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"Making a Murderer": Nicht mal Barack Obama kann Steven Avery helfen

Riesen-Hype um die Netflix-Doku "Making a Murderer": Jeder hat eine Meinung zum Fall des wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilten Steven Avery. Jetzt meldet sich sogar das Weiße Haus zu Wort.

Steven Avery Netflix Making a Murderer

In den USA wird seit Tagen hitzig über die Netflix-Dokumentation "Making a Murderer" und den verurteilten Steven Avery diskutiert

Der Wirbel um die schockierende Netflix-Dokumentation "Making a Murderer" zieht immer weitere Kreise. In Amerika wird die Frage nach der Schuld (oder Unschuld) des wegen Mordes verurteilten Häftlings Steven Avery hitzig diskutiert. Gehen die Gerichte des Landes wirklich so willkürlich vor? Ist Avery als Vertreter des sogenannten "White Trash" nur ein weiterer Beweis, wie Minderheiten von Polizei und Justiz behandelt werden?

Die Diskussionen um die Show werden bereits als wichtiger Bestandteil demokratischer Meinungsbildung in den USA gesehen. "Forbes" nennt "Making a Murderer" sogar das bedeutendste Netflix-Projekt überhaupt.

Aber es regt sich auch Kritik an den Machern: Die Doku vermittele allzu deutlich den Eindruck, Avery sei unschuldig, dabei sei die Faktenlage längst nicht so klar - wie auch in älteren Berichten über den Fall nachzulesen ist. Staatsanwalt Ken Kratz ließ laut eines Berichts der "New York Times" verlauten, die Show würde dem Zuschauer wichtige Beweise gegen den Angeklagten bewusst vorenthalten. Die Produzenten beteuern, dass sie in zehn Jahren Recherche alle Seiten und Sichtweisen zum Fall berücksichtigt zu haben.

Hunderttausende unterzeichnen Petitionen für Avery

Die meisten Zuschauer haben sich nach zehn Folgen "Making a Murderer" ihre eigene Meinung gebildet - und ein Großteil hält die Beweise gegen Steven Avery für nicht ausreichend, um ihn lebenslänglich wegzusperren. In der Debatte dominiert die Wut gegen die Strafjustiz, aber die Aktivitäten beschränken sich nicht nur auf Online-Mobbing gegen Kratz oder den indisponierten Pflichtverteidiger von Averys Neffen Brendan Dassey, Len Kachinsky: via change.org haben über 350.000 Aktivisten die Freilassung von Avery gefordert.

Auf der Webseite des Weißen Hauses gibt es eine weitere Petition mit dem Ziel der Begnadigung - sie wurde binnen kurzer Zeit von knapp 130.000 Menschen unterzeichnet. Daraufhin bezog die US-Regierung öffentlich Stellung zu dem umstrittenen Fall: Der Einfluss des Präsidenten reiche in diesem Fall nicht aus, Begnadigungen könne er nur in Angelegenheiten des höchsten Gerichts von Washington, D.C. oder des Militärgerichts aussprechen.

Nicht einmal Barack Obama kann Avery also helfen. Und auch auf die Aktivistengruppe Anonymous sollte der Inhaftierte wohl nicht zählen. Das umstrittene Hacker-Kollektiv behauptet zwar öffentlichkeitswirksam, Beweise für die Unschuld des Verurteilten zu besitzen - ließ allerdings eine Deadline verstreichen, diese zu präsentieren.

Und so sitzt Steven Avery weiter hinter Gittern, laut Urteil für den Rest seines Lebens. Sein Schicksal wird weltweit diskutiert. Bloß aus dem Gefängnis wird ihn das voraussichtlich nicht befreien.

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