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28. Januar 2012, 09:33 Uhr

Favoritensterben beim Gruppenkuscheln

In gewohnter Harmonie und Gefühligkeit werden im Viertelfinale von "The Voice of Germany" mit Percival und Rino Galiano die ersten Favoriten aussortiert. Ansonsten siegt oft eher die Hoffnung auf das, was dereinst noch kommen könnte. Von Jan Zier

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Die Lightshow war gewohnt opulent, ansonsten war es für die Favoriten bei "The Voice of Germany" ein trauriger Abend© Sat.1

So viel Gefühl! Hier werden sie geboren - die Kandidaten für das nächste Dschungelcamp. Wer's bis ins Viertelfinale von "The Voice of Germany" geschafft hat, der ist - wenn er denn nur pleite genug ist - dafür auf jeden Fall auch geeignet. Aber anders als bei der Konkurrenz von RTL in Australien werden hier, bei Sat 1 und Pro 7 in Berlin, nun aber schon alle halbe Stunde so genannte "Talente" aussortiert. Eine Neuerung mit Vorbildcharakter, nicht nur für andere Casting-Shows.

"Deutschland hat entschieden". Kaum ein Pathos, kaum ein Superlativ kann hier groß genug sein. Die "beste Stimme Deutschlands"! "Die besten Coaches", nein, nicht nur der Republik, ja, der Welt! Mindestens. Einer von ihnen, Rea, ließ sich gar zu dem Satz hinreißen, dass dieser Abend "emotional explodieren" werde. Nun denn, und wenn nicht, gibt es ja immer noch genügend Feuerwerk von der Bühnenshow.

Percival und Ramona sind raus

Erstmals traten nun alle verbliebenen Kandidaten und Kandidatinnen aus allen Teams gegeneinander an. So viel Wettbewerb muss jetzt auch unter "Freunden fürs Leben" sein. Um die zwischenzeitlich schon arg dahindämmernde Show wieder zu beleben. Aus dem Karaoke-Dutzend aussortiert wurde dabei überraschend Publikumsliebling und Favorit Percival, freilich nicht ohne von seinem Coach Rea nochmal als "großer Entertainer" gepriesen zu werden. Weil er mit Christina Aguileras "Beautiful", im Sitzen vorgetragen, musikalisch dann aber doch nicht ganz überzeugen konnte, droht er, jetzt noch schneller eine eigene Platte zu machen. Sollte die ein Flop werden, könnte das sein Ticket für Australien bedeuten.

Auch Zwillingsmama Ramona Nerra schied aus - und wurde zuvor als "Vollprofi" gelobt, gar für jede Grammy-Eröffnung als gut genug befunden. "Ich hoffe, ihr werdet für mich da sein, wenn ich euch brauche", ist ihr letzter Satz. Wenn das mal kein Hinweis für künftige Dschungelcamp-Zuschauer war!

"Auf dieser Bühne darf man auch Schwäche zeigen"

Raus ist auch Paradiesvogel Rino Galiano, der zuvor per Fanshirt offensiv für seinen Mitbewerber Mic Donet geworben hatte, der wiederum "Scheiße zu Gold" machen kann, wie "The Boss Hoss" sagen. Und die müssen es ja wissen. Galiano kann sich sogar selbst über sein Ausscheiden freuen, sagt er, obwohl auch er als Favorit gehandelt wurde. Mit ihm verlässt übrigens Behnam Moghaddam das Sänger-Camp, der Mann fürs Multikultiflair, von Nena als "wilder Sack" gepriesen. Nach seinem Beatles-Cover von "Eleanor Rigby" musste er sich jedoch von der sonst meist so wohlwollenden Jury einiges an Kritik anhören. Nena wusste das noch am charmantesten vorzutragen: "Auf dieser Bühne darf man auch Schwäche zeigen".

Honoriert wird das aber freilich nicht. Der Mann im schwarzen Existenzialisten-Pulli scheidet schließlich mit einem Plädoyer für das bedingungslose Grundeinkommen aus. Das wird die einzige tiefgründigere Botschaft an diesem Abend bleiben. Sieht man einmal von dem notariellen Hinweis ab, dass die Show exakt 256 Jahre auf Mozarts Geburtstag folgt.

Clooney, ich will ein Kind von dir...

Was bleibt sonst? Die Erkenntnis, dass Jan Delay-Verschnitt Ole schon einen Titel für seine Autobiographie hat: "Ach du Scheiße", so soll sie heißen, und darin wird dann vielleicht auch stehen, warum er sich als "Heulsuse" sieht. Ferner wissen wir nun, dass Kim Sanders, die mit Alicia Keys' "Empire State of Mind" ihre beiden Konkurrenten deutlich aussticht, gerne ein Kind von George Clooney hätte - dafür würde sie sogar auf den Titel "The Voice of Germany" verzichten. Und schließlich lernen wir, dass manch einer nicht nur ordentlich covern kann, sondern auch das Zeug zum wirklich eigenständigen Musiker hat. Michael Schulte etwa, der dank des Zuschauervotings eine Runde weiter kommt, obwohl er, hier und da, wie Xavier Naidoo sagt, "etwas hölzern" ist. Manchmal siegt also doch Talent. Oder zumindest das Versprechen auf eine glanzvollere Zukunft.

Von Jan Zier
 
 
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