Markus Lanz galt als ZDF-Nachfolger von Johannes B. Kerner. In jüngster Zeit scheint das nicht mehr so klar. Mit stern.de spricht er über Kerners Erben, sein neues Geschichts-Quiz "History" und die angemessene TV-Präsenz für ein Sendergesicht.

Kann Markus Lanz sich aus Kerners Schatten lösen?© Roland Magunia/DDP
Ein Hotel in Berlin-Mitte. Markus Lanz sitzt im Wintergarten, um seinen Hals ein legeres Schaltuch. Er ist sehr, sehr freundlich und lacht zwischendurch immer wieder sehr laut. Er wirkt fast ein wenig nervös. Es wird viel spekuliert über ihn in diesen Tagen. Johannes B. Kerner verlässt das ZDF in Richtung Sat1 und hinterlässt eine Lücke im Abendprogramm des Zweiten. Beim ZDF fragt man sich, wer da hineinpasst. Markus Lanz moderiert jetzt ein neues Geschichtsformat. Kann er sich damit empfehlen?
Vor 181 Jahren. Oh Mann! Wenn Sie jetzt 1848 gesagt hätten... Damit hätte ich was anfangen können. Was denn, sagen Sie mal!
Okay. Das wäre eine Frage, die könnte durchaus auch in unserer Sendung kommen. Es ist ja auch eine schöne Frage, weil das Blamage-Potential relativ gering ist. Das gehört nicht unbedingt zum allgemeinen Bildungskanon, oder? Sie ist aber auch deshalb gut, weil sie einer Erläuterung bedarf. Dieses Doppelspiel haben wir bei "History" relativ häufig: Dass eine Frage, die auf den ersten Blick gar nicht so wichtig erscheint, durch die Erklärungen von Guido Knopp den richtigen geschichtlichen Kontext erhält und dadurch interessant wird.
Meine Überlegung war: Das ZDF steht gerade auch durch Erfolge wie "Die Deutschen" für Geschichtskompetenz. Und Guido Knopp ist Mr. History im deutschen Fernsehen. Wenn Sie mit ihm durch Berlin laufen, werden Sie feststellen, wie viel Begeisterung dem entgegenschlägt, auch von ganz jungen Menschen. Die Leute, die ihn gern kritisieren, weil er in ihren Augen zu oft den Schwerpunkt auf die NS-Zeit legt, täten gut daran, das mal mitzubekommen. Offensichtlich wirkt das, was er und seine Leute machen, inspirierend.
(lacht) Aber nicht Vollstrecker. Bei der Sendung erleben wir eher die Situation eines Boxkampfes, um ein Bild zu gebrauchen. Da gibt es zwei Kombattanten, bei uns zwei Teams, da gibt es einen Ringrichter, der wäre dann möglicherweise ich. Und dann gibt es da noch den Elder Statesman Guido Knopp, in der Art von Henry Maske, der die Situation analysiert.
Keine Einspieler dieser Art, nein. Wir grenzen bestimmte Bereiche schon sehr bewusst aus. Ich finde, diese Seiten der NS-Zeit haben in einer Unterhaltungssendung - und eine solche wollen wir sein - nichts verloren.
Wir stellen schon Fragen, die sich mit der NS-Zeit beschäftigen.
Da war ich beim Militär in Neapel, bei den Gebirgsfunkern, und habe den Mauerfall im Fernsehen verfolgt.
Und die zum 11. September 2001? Da habe ich in Australien gearbeitet. In Townsville, genauer gesagt in Charters Towers. Das ist eine alte Goldgräberstadt. Wir haben dort produziert, eine Spielshow aus dem Outback. Was war am 3. Juni 2008? Lassen Sie mich mal überlegen... Da ging doch meine ZDF-Talkshow los. (lacht) Ich hab mir richtig ins Hemd gemacht, um ehrlich zu sein. Und ich erinnere mich gut daran, dass es kurz vor der Aufzeichnung fast schon wieder zu Ende war, weil Gästen ein Einspieler nicht gepasst hat, und sie das Studio verlassen wollten.
Die Frage ist: Was ist öffentlich-rechtlich und ist es erstrebenswert, öffentlich-rechtlich genug zu sein?
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