Feindschaft bis in den Tod

9. April 2013, 16:33 Uhr

Hass ist eine starke Antriebskraft: Während ihrer Regierungszeit inspirierte Margaret Thatcher die britische Musikszene zu wütenden Songs. Einige Künstler geben jedoch auch nach ihrem Tod keine Ruhe. Von Carsten Heidböhmer

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Als Pop-Art-Ikone machte Maggie Thatcher eine gute Figur, ihr Verhältnis zur Popmusik war dagegen denkbar schlecht.©

Neue Karriere, altes Feindbild: Als der britische Popsänger Morrissey 1988 seine erste Soloplatte veröffentliche, widmete er darauf einen Song der britischen Premierministerin Thatcher: "Margaret on the Guillotine". Darin heißt es: "Die guten Menschen haben eine wundervollen Traum, Margaret auf der Guillotine". An anderer Stelle fordert Morrissey sie explizit auf: "Bitte stirb".

Dieser - unfromme - Wunsch ist ihm nun in Erfüllung gegangen. Für Morrissey ist der Tod Maggie Thatchers jedoch noch lange kein Grund, das Kriegsbeil zu begraben und mit der langjährigen Regierungschefin seinen Frieden zu schließen. In dem amerikanischen Online-Magazin "The Daily Beast" veröffentlichte der frühere Sänger der Band The Smiths unter der Überschrift "Thatcher war ein Schrecken ohne ein Atom von Menschlichkeit" einen Text, der kein Nachruf, sondern ein Nachtritt ist. "Jeder ihrer Schritte war mit Negativität aufgeladen. Sie zerstörte die britische Fertigungsindustrie, sie hasste die Minen-Arbeiter, sie hasste die Künste, sie hasste die irischen Freiheitskämpfer und erlaubte ihnen zu sterben, sie hasste die Armen und tat nichts um ihnen zu helfen, sie hasste Greenpeace und Umweltschützer."

Sogar Elton John sehnte ihren Tod herbei

Woher diese Feindschaft bis über den Tod hinaus? Gerade für deutsche Verhältnisse ist das nur schwer nachvollziehbar. Hierzulande müssen unpopuläre Kanzler höchstens Spott ertragen, sie werden "Birne" genannt, oder sie liefern TV-Entertainern die Vorlage zu Ulk-Songs wie "Hol mir mal 'ne Flasche Bier". Das liegt vermutlich daran, dass der wirklich hassenswerte frühere Reichskanzler dieses Landes fast täglich, quasi in Dauerschleife, in Weltkriegsdokus im Fernsehen zu besichtigen ist. Da ist man dann mit dem Mittelmaß des aktuellen Regierungspersonals schnell zufrieden. In jedem Fall sind die ganz extremen Gefühlsregungen nicht im Spiel, wenn über deutsche Politiker geredet wird.

Ganz anders die Situation im Großbritannien der 80er Jahre: Margaret Thatcher stachelte damals fast die komplette Musikszene gegen sich auf. Der Singer-Songwriter Billy Bragg nannte die "Iron Lady" einmal seine größte Inspiration. Künstler und Bands wie Pink Floyd, The Jam, Crass, Specials, Paul McCartney, Elvis Costello, Hefner oder The The arbeiteten sich an ihr ab. Kritikpunkte gab es genug: die Kürzungen in der Sozialpolitik, die harte Haltung im Bergarbeiterstreik, der Falklandkrieg.

Immer wieder wünschten sich Künstler ihren Tod herbei: Elvis Costello phantasierte, er werde auf ihrem Grab stehen und auf den Dreck treten, Hefner freuten sich darauf, an Thatchers Todestag die ganze Nacht zu singen und tanzen, und Pete Wylie stellte sich ihren Tod so vor: "Sie ist weg, und niemand weint." Selbst der königstreue Elton John fand in "Merry Christmas Maggie Thatcher" viele böse Worte für die frühere Premierministerin: "Frohe Weihnachten Maggie Thatcher, wir alle feiern heute, denn es ist ein Tag näher an deinen Tod".

Lindenberg vs. Merkel

Auf der Insel ist das Klima wirklich rauer. Songs über Angela Merkel gibt es so gut wie keine. Udo Lindenberg hat es einmal probiert. Es wurde böse, richtig böse. Für deutsche Verhältnisse jedenfalls. Er sang:

"Ja auch in harten Zeiten kommen süße Wunder vor
Und ich sag noch zu ihr: 'Oh Angie, das merkel ich mir!'"

Ein glückliches Land, das keine böseren Lieder kennt.

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