17. April 2012, 17:08 Uhr

Stammplatzgarantie für Sofasitzer

Die Revolution ist ausgeblieben. Die DFL hat bei der Vergabe der Bundesliga-Rechte die solide Variante bevorzugt. Der Profit der Vereine steigt, ohne dass die Kommerzialisierung überdehnt wird. Von Bernd Gäbler

 
Bundesliga, Rechte, Telekom, Übertragung, TV-Rechte

Der Bezahlsender Sky bleibt auch in den kommenden vier Jahren der TV-Partner der Fußball-Bundesliga©

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und die sie tragenden 36 Profi-Vereine haben entschieden, wie die Spiele der Fußballbundesliga von 2013 bis 2017 übertragen werden sollen. Im Großen und Ganzen bleibt alles beim Alten: Sky bekommt die Exklusivrechte für die Live-Spiele, die ARD-Sportschau darf sie zeitnah zusammenfassen. Aber teurer wird das Ganze: -Durchschnittlich 628 Mio. Euro statt bisher 412 Mio.Euro pro Saison werden in die Kassen der Vereine gespült. Wie ist diese Entscheidung zu bewerten?

Der Fußball bleibt Triebfeder der Medienentwicklung

Das ist höchstens eine Evolution, keine Revolution. Und dennoch gilt, was schon in den letzten Jahrzehnten galt: Von der Übertragungstechnik bis zu den Endgeräten - der Fußball ist und bleibt einer der wichtigsten Treiber der Medienentwicklung. Aber die DFL hat die Medien-Euphoriker belehrt: Nein, das Internet frisst das gute, alte Fernsehen noch lange nicht auf. Nein, nicht auf kleinen mobilen Endgeräten wird der Fußballfan in nächster Zeit schon seine Lieblingsmannschaft unterwegs verfolgen, sondern der TV-Fan bleibt ein Sofasitzer und Kneipengänger.

Für die große Medienrevolution ist es dann 2017 immer noch früh genug. Man mag diese Entscheidung als konservativ empfinden, aber tatsächlich ist sie vor allem solide. Das ökonomische Wachstum funktioniert wunderbar. Keine Fangruppe wird wirklich verprellt. Dafür sorgt auch die zeitnahe Zusammenfassung der Spiele durch die traditionelle ARD-Sportschau. Insofern spiegelt die Entscheidung der DFL sehr präzise die Besonderheiten, die Stärken wie Schwächen des hiesigen Mediensystems wider.

Pay-TV und Gebührenfernsehen - das sind die Pole

Es gibt zwei große Pole: das Pay-TV und das gebührenfinanzierte System. Wegen der europaweit ungewöhnlichen Stärke des öffentlich-rechtlichen Systems tut sich das Bezahlfernsehen immer noch schwer. Aber wenn es jemand schafft, Pay-TV auf dem schwierigen deutschen TV-Markt zum Erfolg zu verhelfen, dann wohl der diesbezüglich erfahrene Murdoch-Konzern, dem Sky zugehörig ist. Murdoch macht es eigentlich in aller Welt gleich: Er kauft exklusiv die jeweilige nationale Sportart Nummer 1 und vermarktet diese im Pay-TV. Das funktioniert in England und Australien, in den USA und in vielen asiatischen Ländern. Das miese Image des Schmuddel-Konzerns spielt dabei kaum eine Rolle.

Was aber eine Rolle spielt: Wie exklusiv die Rechte sind. Zum Erfolg von "BskyB" als Live-Sender für die englische Premier-League trägt sehr stark bei, dass die BBC ihr "Play of the Day" am Wochenende erst spät am Abend ausstrahlen darf. Solche Exklusivität wollte bei uns einst auch "Premiere" erreichen. Die DFL hat dies nicht gewährt. Das liegt an der ungewöhnlich guten Reichweite der ARD-"Sportschau", an der insbesondere die Sponsoren großes Interesse haben. Für Sky aber sind die Fußballrechte existenziell. Auch darum legt der noch lange defizitäre Sender jetzt noch einmal fast doppelt so viel für die Live-Rechte auf den Tisch wie bisher: 485 Mio. Euro pro Saison. Einen anderen Inhalt, für den Nutzer bereit sind, substanzielle Summen zu zahlen, gibt es eben einfach nicht. Zwar ist der Börsenkurs der Sky-Aktie sofort dramatisch angestiegen, das bedeutet aber nicht, dass der Kampf um die Etablierung eines stabilen Bezahlfernsehens auch in Deutschland mit der DFL-Entscheidung zur Fortsetzung der Partnerschaft schon gewonnen ist. Sky wird weiter zäh und ausdauernd zu strampeln haben, um die hohen Investitionen jemals wieder einzuspielen.

Die Stärke des öffentlich-rechtlichen Systems zeigt sich natürlich auch ganz simpel finanziell. Für die Gebührenzahler, also uns alle, ist es ja nicht uninteressant, dass die ARD bei ihrem Gebot mal eben ohne mit der Wimper zu zucken die 100-Millionen-Euro-Grenze überschritten hat. Immer wieder muss man darauf hinweisen, dass dies nur die Rechtekosten sind. Die Herstellungskosten kommen noch oben drauf. Mit den Kosten der "Sportschau" könnten gleich mehrere nationale Rundfunkprogramme finanziert werden. Auch das ZDF, das schon die UEFA Champions League erworben hat, hat sich nicht lumpen lassen: Auch das späte Sportstudio wird also weiter existieren.

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