jauch wirkt nur einfach sympathischer und der Stern schreibt über ein anderes Format- Pech für Kerner.
endbenutzer (03.11.2009, 12:09 Uhr)
Keine Frage:
Kerner ist unterste Schublade. Allerdings finde ich Jauch auch nicht viel besser. Der ist mindestens genauso langweilig..
KernersKern (03.11.2009, 11:57 Uhr)
Gutfried ist gut für mich!
Der Kerner ist so wenig Journalist wie Veronica Pooth. Auch bei Sat1 stellt er nur "eine" Person in den Vordergrund. Sich selbst. Warum habe ich immer nur den Eindruck, dass ihm seine Fragen viel wichtiger sind als die Antworten seiner Gäste. Hat jemand darauf eine Antwort ?
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