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2. Februar 2008, 09:04 Uhr

Ihr Kampf mit dem Dschungel-Image

Hilft es der eingeschlafenen Karriere, vor Millionen Känguruhoden zu essen? Dschungelkönig Ross Antony wohl schon - er bekommt seine eigene TV-Show. Lisa Fitz, Kandidatin der ersten Staffel, warnt im stern.de-Interview jedoch vor den Schattenseiten des Camps.

Stand bei ARD und ZDF nach dem Dschungelcamp auf der Schwarzen Liste: Kabarettistin Lisa Fitz© Manfred Baumann

Frau Fitz, vier Jahre ist es her, dass Sie bei der ersten Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" den zweiten Platz belegt haben. Was hat es Ihnen für Ihre Karriere gebracht?

Beruflich verlief alles nach dem Camp recht gut, weil ich die Hauptrolle in einer RTL-Serie bekommen habe - "Die Gerichtsmedizinerin". Nur mit dem Saarländischen Rundfunk habe ich damals ungute Erfahrungen gemacht, für den ich zwei Folgen der Kabarettsendung "Fitz & Friends" produziert hatte. Als ich im Dschungel saß, hat man die Zusammenarbeit ohne mein Wissen beendet.

Woran lag das?

In Sachen Kabarett hat die Dschungelcamp-Teilnahme an meinem Image gekratzt. Ich wurde plötzlich als RTL-Gesicht gehandelt, was überhaupt nicht in meiner Absicht lag. Mein Hauptengagement, meine Berufung und mein Beruf ist das Kabarett. Ich war betrübt, dass der zwölftägige Ausflug, der etwa 0,0001 % meiner beruflichen Tätigkeit ausmachte, so ernst genommen wurde. In der Presse wurde das ganze ja dann auch so aufgeblasen. "Lisa Fitz gefeuert" - als sei diese SR-Sendung das Zentrum meines Schaffens gewesen. Das war schon ein bisschen Rufmord. Die Strenge, mit der das geahndet wurde, hätte ich nicht vermutet.

Wie stehen Sie heute zu den Vorkommnissen?

Dass sich die Öffentlich-Rechtlichen auf Grund der Vorkommnisse beim SR von mir distanziert haben, das war nicht schön. Wir mussten uns in den letzten vier Jahren wieder ganz vorsichtig annähern - was mich ganz ungeduldig machte, denn ARD und ZDF machen wirklich gute Sendungen, vor allem, was Kabarett betrifft. Ich stand auf einer schwarzen Liste und wurde nicht in Talkshows eingeladen. Dabei hätte es viel Interessantes und Intelligenteres zu erzählen gegeben, über die Psycho- und Gruppendynamik im Camp, wie sich Menschen verändern, wenn sie Hunger haben und so etwas.

Inwiefern verändern sich denn die Promis im Camp?

Sie verlieren ihre Contenance. Der Hunger macht sie böse. Sie werden gereizt und unfreundlich. Viele verlieren ihren Humor, der Teamgeist fehlt. Ich habe in den zwölf Tagen versucht, mir nie eine Blöße zu geben - außer der, dass ich mitgemacht habe.

Warum sind Sie denn ins Camp gegangen?

Die Abenteuerlust ist mit mir durchgegangen. Man hat mir dann unterstellt, ich hätte aus finanziellen Gründen teilgenommen. Aber etablierte Kabarettisten verdienen wirklich sehr gut und ich war auf dem Zenit meiner Tätigkeit und gut ausgebucht. Der Januar 2004 war meine Urlaubszeit.

Ende Januar feierte Lisa Fitz mit dem Thomas-Bernhard-Stück "Der deutsche Mittagstisch" Premiere in Frankfurt© Theater am Mousonturm

Kommen wir zur gerade beendeten, dritten Staffel: Für wen könnte das Camp ein Karrieresprung sein?

Ganz klar: Dschungelkönig Ross Antony. Seine Heulausbrüche waren von komödiantischem Wert. Er kann tanzen, singen und ist unglaublich lustig. Ich denke, der könnte eine eigene Sendung kriegen.

Bei RTL wird er im Mai sein eigenes TV-Format bekommen.

Ah ja, zu Recht! Er ist einfach begabt. Viele entblößen sich ja auch nur im Dschungel. Spongebob Spengemann zum Beispiel. Der ist ja ganz von der Bildfläche verschwunden nach dem Camp.

Was hat er falsch gemacht?

Er hat sich als präpotentes Weichei geoutet und nichts umgesetzt von seiner Kraftmeierei. Auch bei Küblböck ist es etwas ins Aus gegangen. Aus Gründen, die ich hier nicht besprechen möchte. Daniel sollte aber zum Beispiel in seiner Ausbildung nacharbeiten.

Ist Küblböck zu jung für das Camp gewesen?

Er selbst kann nichts dafür. Gar nichts. Er hat versucht, seinen Traum zu verwirklichen. Die Häme und die Bereitschaft der Leute auf ihm herumzutrampeln, das fand ich grenzwertig. Die Menschen sind teilweise bösartiger als die Kakerlaken. Das eklige kam ja auch bei meinem Dschungelerlebnis erst außerhalb des Camps. Ich habe hinterher drei prall gefüllte Presseordner durchgesehen, die Sensationsmeldungen der "Bild"-Zeitung, oder auch, was Kollegen über uns gesagt haben. Da war mir dann erst richtig schlecht.

Würden Sie noch einmal ins Camp gehen?

Ich würde es sicherlich aus beruflichen Gründen nie wieder machen. Persönlich habe ich es als "AE" empfunden, als "Außergewöhnliche Erfahrung", als bezahlte Diät und lustigen Survival-Trip. Aber das muss ich nicht wiederholen. Da setz ich mich jetzt lieber ins "Versace"- Hotel und lass mir den Tee aufs Zimmer servieren.

Würden Sie sagen, Sie sind die eigentliche Königin des Dschungels?

Um Gottes Willen, Königin des Kabaretts wär mir lieber! Dschungelkönigin darf Frau Nick bleiben. Aber es hat mir ja doch etwas gebracht. Die RTL-Serie war schönes Projekt als Schauspielerin, ein Filet-Stück, das man nicht alle Tage bekommt. Trotzdem macht mir Kabarett tausendmal mehr Spaß - es ist meine Berufung. Bei Dschungelkönig Costa Cordalis hat sich nichts wirklich verändert. Er singt halt immer noch seine Schlager. Zum Thema "B oder C-Promis" noch eine Anmerkung: Diese Kategorisierung finde ich etwas überheblich. Einige der Teilnehmer von damals sprechen fünf Sprachen fließend, haben Abitur, abgeschlossenes Unistudium etc. Dennoch hätte man wohl in dieser Liga nicht mitspielen dürfen. Warum? Eine Kabarettistin wird als kritische Aufklärerin verstanden und in meinem Fall von vielen Frauen als Vorbild gesehen - Vorbilder dürfen sowas halt nicht - oder nur einmal. Meine Teilnahme hat auf viele wie ein Verrat am Kabarett gewirkt. Aber ich verrate das Kabarett nicht. Jeder schießt halt mal ein Eigentor.

Privat also eine positive Erfahrung mit bitterem Beigeschmack für die Karriere.

So kann man ess nennen, ja. Im Hinblick auf die Serien-Titelrolle war es ok. Fürs Kabarett eher nicht, weil Kabarettisten anscheinend höhere Wesen sein müssen, die einem Reinheitsgebot unterliegen, wie gesagt. Das hätte ich wissen können. Aber will man immer alles vorher wissen? Dann macht man ja nie mehr einen Blödsinn? Manchmal gehen die Abenteuer-Gäule mit einem durch und das ist auch schön so.

Ihr Fazit - vier Jahre danach?

Langsam beruhigt es sich, das aufgebrachte Flügelschlagen. Ich bin wieder da, wo ich hingehöre und sein will. Gestern habe ich die Premiere "Der deutsche Mittagstisch" von Thomas Bernhard gespielt, im Theater am Mousonturm in Frankfurt. Aber das Verhältnis zu der ARD - das gehört noch repariert. Ein Kabarettist ohne ARD kann nur in die "Anstalt" gehen, in die vom ZDF, meine ich, beim Udo Priol. Auch sehr gut. Aber gesamt gesehen wächst das Gras jetzt ganz gut drüber und die Medien sind wieder gut gesonnen. Und meine Kabarettzuschauer auch, die sind mir am wichtigsten von allen.

Interview: Katharina Miklis

 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
techen (03.02.2008, 20:25 Uhr)
Ab in die Lindenstrasse
"Höhepunkt des siebzigminütigen Abends ist der Auftritt der Kabarettistin Lisa Fitz, die als Türkenmadonna aus der Zeit der osmanischen Invasion mit schnarrendem Bayrisch die muslimische Gefahr beschwört. Doch auch die Heilige Retterin des Abendlandes mampft Döner, während sie gegen die Muselmanen wettert. Dies ist dann aber auch schon der Gipfel der Satire. Immerhin empfiehlt sich Lisa Fitz als mosernde Maria in Frankfurt überzeugend für die Nachfolge der Zeter-Greisin Else Kling aus der „Lindenstraße“."
Das schreibt die aktuelle FR zu Frau Fitz im Moussonturm. Eigentlich ne gute Idee!
Ford.Prefect (03.02.2008, 17:04 Uhr)
Stimmt das wirklich?
Lisa Fitz wird in dem Artikel wie folgt zitiert:
"(...)der zwölftägige Ausflug, der etwa 0,0001 % meiner beruflichen Tätigkeit ausmachte (...)"
12 Tage sollen 0,0001 %, also einem Zehntausendstel Prozent von Lisa Fitz´ beruflicher Tätigkeit entsprechen?
Dann wären demzufolge ja 100 Prozent von Lisas beruflicher Tätigkeit 12 Millionen Tage, also 32877 Jahre (gerundet, Schaltjahre nicht mitgerechnet).
Das kann ich mir irgendwie kaum vorstellen, denn Lisa Fitz ist doch gerade mal höchstens 70 Jahre alt.
Stimmt das wirklich?
techen (02.02.2008, 20:54 Uhr)
So wunderschön, so völlig verkannt
Kabarettistin Lisa Fitz * "Deutschlands Kabarettistin No.1 ...Offizielle Site der bekannten Kabarettistin mit Terminen, Vita, Pressetexten, Tagebuch, Bildern und Shop."
So singt's von Fitzens Website. Wer mag - mit großem Anstand, versteht sich- Nr.2 sein?
Gibt es außer Lisa "The" Fitz überhaupt noch andere unter der Sonne?
Wenn sie nicht mehr gluckend in den RTL-Dschungel darf - wo dann macht sie ihre "AEs"?
Wenn sie 2004 auf ihrem Zenit war, wo ist sie jetzt? Bei Otti?
Aber Sohnemann hats ja schon gesagt: Alles Schlampen außer Mutti. Bzw. Lisa. Bzw der Kabarettistin Nr.1.
ighor (02.02.2008, 18:13 Uhr)
Rechenexempel
Wenn Frau Fitz in den vergangenen 20 Jahren zehn Kabarettprogramme mit 1,5 Mio Zuschauer zustande gebracht hat, wieviele dann seit 40 Jahren? Mit wievielen Zusauern in D,CH und A? Wieveiele gefühlte Zuschauer mögen es gewesen sein?
Ich plädiere dafür, den Wunschtitel "Kabarettkönigin" gegen "feminines Urgestein" auszuwechseln. Dann weiß man gleich, was sich im Raum zwischen den Ohren erfahrungsgemäß (nicht mehr) abspielt. Und der Zuschauer merkt's ja eh nimmer, obs gerade Kabarett oder Dschungel ist. Hauptsache Lisa.
Ende der 1. Lisa-Studie.
Daisan (02.02.2008, 18:09 Uhr)
Richtig, Lisa Fitz
wo wären wir alle, wenn jeder Fehler unverzeihlich wäre?
Außerdem gab es "zu Ihrer Zeit" im Dschungelcamp noch keinerlei Erfahrungswerte über diese Sendung.
Es ist ein Lernprozeß und man macht eben nicht nur in früher Jugend die Erfahrung daß man nicht jede Erfahrung machen muß.
Es hört nie auf und wie sonst soll der/die Kabarettist(in) "Munition" für seine Darbietungen erlangen?
Eben, doch nur aus dem Spektrum seiner/ihrer persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse.
In diesem Sinne beste Grüsse
Daisan
vondervogelwheyde (02.02.2008, 16:41 Uhr)
@Fitz
Liebe Lisa Fitz. Trotzdem höre ich mir Ihre Songs immer noch ganz gerne an. Ihre LP "Die Heilige Hur" hat einen festen Stammplatz in meiner Schallplattensammlung. Gruß
Fitz (02.02.2008, 13:56 Uhr)
Besser Informieren
Hallo vondervogelwheyde, seit 1985 gibt es von mir zehn Kabarett-Programme, ca.2000 Abende mit ca.1,5 Mio Zuschauern in BRD,CH,A. Das aktuelle, "LEX MIHI ARS" läuft zurzeit (www.lisafitz.de) Weder bin ich verschwunden noch Mainstream. Informiert euch zuerst, z.B.Lisa Fitz/Wikipedia) u.seid aus Unkennt-nis nicht ständig so überheblich.
5 Sprachen sprechen im Übrigen S.Stahnke (abgeschl.BWL-Studium) & 8 Sprachen C.Cordalis. mfg Fitz
life_is_good (02.02.2008, 13:16 Uhr)
Ohne Frage!
Ich bin mir sicher, dass bestimmt einige der Kandidaten "fünf Sprachen fließend" sprechen! HA HA HA HA. Deutsch scheint jedoch nicht zu diesen Sprachen zu gehören. Darauf lassen die geistreichen Dialoge im Camp schliessen. Vielleicht sollten sich die Kandidaten einfach einer Ihrer anderen geschliffenen Sprachen bedienen beim nächsten Camp. Der Unterhaltungswert könnte nur steigen, sollten die Kandidaten von nun an bsp. Africaans sprechen. HA
hardrain (02.02.2008, 12:57 Uhr)
Schön, Frau Fritz, dass sie den
Udo Pirol auch kennen. Und wir kennen jetzt den Horizont, der leider nicht mehr vorhanden ist, von Leuten, die mal im Dschungel waren - oder was man dafür hält.
Kommen Sie mal uns Weserbergland! Dschungel pur!
ighor (02.02.2008, 12:40 Uhr)
kleiner scherz
ist katharina miklis eigentlich die tochter von miklis theodorakis?
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