Seine Berliner Schnauze ist berüchtigt, er ist ein Anarcho-Clown, der sich lange dem Erfolg entzogen hat. Gerade wurde er für den Deutschen Kleinkunstpreis nominiert. Auf stern.de spricht Kurt Krömer über Louis de Funès, Dialektfärbung und das Berühmtwerden.

Kurt Krömer startet durch: mit eigener Sendung auf der ARD erobert die Berliner Schnauze ganz Deutschland© Universal Music
Schiebermütze auf dem Kopf, saftig-moosgrüner Pullunder - im Gegensatz zu seinem Bühnenoutfit mit ausgebeultem Anzug, dicker Brille und angeklatschten Haaren ist der Comedian Kurt Krömer privat eher bohemian-mäßig gekleidet. Seit 1992 treibt er subversiven Schabernack auf Berliner Kleinkunstbühnen und tourt seit gut drei Jahren mit seinem Programm durch Deutschland. Bei der ARD ist er mit der "Kurt Krömer Show" und "Bei Krömers" zu sehen. Im Oktober 2006 bekam er den Deutschen Fernsehpreis. Während er bei seinen Auftritten die Leute derbe angeht, wirkt er beim Interview eher schüchtern, zurückhaltend und meidet direkten Augenkontakt.
Herr Krömer, ja.
Für mich ist es schön, dass es organisch gewachsen ist und auch weiter wächst. Ich habe mir meine Zuschauer erarbeitet, nicht durch irgendwelche Eventshows wie "Deutschland sucht den Superkomiker" bei RTL oder Sat 1, sondern ich habe mir mein Publikum in Dörfern und in alten Kuhställen erspielt.
Die Presse hat immer gesagt, was ich treibe, versteht man außerhalb Berlins nicht. Darauf habe ich komischerweise gehört. Vor drei Jahren war ich in Ingolstadt - mein erstes Gastspiel außerhalb Berlins und ausgerechnet in Bayern! Der Veranstalter meinte, vier Termine, und ich dachte, okay, das tut nicht so weh, wenn sie mich dann verprügeln. Aber es kam gut an, der Saal war ausverkauft. Ich habe mit den Leuten gesprochen: "Wie ist denn das mit dem Berliner Dialekt, versteht ihr das hier? Oder muss ich was weg lassen?" Die meinten, um Gotteswillen bloß nicht, das wäre eine schöne Färbung für sie und hätte so was Paradiesvogel-mäßiges.
Ich habe die Zuschauer herausgefordert, jetzt holt mal euren Slang raus, und ich stand nur da und habe Bahnhof verstanden. Die Leute waren stolz auf ihren Dialekt und dass sie mir auch was an den Kopf knallen könnten - ein schönes Spiel.

Sein Vater hat Krömers anarchistische Ader geprägt© Universal Music
Klar hätte ich eine eigene Sendung bei den Privaten machen können. Aber dann müsste ich mich auf Regeln einlassen, die ich nicht spielen will. Ich möchte mich nicht verbiegen. Armani-Anzüge, 'ne Designerbrille und Lackschuhe aus London brauche ich nicht. Meine Zielgruppe ist von acht bis 88. Ich bin doch nicht bescheuert und sage, du bist über 50 und fliegst raus. Wie auf meiner DVD, da war die Hilde mit dabei, ich will ihr nicht zu nahe treten, aber die war sicher schon Anfang 80. Der Akademiker sitzt bei mir neben dem Maurer. Das Schöne ist, dass beide gleichzeitig lachen. Das Einzige, was sich durch die ARD ändert: mir gucken mehr Menschen zu.
Schwierig. Was soll ich sagen? Ich bin der Lustigste? Ich komme und dann finden mich alle toll? Ich empfinde mich als Neoclown. Nicht der aus dem Zirkus Roncalli mit der Pappnase, sondern eher in Richtung Leo Bassi (amerikanischer Anarcho-Clown Anm.d. Red.). Ich sehe aus wie Leute, die seit 50 Jahren in der Stadtsparkasse Paderborn in einer leitenden Position arbeiten, ein bisschen miefig und piefig, die aber dennoch den Punk verbreiten. Man sieht aus wie Heintje, spricht aber wie Marilyn Manson.
"Na, du alte Kackbratze!" Das Standardwerk Krömerscher Weltanschauung liegt jetzt als DVD vor: Ausschnitte aus seinem Programm, das im August 2006 im Berliner Kabarett-Theater "Die Wühlmäuse", dazu Making-of und Interviews. Einen Vorgeschmack gibt es hier