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22. Januar 2007, 15:01 Uhr

Gute Nacht, Herr Intendant

Wie berichtet man in einer ARD-Sendung über das Debakel mit Günther Jauch? Das Medienmagazin "Zapp" tat es aus NDR-Sicht. stern-Redakteur Alexander Kühn hat kurz hineingezappt

Professor Jobst Plog, Intendant des Norddeutschen Rundfunks© Jochen Luebke/DDP

Wenn der stern, sag wir mal, Franz Josef Wagner als Starreporter einkaufen wollte und posaunte das noch vor Vertragsabschluss in die Welt hinaus, und irgendwann käme irgendwer aus dem Verlag auf die Idee, Wagner müsse aber erst schriftlich versprechen, dass er seine täglichen Briefe für "Bild" nicht weiterschreiben werde, worauf Wagner dem stern einen Korb gäbe - dann würde das im Heft sicher nicht groß vermeldet.

Nun hat aber der NDR, die drittgrößte Anstalt der ARD, dummerweise ein Medienmagazin, "Zapp", das mittwochs um 23 Uhr im Dritten läuft. Und gespannt fragte man sich: Wie würden die Hamburger Medienkritiker mit dem Umstand umgehen, dass dem Ersten vor wenigen Tagen der sicher geglaubte Günther Jauch abhanden kam? Wie würden sie es vermeiden, den für den bisherigen "Christiansen"-Sendeplatz verantwortlichen NDR-Intendanten Jobst Plog zu verärgern, der Jauch so gern ins Erste geholt hätte?

"Übers Ziel hinausgeschossen"

So komponierte die "Zapp"-Redaktion den Beitrag in dreigeteilter Dramaturgie. Stufe eins: Jauch-Bashing. Angesichts von Jauchs Interview mit dem "Spiegel", in dem von "Gremlins" und "Wichtigtuern" die Rede war, erklärte eine Stimme aus dem Off: "Das liest sich für Außenstehende hübsch", doch der "stets souveräne Jauch" sei diesmal "übers Ziel hinausgeschossen." Dann kamen Kronzeugen aus den Printmedien zu Wort: Der immer über alles informierte Hans Leyendecker von der "Süddeutschen" mutmaßte, "dass Jauch nicht so groß ist, wie ich ihn immer gesehen habe." Der "taz"-Medienredakteur erläuterte, das alles sei "keine Katastrophe, weder für Herrn Jauch noch für die ARD", der "FAZ"-Medienredakteur sagte, das sei alles "nicht so wichtig."

Stufe zwei: Bashing missgünstiger Schwester-Anstalten. Ein "kompliziertes Gebilde" sei die ARD, erklärte der Off-Sprecher, "neun Landesrundfunkanstalten mit unterschiedlichen Interessen – aber sie alle reden mit, wenn es um das Erste geht." Während der Verhandlungen seien immer wieder Informationen an die Presse gelangt - siehe die Forderung der designierten WDR-Intendantin Monika Piel in der "Zeit", Jauch solle "stern-TV" aufgeben, oder das "Spiegel"-Interview des SR-Intendanten und ARD-Vorsitzenden Fritz Raff, das in der Äußerung kulminierte: "Ohne Jauch geht die ARD-Welt nicht unter."

Jauch böse, ARD alle blöd, außer NDR

Stufe drei: Ein Loblied auf den NDR. Der "FAZ"-Medienredakteur sagte, er könne die Bedenken "des Intendanten des Norddeutschen Rundfunks, Jobst Plog" verstehen (Professor Jobst Plog, bitte!) – die Bedenken also, dass die ARD künftig Schwierigkeiten haben könne, mit Leuten handelseinig zu werden, die sie haben möchte. Von den Hierarchen der ARD äußerte sich in dem Beitrag: niemand. Plog und Programmdirektor Struve gab es nur aus der Konserve. Jauch ebenso. Verständlicherweise. Und nach zwölf Minuten vierundvierzig dürfte auch der für am dümmsten gehaltene Zuschauer die Botschaft verstanden haben: Jauch böse, ARD alle blöd, außer NDR. Und man kann es sich genau vorstellen, wie der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Professor Jobst Plog, sich genüsslich in seinem Fernsehsessel reckte und zu seiner Gemahlin sagte: "So, Schatz, jetzt können wir beruhigt schlafen gehen."

Ach, noch dies, um Missverständnissen vorzubeugen: Beim stern gibt es keinerlei Pläne, Franz Josef Wagner einzukaufen.

 
 
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