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28. Januar 2008, 16:45 Uhr

Was vom Dschungelcamp übrig blieb

Es ist wie bei jeder Wahl: Es gibt Gewinner, und es gibt Verlierer. Das trifft auch auf das Finale des RTL-Dschungelcamps zu. Zu den Gewinnern zählt nicht nur Drama-Queen und Dschungelkönig Ross Antony. Auch die australischen Kängurus haben wieder gut lachen. Von Katharina Miklis

"Zusammen sind wir stark". Vorbild für die Massen: Nächstenliebe wurde im Dschungelcamp ganz groß geschrieben© RTL

Gute Nachrichten verbreiten sich schnell. So wird es am Wochenende wohl auch im australischen Busch gewesen sein. "Die dummen Deutschen sind weg", wird man sich hinter vorgehaltener Pfote zugeflüstert haben. Endlich wieder intelligentes Leben im Busch. Die Zeiten, in denen Känguru und Krokodil um ihre Geschlechtsteile bangen mussten, sind vorbei.

Eiertanz für Thomas Gottschalk

Selten hat eine Show derart polarisiert wie "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!". Von den einen geliebt, von den anderen verachtet. Egal aus welchen Gründen die Zuschauer letzendlich einschalteten - sie taten es. Und zwar nicht wenige. Das musste am Wochenende auch Thomas Gottschalk erfahren. Am Samstagabend um 20.15 Uhr trat er zum Kampf der Giganten an und musste beweisen, dass er - im Gegensatz zu einigen Beuteltieren im australischen Dschungel - "Eier hat". Erst musste er sich mit "Wetten, dass..?" gegen Dieter Bohlens Freakshow "Deutschland sucht den Superstar" behaupten, dann gegen das ebenfalls auf RTL ausgestrahlte Finale der Dschungel-Show. Der Punkt ging an RTL - zumindest wenn es nach der Einschaltquote der jungen Zuschauer geht. Da half es auch nicht, dass Gottschalk sich ProSieben-Spaßmacher Stefan Raab aufs Sofa einlud. 4,12 Millionen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren schalteten bei "DSDS" ein, 4,38 Millionen aus dieser Zielgruppe beim Dschungel-Finale. "Wetten, dass..?" im ZDF wollten nur 3,09 Millionen junge Zuschauer sehen.

Aber jetzt können sie ja aufatmen. Die Thomas Gottschalks dieser Welt. Die Medienpsychologen, Dschungel-Gegner, die Kängurus und alle anderen, die sich in den letzten Tagen so fürchterlich über das Dschungel-Grauen echauffiert haben. Es ist vorbei.

Was wir aus dem Dschungelcamp lernen können

Dabei war es doch so ein vorbildliches Programm, das RTL uns da zwei Wochen lang bot. Ein Paradebeispiel der Nächstenliebe. Keiner hatte damit gerechnet, dass sich die zehn Promis bis zum Finale kuscheln würden. Und sie taten es doch. Bis zum Schluss. Jeder gönnte dem anderen die Krone. Keiner wollte die anderen im Stich lassen. Nesthäkchen Lisa Bund beteuerte unter Tränen, dass sie ihre Mitcamper nicht verlassen wolle - da spuckte sie schon Blut und musste nahezu gezwungen werden, das Camp zu verlassen. Völlig ausgehungert verzichtete Ross auf seine Essensration, um die anderen zu sättigen. Für die Horror-Prüfungen nominierte man sich selbst, um niemandem in den Rücken zu fallen. Harmonie pur im Dschungelcamp. Das bestätigte auch Drama-Queen Ross kurz nach seinem Auszug: "Meine Zeit hier war goldig. Ich habe neue Freunde gefunden, habe viel von ihnen gelernt und jeder hat mich inspiriert. Und ich habe meine Ängste überwunden. Ich bereue nichts." Man kann also Freunde finden im Dschungelcamp. Und auch sonst haben wir einiges gelernt: Dass Ex-Pornostar Michaela Schaffrath nicht nur einen großen Busen sondern vor allem auch ein großes Herz in eben diesem hat. Dass auch weinerliche Angsthäschen ihren Mann stehen können, Miteinander immer besser geht als Gegeneinander und dass man nicht tot umfällt, wenn man ein Känguru-Popoloch isst. Gut zu wissen.

Aber mal ehrlich: Die Show hat niemandem geschadet und das deutsche Fernsehen wird auch nicht vor die Hunde gehen, nur weil ein paar C-Promis im australischen Busch an Känguruhoden gekaut oder sich mit Ratten haben einsperren lassen. Keiner wurde gezwungen, alle wussten, was sie erwartet. Und auch wenn viele es bestreiten würden: Schlimmer geht's immer. In der englischen TV-Show "The Farm" zum Beispiel musste die angebliche Ex-Geliebte von David Beckham, Rebecca Loos, einem Eber vor laufender Kamera das Genital bis zur Ejakulation reiben. Wer will sich da noch über ein paar Kakerlaken aufregen?

Und was passiert heute Abend um 22.15 Uhr? Das Fernsehprogramm bietet keine guten Alternativen für eingefleischte Dschungel-Fans. Wer das beruhigende Grün des Urwalds vermisst, kann zur Dschungelcamp-Sendezeit höchstens "Lost" auf ProSieben einschalten - da geht es auch ums Überleben im Busch. Wer die familiäre Stimmung vermisst, dem sei "Friends" auf ProSieben ans Herz gelegt. Und diejenigen, die ihre Freude daran haben, wenn andere Menschen gequält und vorgeführt werden, die können am Mittwoch wieder "Deutschland sucht den Superstar" einschalten. Da werden nämlich schon die Kandidaten der nächsten Dschungel-Staffel gecastet - sie wissen es nur noch nicht.

Von Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
havranek (29.01.2008, 14:38 Uhr)
@ PanamaCity
Selber scheinst du auch nicht sehr klug zu sein, sonst hättest du längst bemerkt dass es hier nicht nur ein/zwei Berichte über einen Quotenhit geht, sondern gezielte, tägliche Werbe-Berieselung!
Und der Satz, es steht jedem frei es anzusehen, zeigt doch schon das allgemeine Niveau der Zuschauer...
PanamaCity (29.01.2008, 09:09 Uhr)
Diese Klugsch....
die sich hier permanent selbst beweihräuchern und dringend kundgeben wollen, wie superintellektuell sie sind,kann man nur mitleidig belächeln. Wahre , aus geistiger Größe entstandene Souveränität sieht anders aus.
Das Dschungelcamp ist lediglich ein harmloser Unfug und es steht jedem frei, sich dieses Format anzusehen.
Das über einen Quotenhit auch im Stern berichtet wird, erscheint mir nachvollziehbar, denn diese Millionen von TV-Sehern zu ignorieren, kann sich kein Medium leisten und sollte es auch nicht.
reinhard-karl (28.01.2008, 22:18 Uhr)
Dschungelcamp
Tja, das frage ich mich auch
*Warum haben Zuschauer eingeschaltet*
krischi (28.01.2008, 21:32 Uhr)
!
meine güte sind hier labertaschen unterwegs, weltverbesserer und möchtegerngscheite, ich als promovierter zahnarzt mit "magna cum laude" hab mir den scheiß jeden tag reingezogen, aber davor was für meine bildung getan, indem ich mir die tagesschau oder wahlweise das heute journal angschaut habe und mal ganz nebenbei auch hart aber fair im ersten, also hört auf hier dumm rumzulabern und den leuten was vorzuschreiben, die gesunde mischung machts, man kann sich im fernsehen bilden und auch unterhalten lassen!!
LaBoom (28.01.2008, 20:03 Uhr)
Ich empfehle.....
Warum regen sich Leute hier über Berichterstattung für die "dumme" Unterschicht auf? Ihr seit die Jenigen (schreibt man das so? Bin möglicherweise zu arm um das richtig zu schreiben!) die es verdienen solch einen Artikel vorgesetzt zu bekommen. Ich habe mich vor geraumer Zeit von Printmedien distanziert, lese seitdem online Bild, Stern, Spiegel und alles was mich interessiert, das Angebot ist riesig... Was ich mich hier Frage, warum liest jemand einen Artikel über ein Thema, dass man als gebildeter Oberschichtler verabscheut und macht sich danach die Mühe die Sternverantwortlichen und sozial schwächer gestellten Bürger anzuprangern? Wenn´s mich nicht juckt, dann kratz ich auch nicht... Von daher, ich mach mir jetzt ne Dose Ravioli auf und guck Big Brother...
vubler (28.01.2008, 19:19 Uhr)
na toll
Ich empfehle www.spiegel.de
Da gibt es noch seriösere Berichterstattung. Vielleicht hat der Stern mittlerweile ja auch eine andere Zielgruppe und umgarnt die ww.bild.de Lesen :)
hevosenkuva (28.01.2008, 18:44 Uhr)
Das Herz im Busen??
Interessantes Detail! Haben Frauen mit kleinem Busen dann auch ein kleines Herz? Und ist Katharina Miklis wirklich im nächsten Junglecamp mit dabei?
LC-P (28.01.2008, 18:42 Uhr)
It's just TV
Also bitte, lasst die Leute doch gucken, es ist nur eine von vielen Formen der Unterhaltung. Genauso wie diese Seite hier. Naja, manchmal gibts hier auch tatsächlich sachliche Artikel.
johnquinn (28.01.2008, 18:40 Uhr)
...
Selbstprofilierung durch knallharte Abgrenzung, Selbstbestätigung durch das gnadenlose Offenbaren der Unterschichtenzugehörigkeit anderer und das mittlerweile fast schon selbstverständliche Ansehen der eigenen "Werte" und "moralischen Prinzipien" als maßgeblich für den Rest der Menschheit...
Armes Deutschland kann man da nur sagen. Andererseits war es schon immer eine der prägendsten Charaktereigenschaften des Deutschen, ständig mit dem Finger auf andere zu zeigen.
Ganz nebenbei ist es äußerst interessant zu sehen, WER andere bei jeder Gelegenheit als Unterschichtler beschimpft. Frauentausch lässt grüßen...
Licorice (28.01.2008, 18:00 Uhr)
Unterschicht?
Ich zähle mich keiner Unterschicht zugehörig und war auch nicht breit, als ich mich von der Sendung unterhalten ließ. Das Niveau der Kommentare einiger Kritiker lässt allerdings einiges zu wünschen übrig. Wer die Menschheit vor der Verdummung schützen möchte, der sollte vielleicht erst einmal vor der eigenen Haustür kehren.
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