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5. August 2011, 12:31 Uhr

Der perfekte Doppelpass

Ohne Medien hätte Fußball nie diese Breitenwirkung. Umgekehrt liefert der Sport den Medien traumhafte Quoten. Gedanken zum Auftakt der neuen Bundesligasaison. Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Fußball-Bundesliga, Fußball

Die ARD ist zum Start der Bundesliga-Saison live dabei© DPA

Der Fußball und die Medien können nicht ohne einander. Es gibt keinen besseren Treiber der Medienentwicklung als den Volkssport Nummer eins. Durch Fußball werden Flachbildschirme verkauft. Durch Fußball wird Pay-TV verkauft. Durch Fußball steigern öffentlich-rechtliche wie private Sender ihre Einschaltquoten. Für die Telekom ist er der Einstieg in die Zukunft des Fernsehens. Der Fußball amüsiert, ärgert oder tröstet die Menschen. Er bindet ihre Leidenschaft. Für die einen ist er Kultur, für die anderen Ersatzreligion. Für alle ist er eine Wirtschaftsmacht.

Weil so vieles abhängig ist vom Fußball, nutzt er damit zugleich sich selbst. 12,88 Millionen Menschen sind in der letzten Saison in die Stadien geströmt, es gab einen Überraschungsmeister, das sportliche Niveau war ansprechend, die Spannung auch. Im Fernsehen ist der Live-Fußball hinter die Mauern des Pay-TV verbannt. Die Lizenzgelder dafür sind die stabile Existenzsicherung der Liga. Und die Preise steigen kontinuierlich. Die Zusammenfassung der Spiele erfolgt so zeitnah, dass weder die Zuschauer brüskiert werden, noch die Sponsoren, die auf diese Weise günstige Werbezeit einkaufen. Das ist das wesentliche Verdienst der ARD-"Sportschau": Keine andere Liga hat so hohe Sponsoren-Einnahmen.

Der Sport ist die Basis

Dieses System funktioniert wunderbar zum Nutzen aller Beteiligten. Das Entertainment, die Medien, der ökonomische Kreislauf sind aber davon abhängig, dass der Sport für alle erkennbar die Basis bleibt. Die Liga ist so ausbalanciert, dass es zwar ein gehöriges Gefälle zwischen Spitze und Abstiegszone gibt, aber dennoch Überraschungssiege jederzeit möglich sind. Die Spitze ist nicht - wie in Spanien oder Italien - vom Rest der Liga entkoppelt. Das tut dem sportlichen Wettbewerb gut. Denn der Reiz des Spiels besteht natürlich darin, dass man vorher nicht weiß, wie es ausgeht. Auch wenn wieder alle auf Bayern München als nächsten Meister tippen.

Die vorhandene Hierarchie von Reich und Arm erleichtert aber zugleich die wirtschaftlichen Kalkulationen. Denn das ist fast ein Wunder: Obwohl das Spiel selbst nicht berechenbar ist und vieles dem Zufall unterliegt, lässt sich auf seiner Basis ein stabiles ökonomisches Wachstumsmodell errichten. Selbst die Auslands-Vermarktung ist inzwischen profitabel: In 208 Fifa-Staaten läuft im Fernsehen die Bundesliga.

Was ist neu?

Dennoch muss es immer wieder neu justiert und austariert werden. Schon die letzte Saison war Resultat einer längerfristigen Neuerung: Die Liga rekrutiert ihren besten Nachwuchs aus den eigenen Reihen. Dem System werden also relativ zuverlässig neue Qualitätsgaranten eingespeist. Es hat sich flexibilisiert.

Die rasanten Trainerwechsel gegen Ende der Saison wirkten hektisch und unseriös, haben sich aber nicht zu einer Systemkrise ausgeweitet.

In der Struktur der medialen Aufbereitung gibt es keine strukturellen Neuerungen, aber jetzt schon laufen sich alle warm für die nächste Runde der Rechtevergabe. Der Pay-TV-Sender "Sky" hat sich bisher nicht ausreichend stabilisiert. Noch mehr "Experten" und aus dem Fan-Dasein erwachsene populäre Presenter wie Oliver Pocher sollen einen neuen Schub bewirken.

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Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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