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16. März 2009, 19:10 Uhr

Schlaftablette gegen Valium

Das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier soll der Höhepunkt des Medienwahlkampfs 2009 werden. Aber Merkel gegen Steinmeier - das ist wie Schlaftablette gegen Valium. Denn sowohl die Kanzlerin als auch ihr Herausforderer von der SPD haben der Politik die Leidenschaft ausgetrieben. Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Gäbler, Merkel, Steinmeier, TV-Duell

Schlaftablette gegen Valium: Das große TV-Duell weckt kaum Vorfreude© Markus Schreiber/AP

Wahlkampfhöhepunkt TV-Duell? Jetzt schon, so wird uns eingeredet, steht alle Politik im Zeichen des Wahlkampfes. Wieder einmal geht es um "entscheidende Weichenstellungen für unser Land". Angeblich soll es unglaublich spannend werden. Medialer Höhepunkt des Wahlkampfjahres 2009 sollen erneut die TV-Duelle werden. Sehr wahrscheinlich gibt es wieder zwei: eins bei den privaten Sendern, wo die Hauptfrage lauten wird: "Wer ist eigentlich dieser unbekannte Mann neben Peter Kloeppel?" Die zentrale Begegnung aber wird wieder zeitgleich bei ARD und ZDF laufen. Stäbe von "Spin-Doctoren" und Coaches werden die Kandidaten darauf vorbereiten; ebenso viele werden sich zur anschließenden Deutung bereithalten.

Gewinnt Merkel?

Angela Merkel wird ganz Kanzlerin sein, CDU-Vorsitzende nur nebenbei. "Maßnahmekatalog", "abgestuftes Vorgehen", "Stellschrauben" oder gar "Werkzeugkasten", das sind die Begriffe, mit denen sie dann ihre besonnene Politik beschreibt. Mit sparsamen Gesten wird sie ihre Worte unterstreichen. Visionen, große Würfe sind ihre Sache nicht, sie zergliedert ihre Politik in handliche Häppchen. Viel Klein-klein. Lieber Taten als Reden. Keine große Worte. Schon gar nicht Pathos.

Die Welt droht aus den Angeln zu fallen, aber unsere Kanzlerin baut darauf, dass die Wähler ihrem Politik-Handwerk weiter vertrauen. Dann macht sich die Physikerin ans Werk, die "Probleme abzuarbeiten", möglichst ohne Emotionen. Ab und an breitet sie die Arme etwas aus. Dann will sie uns alle einschließen. Uns zu mobilisieren - das bringt sie kaum zu Stande. Es wäre ihr auch peinlich. Staatsvertrauen sollen die Bürger haben, nicht unbedingt Selbstvertrauen. Bewegtes Volk - das macht sie eher skeptisch.

Natürlich wird sie sich gegen ihren Konkurrenten zu behaupten versuchen, faktenreich und gelegentlich auch sarkastisch. Sie wird nicht sagen - wie es einst analog Gerhard Schröder tat -, dass sie ihrem Mann liebt. Über Persönliches sollen die Wähler schließlich nicht abstimmen. Sie wird sagen, dass sie anstrebt, Kanzlerin einer schwarz-gelben Mehrheit zu werden, aber es wird klingen wie Pflicht, nicht wie eine Herzenssache. Sie weiß, dass Wähler sie respektieren, weil sie Deutschland im Ausland gut vertreten und sich unter den Großen dieser Welt solide behauptet hat. Sie weiß auch, dass die Wähler sie respektieren, weil sie nach dem Testosteron-Duo Schröder/Fischer eine angenehme Sachlichkeit in die Politik gebracht hat und die Große Koalition sanft moderiert. Geliebt wird sie nicht.

Den Niedergang der Volksparteien, das Zerbröseln des traditionellen christdemokratischen Milieus, wird sie nicht aufhalten. Ohne CSU kann die CDU alleine sogar unter die 30-Prozent-Marke fallen. Realistisch hoffen darf Angela Merkel auf eine Weiterführung der Großen Koalition unter ihrer Führung, die immer noch mehr als 60 Prozent der abgegebenen Stimmen repräsentiert. Aber ein Wahlkampf, der Funken sprüht, ist daraus nicht zu schlagen. Lahm ist ein Duell, zu dem sich die künftigen Partner einer Vernunft-Ehe treffen. Zumal dann, wenn beide Duellanten eins verbindet: die Abwesenheit jeder Leidenschaft.

Gewinnt Steinmeier?

Frank-Walter Steinmeier verdankt seine Nominierung zum SPD-Kanzlerkandidaten einem Missverständnis. Weil er in Umfragen gute Werte erzielte, galt er parteiintern als populär. Allerdings erzielt jeder Außenminister gute Werte. Das hat sogar Klaus Kinkel geschafft. Mit der SPD haben Steinmeiers Zahlen nichts zu tun. Man hatte auch nie den Eindruck, dass er - getrieben von unbändigem Ehrgeiz - unbedingt Kanzler werden wollte. Jetzt muss er wollen.

Tatsächlich nimmt er eine Bürde auf sich. Leidenschaft kann auch er nicht. Er ist das geborene Vorzimmer - ein Koordinator, der Themen sortiert und Vorsicht walten lässt. Neuerdings übt er ab und an kämpferische Auftritte. Vor Parteitagen oder Opel-Werkshallen krempelt er dann die Ärmel auf - und schreit. Dann wirkt er wie ein Schröder-Imitator, der nur die Äußerlichkeiten studiert hat. Dass er tatsächlich ein Mensch ist wie du und ich, versucht Frank-Walter Steinmeier uns nun seit einiger Zeit etwas penetrant beizubringen.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

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KOMMENTARE (10 von 22)
 
omaha (12.09.2009, 22:23 Uhr)
Umfragen
Laut umfragen möchten 56 % der Deutschen die Merkel als kanzlerin.
Wenn ich mir die Foren so durchlese ist eine Deutliche Mehrheit gegen die Exkomunistin. Wer hat da interesse daran , uns zu manipulieren
Stern-Leser24 (17.03.2009, 10:17 Uhr)
Amnesie...
@nightmare_online Am Ende haben sie doch glatt vergessen was sie mir damit sagen wollten... :-)
·
Richten sie mal Besser ihre Kommentare an die Allgemeinheit, ich weiß schon was los ist...
nightmare_online (17.03.2009, 10:01 Uhr)
@Stern-Leser24
Nuja, wenn der Bürger meint, er müsse mehrheitlich die Konstellation wählen, die dieses Land unter dem Bimbeskanzler fast vor die Wand gefahren hat, so steht ihm das frei. Wenn der Bürger mehrheitlich meint, er müsse die Partei zurück in die Regierung holen, die seit einem Vierteljahrhundert jene Rezepte als Allheilmittel empfiehlt, die uns die aktuelle Wirtschaftskrise beschert haben, dann steht ihm das frei.
Und wenn der Bürger mehrheitlich meint, er müsse eine Konstellation an die Regierung wählen, unter der das Schleifen des Sozialstaates aller Wahrscheinlichkeit nach rekordverdächtige Geschwindigkeiten annehmen wird, steht ihm das selbstverständlich ebenfalls frei.
Nur sollen sich diese Leute nachher nicht beschweren, das sie sich das irgendwie anders gedacht haben, wenn z.B. eine Familie mit 2 Kindern entweder 800€ für eine private Krankenversicherung für alle zahlen, oder aber auf Basiskeitungen verzichten muss.
Oder wenn der Kündigungsschutz faktisch abgeschafft wird. Oder wenn es keinen Manteltarifvertrag mehr gibt. Oder wenn die Abschaffung der Mitbestimmung zu drastischen Lohneinbussen führt.
Stern-Leser24 (17.03.2009, 09:41 Uhr)
Völlig untauglich...
Was ich von den Beiden halte fragt mich lieber nicht, kann ich hier nicht schreiben, es würde sofort gelöscht werden...
·
Ich prophezeie nur, sollten wir Schwarz/Gelb bekommen, ist Deutschland völlig im Arsch!!!
·
Hochachtungsvoll
nach Diktat verreist.
nightmare_online (17.03.2009, 09:13 Uhr)
andre1971germany
Was die "Unaufgeregtheit" angeht, Merkel zeichnet eine Kombination aus Beamtenmikado und Sonntagreden aus. Geleistet hat sie in den 3 1/2 Jahren nichts. Sie hat eine anspringende Konjunktur geerbt, und hat es fertig gebracht, das - das erste Mal seit Bestehen dieses Landes - während eines Aufschwungs der Bürger kontinuierlich Reallohnverluste hinnehmen musste. Und zog durch die Lande und verkündete - entgegen der Realität - das "der Aufschwung bei den Menschen ankommt". Die Dame ist schlicht und ergreifend völlig ungeeignet für das Bundeskanzleramt.
Haris_Pilton (17.03.2009, 09:02 Uhr)
OMG
Wenn der Steini wirklich DER Gegenkanditat wird, dann kann sich Merkel schon mal auf eine zweite Amtszeit freuen...
kalypso (17.03.2009, 08:26 Uhr)
Merkel - eine globale Gorbatschowa
Merkel wird die globale Gorbatschowa werden, die den Exodus aus der alten Weltordnung der Wachstumszwangs- und Machtkämpfe herausführen wird und die das Übergangsprojekt in die folgende Weltordnung des KREATIVEN in die Diskussion bringen wird. Ihre UN-Initiative 'Charta-des-nachhaltigen-Wirtschaftens' mit dem Bestandteil 'Soziale Marktwirtschaft globalisieren' deutet eindeutig darauf hin.
Angela denkt vom Ende her, d.h. heute von der nächsten Weltordnung, auf die die Evolutionsprozess-Logik drängt. Doch um Angela heute schon zu verstehen, müßte man etwas von den Erkenntnissen der Chaos- und Evolutionsprozess-Physiker drauf haben - oder Angela Merkel befragen.
andre1971germany (17.03.2009, 08:24 Uhr)
Alle die nen Obama fordern...
sollten bedenken, dass dieser Mann ohne 8 Jahre Bush in den USA auch wohl nie ne Chance gehabt hätte.
Mir gefällt die unaufgeregt Art von Frau Merkel deutlich besser, als dieses basta-machogehabe ihres Vorgängers
p_hakel (17.03.2009, 08:18 Uhr)
wie soll das
gehen, Frau Merkel braucht doch mindestens 10 Leute um zu schauen ob die beim Gruppenfoto auch richtig stehen????Und der Schröderimitator braucht ein Bierzelt.....
Countryjoe (17.03.2009, 06:43 Uhr)
Bürgerferne
Es scheint so, als ob mit diesen beiden die maximale Bürokratisierung und größtmögliche Bürgerferne in der Politik erreicht ist. Letztendlich spielt der Name der regierenden Partei(en) auch keine Rolle mehr, da ihre Ziele und Vertreter beliebig austauschbar sind. Man muß sich fragen, ob einer lebendigen Demokratie aus dieser Ecke nicht mehr Gefahr droht, als durch irgendwelche radikalen 0.0x % Parteichen.
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Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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