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Carey, Bohlen und zweierlei Maß

Bei der dritten Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar" hat der Zuschauer am Samstag zwei Dinge lernen dürfen: den Unterschied zwischen den Präfixen Super und Mega, sowie die feine Unterscheidung zwischen Show und Schau. Wer hätte gedacht, dass Dieter Bohlen so pingelig ist.

Von Sophie Albers

Geschafft! Zumindest für die Millionen "Deutschland sucht den Superstar"-Gucker vor dem Fernseher war kein Patzer, Un- oder verbaler Ausfall zu erkennen, als niemand Geringeres als Mariah Carey am Samstag die Sendung beglückte. Die erfolgreichste unter den Popsängerinnen kam, lächelte und stöckelte wieder von dannen. Nur die Präsentation ihrer neuen Single "Touch my Body" hat Show-Papa Bohlen gar nicht gepasst, aber dazu später.

Es war im Vorfeld ein gewaltiger Aufreger, dass sich der US-Star in die deutsche Castingshow verirren sollte, war es doch der einzige Auftritt in Deutschland anlässlich des neuen Albums, wie Moderator Marco Schreyl nicht müde wurde zu betonen - "Wir haben Mariah Carey". Manche hielten die Ankündigung gar für einen Aprilscherz, doch tatsächlich: Die Frau, die gerade Elvis Presley vom Ewigkeits-Chart-Thron verbannt hat, stand plötzlich in der blauweißen Kulisse, freute sich höflich, dass die Kandidatinnen ihre Songs runterbrechen mussten, und sang sogar auf der gleichen Bühne wie die Möchtegern-Mariahs, die es in diese dritte Mottoshow geschafft hatten.

Eine Frage der Vorsilbe

Damit der Zuschauer dabei nicht durcheinander kommt, musste für die US-Größe eine neue Bezeichnung her. "Superstar" war schließlich vergeben für Kinder, die mitunter den Ton nicht treffen. Man entschied sich für die Vorsilbe "Mega", wobei die in diesem Falle nicht für "Marx und Engels Gesamtausgabe" steht, sondern sich der Jugendsprache bedient, in der das Präfix (Griechisch: groß) Begeisterung ausdrückt. Und der Albumtitel "E=mc2" steht übrigens für Emanzipation zweiter Teil, wie Carey klarstellte. Bliebe die Frage zu erörtern, ob mega denn nun mehr ist als super (Lateinisch: über), aber wir wollen ja nicht pingelig sein. Das war schon Dieter Bohlen.

Dem gefiel die Show des Megastars nämlich nicht: Kurz vor Verkündung der Entscheidung, welcher der verbleibenden acht Kandidaten vom Publikum rausgewählt wurde, antwortete er auf die Frage, wer den schlechtesten Auftritt abgeliefert habe, dass er eine Kandidatin nicht beurteilen könne, denn "das war ja nicht so richtig live". Den lauen Seitenhieb hat Carey jedoch gar nicht mehr mitbekommen, denn in ihrer Gegenwart hatte sich der professionelle Runterputzer ganz nach dem eigenen Motto "Wenn der Kuchen spricht, sind die Krümel still" verhalten. Da war es herzlich egal, ob das brillantenbesetzte Mikro vom Kuchen nun an war oder nicht.

Finger in der Wunde

Allerdings gestattet dieser Kritikpunkt einen Blick hinter die Bohlen'sche Moralkulisse: Der Mann mit der Modern-Talking-Vergangenheit und der beeindruckenden Erfindungsgabe für Bösartigkeiten scheint ja tatsächlich zu glauben, an einer authentischen Veranstaltung teilzunehmen. Da fangen die Grundfesten des Showgeschäfts an zu Ächzen. Seit wann ist eine TV-Show denn bitteschön authentisch?

Worum geht es in "DSDS"? Unterhaltung. Und für die lassen die, die unterhalten werden wollen, mit ihren Gefühlen spielen. Castingshows, sei es nun das nächste Topmodel, der nächste Dschungelkönig oder der nächste Superstar, funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Spannung aufbauen und dann mit einem möglichst brachiallauten Knall das Ventil öffnen. Tränen, Freude, hysterische Anfälle, Fremdschämen, Nervenzusammenbrüche. Da war der wie immer geartete Perfektionismus einer Mariah Carey natürlich völlig fehl am Platz, ja geradezu ein Finger in der Wunde des Prinzips der Sendung.

Es war aber sowieso ein insgesamt freudloser Abend für den Sprücheklopfer: Nicht nur, dass mit Stella Salato eine von ihm geschätzte Titelanwärterin rausflog, er wurde auch noch mit einem Ex-Kandidaten konfrontiert, der sogar für die Abteilung Fremdschämen nicht in Frage kommt: Mario Teusch, dessen Hilflosigkeit Bohlen beim ersten Casting geradezu milde gestimmt hatte, trat mit einem bodenlos belanglosen Song auf, zu dem selbst dem Ober-Juror nichts mehr einfiel. Dabei war der Einsatz von "Supermario" von Seiten des Senders nur konsequent: Careys extraterrestrisches Star-Image hatte die Show gestohlen. Teusch stellte die Balance der Talentschau wieder her: Gegen ihn waren alle Kandidaten tatsächlich veritable Superstars.

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