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22. Mai 2009, 16:26 Uhr

ARD - null Punkte

Stefan Raab sollte Deutschland mit einem neuen Konzept beim Grand Prix wieder nach vorne bringen. Dass er nach nur wenigen Tagen entnervt hinschmeißt, wirft ein schlechtes Licht auf die ARD. Wie schon bei der geplatzten Verpflichtung von Günther Jauch scheitert der Senderverbund an der Vielstimmigkeit in den eigenen Reihen. Von Carsten Heidböhmer

Stefan Raab, Grand Prix, Eurovision Song Contest

Im Jahr 2000 wollte er noch: Doch jetzt hat Stefan Raab der ARD einen Korb gegeben© DPA

Es war ein mutiger Versuch. Nachdem Deutschland beim Eurovision Song Contest in den vergangenen Jahren stets auf den hinteren Plätzen gelandet war, wollte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber den ganz großen Wurf wagen, ideologische Scheuklappen ablegen und das Undenkbare denken: eine Zusammenarbeit mit dem Privatsender ProSieben und seinem Entertainer Stefan Raab.

In den letzten Jahren hatte die ARD immer wieder am Prozedere bei der Vorauswahl herumgedoktert: Mal war es die große Show mit mehr als zehn Kandidaten, dann durften die Zuschauer nur noch aus drei Teilnehmern auswählen. Schließlich wurde die Demokratie ganz abgeschafft, und eine Jury sollte es richten. Das Ergebnis war immer das gleiche: Deutschland bekam von den meisten Nationen null Punkte.

Keine Unterhaltungskompetenz

Dass Schreiber nun die ARD zu einer Zusammenarbeit mit dem Privatsender ProSieben bewegen wollte, kommt einer Kapitulationserklärung gleich. Mit diesem Schritt gestand er öffentlich ein, dass die ARD im Bereich Unterhaltung nicht genügend eigene Kompetenz besitzt, um einen Wettbewerb vom Schlage eines Grand Prix' erfolgreich zu stemmen.

Diese Kapitulation erforderte viel Mut. Und sie war notwendig. Denn dadurch wurde die Voraussetzung geschaffen, um grundlegend neue Wege in der Fernsehunterhaltung zu gehen. Stefan Raab wäre der richtige Mann gewesen, um dem Grand Prix neues Leben einzuhauchen. Er war für die größten deutschen Erfolge der letzten 20 Jahre verantwortlich. Einmal trat er selbst an, zweimal komponierte und produzierte er die deutschen Titel. Jedes Mal landete Deutschland unter den ersten acht.

Als der Song Contest "Kult" war

Zudem hätte er genau die jugendlichen Zuschauer mitgebracht, die der ARD fehlen. Allein Raab hätte die notwendige Begeisterung entfachen können, die ein solcher Wettbewerb benötigt. Wer erinnert sich nicht an die Zeiten, als der Song Contest "Kult" war und die begeisterten Zuschauer in Scharen über die Grenze ins Nachbarland fuhren, um ihren Kandidaten Guildo Horn oder Stefan Raab telefonisch zu unterstützen?

All das hätte Raab liefern können. Dass es nun anders kommt, ist der komplizierten Entscheidungsstruktur innerhalb der ARD geschuldet. Bei einer zweistündigen Telefonkonferenz am Mittwoch konnten sich die Intendanten der Sendeanstalten nicht auf das von Stefan Raab vorgelegte Konzept verständigen. So nebensächliche Fragen wie die Einbindung der Pop- und Jugendprogramme der Landesrundfunkanstalten standen einer raschen Einigung im Wege.

Schließlich zog Raab die Reißleine: "Die Entscheidungswege in der ARD sind derart kompliziert, dass sie mit unserer Arbeitsweise nicht vereinbar sind", sagte der Entertainer in einem Interview mit dem "Spiegel", das am Montag erscheint. Das erinnert fatal an Günther Jauchs resignierten Ausspruch der "Gremien voller Gremlins", die seine geplante Zusammenarbeit mit der ARD vor zwei Jahren torpediert hatten.

So bleibt wohl auch im kommenden Jahr alles beim Alten, wenn es auch in Oslo bei den meisten Ländern wieder heißt: ARD, das heißt Deutschland, null Punkte.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Louyi (24.05.2009, 12:34 Uhr)
warum können die ARD Fernsehfuzzis...
nicht endlich auf die Großfinanzierung solcher ESC "Wettbewerbe" -bzw. auf die Teilnahme verzichten?! Erst dann kommt ein Ergebnis -mehr als NUll Punkte heraus. Ein Umdenken ! Solche Veranstaltungen leiden an Größenwahn, Selbstüberschätzung der Interpreten und der Gigantomanie der Veranstalter.(dementsprechende Kosten von 30 Mill. Euro- für 1 Veranstaltung !!)
Das ist doch nur eine gigantisch inzenierte,manipulierte Show geworden und kein MusikTalent Wettbewerb. Wer kennt noch den Gewinner von letztjahr -vorletztem Jahr -ect. Tingeln diese gerade in einem Bierzelt in Kasachstan ?
ARD lasst es einfach sein - schmeisst dem Mega Millionär Bohlen für irgendeine abgeschriebene Retorten Ballade für 2010 nicht noch einen Haufen Kohle hinterher - der lacht sich (mitsamt Medlock und Co.)
sonst noch bucklig wie blöd die Fernsehmacher sind.Seine Ex Verona bekam ja von einem Sender (?) auch gerade eine neue Sendung zugeschachert- Deutschlands Next -"so und so" - schlag mich tot.
Man o man - hört das nie auf ???

s4sh81 (22.05.2009, 19:31 Uhr)
Ein riesiger Wasserkopf
So lange bei den öffentlich rechtlichen Programmen im Hintergrund ein riesiger Wasserkopf mit 100 Entscheidern steckt, wird es mit Reformen noch lange dauern.
Mich stört es, dass ich mit meinen Gebühren nicht den Inhalt bestimme, sondern ein Großteil davon für unfähige Mitarbeiter verplempert wird.
gesox (22.05.2009, 18:50 Uhr)
RTL - Bertelsmann - Stern - schon kapiert?
RTL, Bertelsmann und der Stern gehören zusammen. Da wird eben über andere Sender hergezogen.

Wäre ich bei der ARD würde ich alles tun, damit ich die Visagen von Stefan Raab und Günter Jauch nicht auch noch dort sehen muß. Der gigantische Stausee, in dem Sender wie RTL und SAT1 ihre televisorischen Abwässer endlagern könnte sonst durch die Staumauer brechen und auch noch die letzte Gehirnzelle in einer Flut von Schwachsinn ertränken. Das würde den Mutantenstadel-vorgeschädigten TV-Rentner frühzeitig zum Pflegefall machen.
Sternobyl (22.05.2009, 18:03 Uhr)
Prämierung der Untoten
Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man da nicht auf die vorderen Plätze kommt. Es ist aber richtig schlimm, dass man das richtig will.
 
Die ARD sollte sich drauf verlegen, mit Bravour und vorhersehbar an dem Contest zu scheitern. Das wäre eine kulturell respektable Lösung.
butcher99 (22.05.2009, 17:49 Uhr)
Nachwuchskräfte überall
Münte bei der SPD, Heynckes bei Bayern etc,
Lasst doch mal den Jopy ran bein EUROVISION Mist Kontest
havit (22.05.2009, 17:44 Uhr)
Man muss bei dieser Geschichte
eins und eins zusammen zählen, dann bekommt man das Ergebnis leicht heraus. Unsere Sender ARD und ZDF sind selbst nicht in der Lage, sich zu modernisieren und haben Probleme damit, etwas ganz neues auf die Beine zu stellen. Sie wollen immer alles kontrollieren und bestimmen. Immer nach dem Motto, wir sind ARD und ZDF. Genauso selbstverständlich wie sie die Gelder von GEZ bekommen, genauso sollten die Macher Jauch und Raab nach ihrer Pfeife tanzen. Nur haben diese Ahnung vom Fernsehgeschäft, während die Bosse von ARD und ZDF nur Ahnung vom abzocken haben.
AxelR. (22.05.2009, 16:51 Uhr)
Gebühren verhindern Reformen
Vielleicht sollte man zunächst die Zwangs-Rundfunkgebühren abschaffen. Dann müssten sich die öffentlich-rechtlichen Sender nämlich endlich bemühen, wieder Programm für die Menschen und nicht für die Landesregierungen zu machen.
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