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Das Trauerspiel mit dem Humor

Gute Formate haben es im ARD-Verbund nicht leicht - schon gar nicht, wenn sie humorvoll sind. Mit "Der Tatortreiniger" besitzt der NDR ein echtes Juwel der Komik - und weiß nichts damit anzufangen.

Von Carsten Heidböhmer

Tatortreiniger Schotty (Bjarne Mädel,r.) hat ein Problem: Er muss die Blutspuren einer niedergemetzelten Frau entfernen, wird aber von ihrem Ehemann und Mörder Herrn Gilmann (Jean-Pierre Cornu, l.) als Geisel genommen.

Tatortreiniger Schotty (Bjarne Mädel,r.) hat ein Problem: Er muss die Blutspuren einer niedergemetzelten Frau entfernen, wird aber von ihrem Ehemann und Mörder Herrn Gilmann (Jean-Pierre Cornu, l.) als Geisel genommen.

Es ist wirklich zum Heulen: Gegen Schotty (Bjarne Mädel) hat sich an diesem Tag aber auch wirklich alles verschworen. Der Tatortreiniger muss den Schauplatz einer schlimmen Metzelei säubern, nebenbei gewöhnt er sich noch das Rauchen ab und reagiert auf jede Störung gereizt. Das bekommt auch die geschwätzige Nachbarin zu spüren, die ihn immer wieder bei der Arbeit stört. Als Krönung taucht der Täter auf - ein älterer Herr, der seine Frau nicht mehr ertragen und mit einem Beil zerlegt hat - und nimmt Schotty als Geisel. Zwischen den beiden entspinnen sich absurde Gespräche darüber, ob es richtig ist, dass der Mörder nicht die geringsten Gewissensbisse verspürt angesichts seiner grausamen Tat.

Die am Mittwoch gezeigte fünfte Folge der NDR-Miniserie "Der Tatortreiniger" enthielt alles, was die Reihe so besonders macht: Hier stehen Brutalität und Komik auf engstem Raum nebeneinander, ständig bleibt dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken. Gleichzeitig präsentiert die von Bjarne Mädel und Regisseur Arne Feldhusen erdachte und von Mizzi Meyer geschriebene Serie in nur 25 Minuten ein skurriles Sammelsurium an schrägen Vögeln und verkrachten Existenzen, wie man es im deutschen Fernsehen nur selten geboten bekommt.

Gute Quoten

Als die Serie Ende 2011 erstmals im Fernsehen lief, reagierte die Branche prompt: Nach nur vier Folgen gab's im vergangenen Jahr den Grimme-Preis, den Deutschen Comedypreis und zwei Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis. Der NDR müsste stolz sein auf eine solche Unterhaltungsperle und schnell einen guten Sendeplatz im Ersten suchen - sollte man denken. Doch weit gefehlt: Von den ersten vier Folgen schaffte es nur eine einzige ins ARD-Programm. Jetzt gibt es drei neue Folgen - zwei davon sendete der NDR ab 22 Uhr hintereinander weg. Die dritte läuft am Donnerstagabend zur gleichen Zeit, ebenfalls im NDR.

Warum ist die ARD so mutlos und versteckt dieses tolle Format im dritten Programm? Kommt Qualität beim Publikum einfach nicht an, wie Zyniker gerne behaupten? Die Quoten sprechen eine andere Sprache: Während "Die besten Witze von A bis Z" um 21 Uhr trotz der besseren Sendezeit nur 250.000 Zuschauer (Quote 4 Prozent) erzielte, schalteten 320.000 um 22 Uhr die fünfte Folge des "Tatortreinigers" ein, was einer Quote von 6 Prozent entspricht. Die direkt im Anschluss gesendete sechste Folge sahen 310.000 Zuschauer, die Quote schnellte sogar auf 7,2 Prozent hoch. Daran sieht man: Gute Inhalte werden vom Publikum durchaus angenommen.

Auch andere Comedyformate versteckt die ARD

Ähnlich mutlos agierte die ARD neulich mit der Pilotsendung zur neuen Comedyshow "Das Ernste", das am Donnerstag vor Weihnachten gesendet wurde - nach Mitternacht! So gesehen besitzt "Der Tatortreiniger" einen vergleichsweise guten Sendeplatz.

Mindestens zwei weitere Folgen wird es noch geben - vermutlich weiß man beim NDR wieder nichts damit anzufangen und versteckt sie in den Untiefen des dritten Programms. Es ist wirklich zum Heulen.

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