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19. Oktober 2009, 09:19 Uhr

Schluss mit der "Event"-Filmerei!

Noch einmal strahlt RTL mit "Vulkan" einen aufwändig produzierten Zweiteiler aus, der an die großen TV-Geschichtsdramen von einst erinnert. Aber dieser Film atmet nicht mehr denselben Geist. Das Genre hat sich erschöpft. Es ist Zeit, Schluss zu machen mit den "Eventfilmen". Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Bernd Gäbler, Catterfeld, Vulkan, rtl, zweiteiler

Katja Riemann (l.) alias Kirsten Friedrich gerettet nach einer Explosion im See© RTL

"Eventfilm" - dieses Werbewort bezog sich früher auf große TV-Filme, die mit viel Aufwand bedeutende historische Ereignisse populär in Szene setzten. Um "Flucht und Vertreibung" ging es da; um einen legendären "Tunnel", der die Berliner Mauer überwindbar machte; um das Bergwerksunglück von Lengede; die Bombardierung Dresdens oder die Hamburger Sturmflut. "Event" meinte ein Ereignis, das sich längst wie ein Mythos in die kollektive Erinnerung gebrannt hatte oder leicht dem Vergessen zu entreißen war. Es dient als Stoff für eine Verfilmung, die mit Dokumentationen nichts mehr zu tun hatte. Es wurde großer Aufwand betrieben, bekannte Namen prägten die Besetzungslisten, bedeutende Regisseure verließen für solche Aufmerksamkeit die "arthouse"-Ecke.

Natürlich gab es Unterschiede: den Tunnelbauer spielte Heino Ferch eindrucksvoller als den Bruce-Willis-Verschnitt eines verliebten US-"Rosinenbomber"-Fliegers; "Dresden" war zu märchenhaft-verkitscht, um auch noch als Beitrag zur Geschichtsdebatte ernst genommen zu werden; bisher am besten kam Armin Rohde in "Lengede" zur Geltung; an Veronica Ferres und Heiner Lauterbach hat man sich allzu schnell satt gesehen. Jetzt ist auf RTL wieder ein solcher "Eventfilm" zu sehen, erneut ein aufwändiger Zweiteiler. Am Sonntag und am Montag läuft er jeweils zur Prime Time. "Vulkan" aber ist reine Fiktion. Das herausragende Ereignis soll diesmal schon die Ausstrahlung des Films selber sein. Auch wenn RTL in der Vor- und Nachbereitung allerlei Geologen mit fundierten Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Prognosen auffährt, die aus der "fiction" doch noch ein wenig "science" machen sollen - ein "Event" wird dieser imaginierte Ausbruch eines Vulkans in der Eifel dadurch nicht. Eher erinnert der Plot an "Killerbienen" auf Mallorca oder den Hai-Alarm dortselbst, allenfalls noch an den Campingplatz-Thriller "Tarragona". Der Film hat natürlich noch einen Plot, er erzählt Geschichtchen, aber er atmet keine Geschichte mehr.

Erschöpfung im Plot

RTL und insbesondere die erfahrenen Produzenten der Bertelsmann-Tochter TeamWorx um den Tausendsassa Nico Hofmann herum zeigen stolz ihr technisches Wunderwerk vor. Die Maare kräuseln sich, die Lavaströme fließen gigantisch, nie zuvor wurde im deutschen Fernsehen so viel vor blauen Flächen und grünen Tüchern gespielt wie hier, nie zuvor war der Etat für Computer-Animationen so hoch. Auch für die Schauspieler waren die Dreharbeiten hart. Sie mussten zwischen brennenden Türpfosten entlang rennen und wurden ständig furchtbar dreckig gemacht. Den Aufwand mag man bewundern, aber er schafft noch keine lebendige Geschichte. Dabei gibt es durchaus Spannung. Aber vielleicht stand da die große Erfahrung der Produzenten dem eigenen Glück sogar im Weg.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

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KOMMENTARE (10 von 10)
 
derSchmu (20.10.2009, 10:30 Uhr)
Autsch, das tat weh..
nachdem wir James Bond und Godzilla schon X-Mal gesehen haben, fiel uns die Ueberlegung, was man sonst schauen sollte, relativ leicht. Ok, auch nur deswegen, weil ich keine neuen DVDs da hatte, haben meine Freundin und ich uns entschieden, es mal mit einer RTL Produktion als Premiere zu probieren. Nun Probieren heisst hier auch nur, die ueblichen Verdaechtigen, ein EventFilm auf dem BildTV-Sender schlechthin...bitte lass unsere Meinung ein bloedes Vorurteil sein, dass hier nicht seine Bestaetigung findet.

Nun den ersten Teil angeschaut, aber nicht ganz, weil man in der Werbung von James Bond so schlecht los kam, konnte man noch ueber den einen Lauterbach oder ueber die andere Catterfeld hinwegsehen, gut, die Handlung zog sich wie Kaese hin, die Charaktaere, sollten sie wohl im ersten Teil ein Gesicht mit tiefen Zuegen bekommen, schienen nur mit Weichzeichner entworfen zu sein und die Bestaendigkeiten eines friedlichen Dorfidylls vor dem unerkannten Ausbruch eines benachbarten Vulkans wurde auch nicht wirklich deutlich, weil die Handlung von so vielen Geschichten einzelner Personen zerissen wurde...ja da hab ich nun fast den Faden verloren...ja, nachdem nun der erste Teil so fade war, dass wir uns gestern richtig auf den 2. Teil gefreut haben. Jetzt gehts los, dachten wir...mal schauen, ob die Effektschmiede seit dem Hai Alarm auf Mallorca gelernt haben.

Gut ja...also in 2 Szenen haben se sich ja richtig Muehe gegeben...der Rest war aber wieder Gute Zeiten schlechte Zeiten am Schicksalsberg mit 2 Nebencharaktaeren in der Hauptrolle. Ich weiss nich mehr wie se heissen, aber mit der Frau, die so fix ist, dass sie eine Frodolike Horror-reise nach Eifel-Mordor zu Fuss an einem Tag von Frankfurt zuruecklegt oder legen will...daneben der Familienvater, der die Strasse vor lauter Asche nicht mehr sieht und als erster Geiselnehmer nicht die Geisel mit der Waffe bedroht sondern in die Luft schiesst.
Achja, neben Herr der Ringe laesst sich noch eine invertierte Version der Irrfahrt der Poseidon uebertriebenermassen in den Film hineininterpretieren...nur, dass nicht unsere Protagonisten, die Guten und Schlauen, den richtigen Weg aus dem Unheil suchen und 'anderen' in den Tod gehen, sondern es ist genau umgekehrt.
Was macht man, wenn ein Vulkan ausbricht? Richtig! Man versteckt sich am Fusse des Vulkans in einer BurgRUINE unten in einer Hoehle, die den sicheren Namen 'Lavahoehle' traegt. Und wer sich da alles 'hingerettet' hat:
Da waeren ein Familienvater, der in der Not um den Vulkan nur an seine persoenliche finanzielle Krise denkt und sein Haus aus versicherungstechnischen Gruenden anzuendet. Seine Tochter, die dem Dorfscheriff nen peinlichen Auftritt kurz vor Ausbruch beschert hat (an dem sich alle bestimmt nach dem Vulkan noch erinnern </ironie>), die aber nebenbei aus Eifersucht noch eine Konkurrentin 2 Tage vorher in diese Ruine eingesperrt hat (Ein Scherz, der auch sehr uebel haette Enden koennen). Dann noch der Dorfsheriff, der psychisch nicht ganz auf der Hoehe zu sein scheint und Mobbing als Grundlage fuer Selbstjustiz nennt und damit das Leben 2er junger Leute nimmt, so, wie es halt aufm Land gemacht wird. Und zu guter letzt unser grosser Held, der am liebsten mit der Geologin ne runde knattern wuerde, es aber nur als Vorwand ausgibt, um seine eigentliche Freundin aus dem Gefahrengebiet zu vertreiben...schoene neue Protagonisten, eher die profillosen Antihelden, die man eigentlich in einem Film, der im Unterhaltungssektor angesiedelt ist, vorfinden will.
Achja da waer noch Jenny E., die unter der Asche versinkt, weil sie aus dem sicheren Haus gefluechtet ist und nicht wusste, wohin in der leeren Stadt (Achja, Frankfut, die Stadt, wo man sogar tagsueber vor dem eigenen Firmensitz noch nen Parkplatz mitten in der City bekommt).

Naja, soweit die Story, aber wir hatten ja noch den grossen, von Yvonne, prognostizierten Knall vor uns, das gibt noch was...
...dachten wir. Irgendwie war aber neben der Landschaft auch die Handlung von Lavastroemen zerfurcht...Ein Hubschrauber kommt, nimmt die vermissten auf. Sie finden Frodo und Sam, die sich vom Lavastrom haben einschliessen lassen (wie daemlich auch man dafuer sein muss)...lassen dafuer unseren Helden zurueck, der wohl einsieht, dass eine Nacht im Lavafluss lieber ist, als eine mit Catterfeld. Anmerkung an den Hubschrauberpilot, die Leute aufm Berg absetzen und kurz zurueckfliegen und den anderen holen waere ja nicht so dramatisch gewesen.

Dann landet der Hubschrauber endlich im Notlager. Mama, Papa und Tochter finden sich wieder, der Dorfscheriff widmet sich wieder seinem Buergernahen Job (versuchter Selbstmord, 2 Morde und Aennaeherungsversuche an die Tochter sind vergessen).Selbst der Verdacht, dass 2 junge Leute vieliecht vom Dorfscheriff erschossen worden sind, wird nicht mehr aufgegriffen. Papa mit Babies verschwindet irgendwo, ebenso wie die verschmaehte Freundin und diejenige, die in der Burg eingesperrt war. Bei der verschmaehten Freundin haette man ja wenigstens noch darauf hoffen koennen, dass die jetzt die neue Mutter fuer die kleinen Babys gibt...naja...und zum Schluss sieht man noch die Tochter, die unter dramatischer Musik ins Auto steigt. Der Fokus haelt hierbei auf einen jungen Sanitaeter...warum? Keine Ahnung, der hat jedenfalls mit der Handlung genausoviel zu tun, wie der vorausgesagte grosse Knall, naemlich garnichts, obwohl das nicht heissen mag, dass der Film ohne Verpuffung endet.
Saemtliche Handlungsstraenge verpuffen naemlich im Nichts...

Nun was haben wir daraus gelernt...Vorurteile haben immer ihre Wurzeln und beim naechsten Fernsehabend sorge ich auch dafuer, dass ich neue DVDs auf Lager habe...
rynaldo (19.10.2009, 14:25 Uhr)
"Der Killer-Hecht vom Bodensee"
... bitte das auch noch verfilmen. Blond gefärbte Kandidatin von DSDS macht Urlaub am Bodensee (gespielt von Hundzicker oder wie die heißt), dort findet Sie einen durchtrainierten aber armen Fischer (vielleicht Boris Becker). Die beiden verlieben sich - dann kommt es zur Katastrophe.
Geziefer (19.10.2009, 14:00 Uhr)
Selten so gelacht über die "üblichen Verdächtigen"
Was haben wir gestern abend gelacht! Wer zuerst den Namen der "üblichen Verdächtigen" nennen konnte, bekam einen Vulkan-Punkt. Wer vorhersagen konnte, wann wer mit wem - zwischen den jeweiligen vulkanischen "Äußerungen" - Sex hatte, bekam einen weiteren Punkt. Wunderschön auch, dass uns klar gemacht wurde, dass der Vulkan während der Banken- und Wirtschaftskrise ausbrach, herrlich! Und wann, welche Zicke der nächsten einen reinwürgte. Lange nicht mehr so gut unterhalten worden von der Flimmerkiste. Heute der zweite Teil und dann warten wir auf:die nächsten Event-Filme. Unsere Titelvorschläge: "Watzmann rutscht", "Biblis strahlt", "Kopftuchmädchen in Kreuzberg", "Schweinegrippe in Schweinfurt", "Bombe im ICE", "Deutsche Bank am Abgrund" usw.
bob-der-meister (19.10.2009, 13:59 Uhr)
Was habt ihr denn?
Für einen netten Abend auf dem Sofa gefiel mir dieser Film gar nicht so schlecht. Heino Ferch war übrigens gar nicht dabei. Sicher kein Meisterwerk der Schauspielkunst und mit ein paar Unstimmigkeiten. Aber allemal besser als so manch drittklassiger Sonntagabend-Tatort, bei dem sich offenbar keiner daran stört, dass immer dieselben Schauspieler immer dieselben Rollen spielen.
Und ein interessantes Thema ist es allemal. Auf jedenfall gut gemachte Unterhaltung. Man darf es ruhig zugeben, dass man nicht nur Autorenfilme und Literaturverfilmungen guckt.
docmart (19.10.2009, 13:56 Uhr)
Ich verstehe auch nicht
warum man sich als Schauspieler für so einen Scheiß hergibt. Aber ich glaube es geht noch viel viel schlimmer. Da seh ich mir lieber eine lehrreiche Doku auf Phönix an. Die wirklich guten Ideen fallen eben nicht vom Himmel oder sind nicht massetauglich. Ich habe mich längst damit abgefunden zum Nieschenpublikum zu gehören, da muss man sich nicht ständig aufregen.
gaga007 (19.10.2009, 13:31 Uhr)
Trash - TV
Wer Heino Ferch und Yvonne Catterfeld für Schauspieler hält, glaubt auch, dass das Leben so ist, wie es RTL und das Werbefernsehen zeigen. Immer wenn Ferch und Co. in Besetzungslisten auftauchen, kann man den Film vergessen - billiges Bollywood-Format.
Maddux (19.10.2009, 13:26 Uhr)
Die Verwertungskette langweilt
Lauterbach, Elvers, Riemann und und und immer die gleichen Gesichter in der gleichen Geshcichte. Gefolgt von Vor- und Nachberichten, Exklusiv, Brilliant, Promiheute, Promidinner, SternTV, Fernsehpreis, Wohltätigkeitsgala, Boris Becker & Friends..... Alles nur kalter Kaffee
johnniedeamonic (19.10.2009, 13:22 Uhr)
pfff.... das ist nicht ihr ernst oder?
Der Film steht in einer langen Reihe von deutschen FIlmen, die ganz dreisst amerianische Originale kopieren,
mal im Ernst wenn die Deutsche Filmlandschaft schon so jämmerlich feige ist das kein Geld für frische IDeen ausgegeben wird, wieso kopiert ihr dann nicht wenigstens Filme die irgendwie erfolgreich waren, aber nein, wir machen lieber ein Remake vom grottigen "Volcano" nur unsere version wird noch schlimmer und mit F-Klasse Schauspielern,
die sonst irgendwo in den Fußgängerzonen stehen würden......
Java-San (19.10.2009, 12:45 Uhr)
Als es nur drei Programme gab...
nannte man sowas "Straßenfeger" - Jeder mußte das sehen. Großes Kino zuhause eben. Aber dieses Genre ist in Deutschland ausgestorben; auch dann, wenn man es denglisch "Eventfilm" nennt. "Wege zum Glück" mit "Tsunami"-Getöse, das fegt einen eher auf die Straße raus.
stratoarmin (19.10.2009, 12:28 Uhr)
soweit stimme ich da zu
Über Geschmack lässt sich streiten, aber ...Yvonne Catterfeld ... wirklich grottenschlechte Leistung. Lindenstraßenniveau !
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Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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