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31. August 2009, 18:18 Uhr

Tatort-Chefin kaufte auch eigene Drehbücher ein

Kommt zur Vetternwirtschaft auch noch Betrug hinzu? Dem NDR zufolge hat die gekündigte Fernsehspielchefin Doris Heinze nicht nur Drehbücher ihres Mannes eingekauft, sondern auch eigene Drehbücher unter Pseudonym abgerechnet.

NDR, Doris Heinze, Tatort

Inzwischen gefeuert: Die ehemalige Fernsehspielchefin des NDR, Doris Heinze© Achim Scheidemann/DPA

Die Affäre um die gekündigte NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze weitet sich aus: Sie habe dem NDR selbst geschriebene Drehbücher unter einem Pseudonym verkauft und somit mehr Honorar bekommen, als wenn sie die Werke unter ihrem eigenen Namen angeboten hätte, teilte der Norddeutsche Rundfunk am Montag mit. "Der NDR geht deshalb nunmehr davon aus, dass ihm auch ein materieller Schaden entstanden ist. Hätte Frau Heinze den Sachverhalt offengelegt, hätte sie deutlich weniger Honorar erhalten", heißt es in der Mitteilung. Details wollte der Sender wegen laufender Ermittlungen nicht nennen. Heinzes Anwalt wies die neuen Vorwürfe zurück.

Heinze war in der vergangenen Woche fristlos gekündigt worden, weil sie Drehbücher ihres Mannes für den NDR verfilmen ließ, ohne dies dem Sender mitzuteilen. Im Kern geht es um vier Drehbücher, die Heinzes Ehemann unter dem Pseudonym Niklas Becker geschrieben und die die Münchner Produktionsfirma AllMedia für den NDR verfilmt hatte; dies räumte Heinze selbst ein. Eine solche Auftragserteilung an direkte Angehörige ist nach den Vorschriften des NDR nicht erlaubt. Heinze war 18 Jahre lang für hochkarätige Filme wie den "Polizeiruf 110", die "Tatort"-Reihe im Norden sowie andere Streifen verantwortlich. Die 60-Jährige will sich gegen die fristlose Kündigung wehren.

Drehbücher für 30.000 bis 60.000 Euro

Die Staatsanwaltschaft Hamburg führt momentan Vorermittlungen durch. Dabei prüft die Behörde, ob eine strafbare Handlung vorliegt. Ein förmliches Ermittlungsverfahren sei das noch nicht, das werde erst bei einem Anfangsverdacht eröffnet, betonte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Dies könnte sich mit den neuen Erkenntnissen des NDR aber möglicherweise ändern. "Ein Anfangsverdacht wegen Betruges könnte in Betracht kommen, weil in einem solchen Fall das Honorar geringer ausgefallen wäre", sagte der Oberstaatsanwalt.

Die Honorare für Drehbücher liegen beim NDR je nach Filmstoff zwischen 30.000 und 60.000 Euro, in Einzelfällen auch darüber. NDR-Mitarbeiter, die außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsbereichs Drehbücher schreiben und diese dem NDR anbieten, bekommen die Hälfte dieses Honorarsatzes. Sollten die NDR-Vorwürfe stimmen, so hätte Heinze für zwei Drehbücher und ein Kurzdrehbuch unter Pseudonym also zehntausende Euro mehr bekommen, als wenn sie sie unter ihrem Namen eingereicht hätte.

Heinzes Anwalt: "Das ist kein Betrug"

Heinzes Anwalt Gerd Benoit sagte, seine Mandantin habe dem NDR keine eigenen Drehbücher unter Pseudonym angeboten. "So einen Fall gibt es nicht. Die vermuten, dass sie (Heinze) für andere Autoren geschrieben hat. Konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es nicht", sagte er auf Anfrage. Heinze habe sich in keinem Fall strafbar gemacht. "Sie hat gegen eine Dienstvorschrift verstoßen", sagte er zur Affäre um Heinzes Ehemann. "Das ist kein Betrug."

Tatsächlich hat Heinze mit der Verschleierung der Herkunft der Drehbücher ihres Mannes dem NDR keinen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Für die Drehbücher wurden marktübliche Honorare gezahlt, der Sender erhielt qualitativ gute Filme von der Produktionsfirma.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
ruedi01 (06.09.2009, 09:59 Uhr)
...wo ist das Problem?!?
Der entscheidende Punkt liegt im letzten Absatz des Artikels verborgen.

Es gab keinen 'wirtschaftlichen' Schaden und es wurden 'marktübliche' Preise für die Drehbücher bezahlt...

Wozu also die ganze Aufregung?

Gruß

RD
skink (02.09.2009, 09:12 Uhr)
Unverständliche Machtfülle
Gäbe es ein Gesetz, wonach die Drehbuch-Autoren im Abspann jedes Filmes genannt werden müssen, dann könnten auch Programmbeobachter mit kontrollieren. Bei vielen Tatorten beispielsweise wird nie ein Autor angegeben. Bei vielen Fernsehspielen und anderen Eigenproduktionen auch nicht. Liegt das nun an der Macht einer Person oder an der fehlenden Lobby der Autoren?
Tatsache ist, dass es eine so unverständliche Machtfülle wie sie Frau Heinze hatte, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht gegen darf.
Dafür dürfte es gern mehr Kompetenz und Engagement bei Programmbeiräten und Revisoren geben. Deren bahnbrechende Untätigkeit ist ja schon legendär. Mich würde mal eine Tätigkeitsbilanz der Kontroll- und Verwaltungsgremien interessieren! Ich wette, Reisetätigkeit überwiegt.
butcher99 (01.09.2009, 15:40 Uhr)
unbelievable
ein echter Mittelklasse Tatort, gibt es beim NDR keine Revisionsabteilung?
Guenther100 (01.09.2009, 13:19 Uhr)
Kann mir mal jemand erklären
?auf welche Konten die Honorare flossen, bzw. welche Kontoinhaber ausgewiesen wurden. Das beim NDR niemand was gewußt haben will ist ein Witz.
bR4iNST0RM (01.09.2009, 11:37 Uhr)
Ellenbogengesellschaft Helau!
@ romeodelta: so machen es viele, aber zum Glück nicht alle. Man kann es in seinem Umfeld ganz gut selektieren, mit wem man etwas zu tun haben möchte.
Zum Thema: Solche intriganten Menschen, wie es die NDR-Schnalle ist, sollte man so schnell wie möglich entlarven und verbannen. Leider nicht immer einfach, aber mit guter Intuition und ein wenig Menschenkenntnis ist es recht einfach.
Jetzt wundert mich bei der OEA auch gar nichts mehr. Verständlich, dass die Zwangsgebühren immer weiter in die Höhe schießen, bei solch schlampigen Umgang mit den Geldern. Warum auch aufpassen, mit 7 Milliarden Euro im Jahr ist mehr als genug vorhanden.
Konjunktiv (01.09.2009, 11:25 Uhr)
wenn ich ein Drehbuch geschrieben hätte, würde ich auch dafür bezahlt werden wollen.!
vegefranz (01.09.2009, 10:33 Uhr)
öffentlich-rechtliches Fernsehen dichtmachen

millionenverschwendender bürokratischer Wasserkopf, Luxuspensionen, Beamtenmentalität, Vetternwirtschaft, Versorgungsposten für Politikern

braucht keiner, dieses Fass ohne Boden
mister-mister (01.09.2009, 10:33 Uhr)
Das Leben schreibt die besten Drehbücher........
...........wäre das alles nicht ein brillanter Stoff für einen "Tatort"...???
Gisella (01.09.2009, 10:17 Uhr)
Ich glaube so langsam
dass es sich nicht lohnt-in Deutschland und anderswo ehrlich zu sein.Eigentlich traurig und schade.
Administrator (01.09.2009, 09:12 Uhr)
@logon
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