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TV-Kritik

Wenn der Vegan-Guru zum Kung Fu Panda wird

Die zweite Folge "Let's Dance" hat stern-Stimme Marie von den Benken für Sie live im Studio gesehen. Sie stellt fest, dass die Sendung ein beliebtes Ausflugsziel ist und wundert sich, dass die Jury die Tanzpärchen nur von hinten sehen kann.

Von Marie von den Benken

Let's Dance

Selten hat sich Let's Dance Chef-Juror Joachim Llambi so sehr über einen Teilnehmer echauffiert. Aber bei Attila Hildmann konnte er einfach nicht anders: "Du tanzt wie Kung Fu Panda"

Ein diesiger, kalter Freitagabend. Regen peitscht an die Frontscheibe. Stadtauswärts säumen bunte Lichter von Möbelhäusern, Bürotürmen und Gebrauchtwagenmärkten meinen Weg durch ein melancholisch anmutendes Köln-Ossendorf. Eine Gegend, die gepaart mit diesem Wetter einen Glamourfaktor ausstrahlt, wie Donald Trump in einem Victoria's Secret Bikini. Doch dann, wie aus dem Nichts, die Rettung: In weithin sichtbaren, roten Lettern kündigt sich das MMC Studio an. Mitten in dieser Tristesse der Vorstadt plötzlich von Vorfreude beseelte Menschen, einige von ihnen aufgetakelt wie zum Wiener Opernball.

Bus das sein?

Diverse Reisebusse spucken Großgruppen von beinahe hysterisch gut gelaunten Kleinstädtern auf den wie eine Zahnarztpraxis gekachelten Riesenparkplatz vor dem legendären Coloneum aus. Hier, in einem der wichtigsten TV-Studios der Nation, werden täglich TV-Perlen wie "Das Supertalent", "Nur die Liebe zählt", "Big Brother" oder "Deutschland sucht den Superstar" produziert. Auch "Germany's Next Topmodel" war schon einige Male zu Gast. In den kommenden 12 Wochen wird es wieder die Heimat von "Let's Dance" sein. Ein letzter Blick auf die Reisebusse vor der Tür bestätigt: "Let's Dance" bleibt ein beliebtes Ausflugsziel für Kegelklubs. Wer würde es ihnen verdenken? Einmal im Leben Sylvie Meis live gesehen – da hat man für den Rest des Lebens was zu erzählen, am Hotelbuffett im Mallorcaurlaub.

Drinnen, in einem Studio, das im wirklichen Leben so viel kleiner wirkt als im Fernsehen, macht sich eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Livesendung der offizielle Stimmungsbeauftragte, ein Warm-Upper namens René, daran, das Publikum mit lustigen Klatschspielen punktgenau für 20:15 Uhr in extatische Begeisterung zu versetzen. Diese soll sich anschließend in wilden Applaus-Orgien entladen, sobald die roten Lichter der Kameras angehen.

A Hartwich's Life

Kurz vor 20:15 Uhr gibt sich dann auch RTL-Allzweckwaffe Daniel Hartwich die Ehre und begrüßt das Publikum in einem Anflug von Selbstironie mit einigen warmen Worten zu seinem Frisur-Desaster aus der Auftaktshow in der Vorwoche. Um den Zuschauern an den Fernsehschirmen die Angst zu nehmen, auf dem Kopf des Moderators wäre eventuell der Yeti verendet, war er zwischenzeitlich beim Friseur. Auch Sylvie hat was an den Haaren gemacht. Als Hommage an die Witze ihres Moderationspartners trägt sie selbige heute Abend platt. Für die Pressetribüne hat Hartwich ebenfalls ein paar warme Worte übrig und heißt die schreibende Zunft mit „Na, Ihr Schmierfinken“ willkommen. Die Sendung hat noch nicht mal angefangen und der Dschungelcamp erprobte Allesmoderator ist bereits das Lieblingskind der Journaille. Das muss man auch erst mal schaffen.

Während der Sendung bitte die Sandys ausschalten

Den Auftakttanz liefert an diesem Abend Alessandra Meyer-Wölden. Nach ihrem aus unerfindlichen Gründen barfuß getanzten und amtlich verhauenen Salsa gibt sie unumwunden zu, zwischenzeitlich einen völligen Blackout gehabt zu haben. Ähnliches passierte ihr bisher erst einmal im Leben: Als sie Oliver Pocher geheiratet hat. Gleich bei diesem ersten Tanz wird klar, dass die Jury ihre Bewertungen unter extrem schwierigen Bedingungen zu treffen haben. Da sich die Tanzpaare während ihrer Performances zumeist ganz vorne auf dem Parkett aufhalten, um möglichst telegen direkt in die Frontkameras zu tanzen, sehen sie die Tänze großteilig nur von hinten. Das wichtige Geschehen immer nur von hinten sehen – oder wie man beim HSV sagt: Alltag.

Kay One In A Million

Die ersten Standing Ovations des Abends gehen dann an Staffel-Nesthäkchen Victoria Swarovski und ihren Slowfox. Victoria ist erst 22 Jahre alt. 22 ist gleichzeitig auch die Anzahl der Quadratmillimeter Körper, die von ihrem Outfit bedeckt werden. Ihr schwarzer Slip ist unter ihrem volltransparenten Spitzenkleid jedenfalls deutlich erkennbar. Das gefällt auch Rapper und Box-Promotor Kay One, den die Boulevardpresse zuletzt zu ihrem mutmaßlichen neuen Lover erklärt hatte. Ob an dieser Behauptung mehr Wahrheit dran ist, als an dem Gerücht, Kay One würde in der nächsten "Let's Dance" Staffel gemeinsam mit Bushido ein Tanzpärchen bilden, weiß nicht mal Motsi Mabuse. Die Jury vergibt 25 Punkte und Motsi bezeichnet Victoria immerhin Sprössling der Schmuckdynastie Svarowski, als "Rohdiamant". Haha. In der kommenden Folge wird sie dann vermutlich Sylvie Meis als Popcorn bezeichnen.

Wendler Postmann zwei mal klingelt

Als einziger einen eigenen Fanclub hat "Der Wendler" ins Publikum geschmuggelt. Schräg rechts hinter der Jury machen die "echten Fans" des Dinslakener Sympathieträgers ordentlich Alarm. Für eine besonders gute Jurybewertung reicht es aber wie schon in der Vorwoche nicht. Die erhält nach Victoria Swarovski erst wieder Jana Pallaske (ebenfalls mit 25 Punkten). Sie zelebriert in den Einspielern wieder ihre esoterische Seite. Langsam bekomme ich etwas Angst, dass sie sich in einer der kommenden Folge spontan einen Kristallstein auf die Stirn legt und versucht, durch das Studio zu fliegen. Alle anderen Kandidaten tanzen sich mehr schlecht (Thomas Häßler, Sarah Lombardi, Attila Hildmann, Franziska Traub) als Recht (Nastassja Kinski, Sonja Kirchberger, Julius Brink) durch den zweiten Abend. Erwähnenswert lediglich noch: Eric Stehfest, der zwar sein Sensationsergebnis von 29 Punkten dieses mal mit nur 23 Punkten nicht wiederholen kann, aber dennoch zu einem der besten Tänzer des Abends gehört.

Ist der Ruf bei "Let's Dance"erst ruiniert

In den zahlreichen Werbepausen versorgt Gastgeber RTL das trotz tropischer Temperaturen brav im Studio ausharrende Fußvolk auf den Rängen mit Capri-Sonne und Laugenbrezeln, was der Atmosphäre im Studio die beruhigende Aura einer Klassenfahrt gibt. Chefjuror Lambi, der in seiner Privatfehde mit Niels Ruf noch fehlenden Respekt angemahnt hatte, kümmert sich in jeder Sekunde, in der die Kamera nicht auf ihn gerichtet ist, um sein Handy. Teilweise verfolgt er das Geschehen der Show überhaupt nicht mehr. Er sitzt allerdings am längeren Handy ... äh, Hebel: Am Ende muss Niels Ruf gehen. Schnell wird klar, dass der Sparringspartner von Atze Schröder weniger Fans hat, als Vegan-Papst Attila Hildmann. Hildmann hatte von der Jury noch weniger Punkte erhalten als Ruf und wurde mit den Worten „Du tanzt wie Kung Fu Panda“ abgehalftert. Nach dem Zuschauervoting ist es dann aber Ruf, der seine Koffer packen muss.

Das diese Woche von stern-Stimmen unterwanderte "Let's Dance" (Jorge Gonzáles in der Jury, Vorjahressieger Hans Sarpei auf der VIP-Tribüne und ich auf dem Presse-Balkon) macht nächste Woche aufgrund des Karfreitag-Tanzverbots Pause und kehrt erst in 14 Tagen wieder zurück. Dann erkläre ich euch, wie RTL es verhindert, dass versehentlich Sendungen im Abendprogramm nicht von Daniel Hartwich moderiert werden und wie Sylvie mit ihrem Netzwerk-Portal MeisSpace früh ein Händchen für Social Media bewiesen hat.

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