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20. Juni 2009, 13:59 Uhr

Sender-Chefs machen Druck auf Moderatoren

Mehrere Nachrichtenmoderatoren wie Petra Gerster oder Tom Buhrow geraten nach den Berichten über gut bezahlte Nebenjobs zunehmend in Bedrängnis. Sowohl bei den Sendern als auch in der Politik werden Forderungen laut, Journalisten sollten ihre Nebeneinkünfte veröffentlichen, um glaubwürdig zu bleiben.

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Moderatoren wie Tom Buhrow und Petra Gerster sollen mit Gast-Vorträgen bis zu 20.000 Euro verdienen© Jörg Carstensen/Ulrich Perrey/DPA

Der Bericht des NDR-Medienmagazins Zapp über hoch bezahlte Nebentätigkeiten von Fernsehmoderatoren hat eine heftige Debatte entfacht. So verlangte der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, eine Diskussion innerhalb der ARD. "Ich wundere mich, was manche Firmen bezahlen. Anscheinend verdienen manche Moderatoren mit einer Stunde Vortrag mehr Geld als bei der ARD im ganzen Monat", sagte Raff der "Bild"-Zeitung.

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wurde in Zeitungsberichten mit der Forderung zitiert, Journalisten sollten ihre Nebeneinkünfte veröffentlichen, um glaubwürdig zu bleiben. "Ein Journalist, der Nebentätigkeiten ausführen will, soll öffentlich sagen, was er macht, von wem er bezahlt wird und wie hoch sein Honorar ist", sagte Brender der "Bild".

Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle verlangte eine Offenlegung der Honorare: "Das mindeste wäre eine Bekanntmachung in den Aufsichtsgremien der Rundfunkanstalten", sagte er in der "Welt am Sonntag". Beim NDR soll der Rundfunkrat laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" bereits bei einer Sitzung am Freitag entsprechende Forderungen erhoben haben. Dabei solle auch die Genehmigungspraxis für Nebentätigkeiten geprüft werden.

Nach Informationen von stern.de sollen Leitende ARD-aktuell-Redakteure angesichts der Enthüllungen über die Nebentätigkeiten von "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow einen kritischen Brief an den 50-Jährigen geschrieben haben, in dem sie ihre Besorgnis um die Glaubwürdigkeit der Sendung zum Ausdruck bringen. Die Redakteure sollen Buhrow in dem Brief gebeten haben, Transparenz herzustellen und seine Nebentätigkeiten zu überdenken. Sie bezweifeln die Angemessenheit der Honorarhöhe. Leitende Redakteure der Redaktion ARD-aktuell sollen den Brief unterschrieben haben - bis auf Buhrows direkte Vorgesetzte Kai Gniffke und Thomas Hinrichs. Als Chefredakteure haben sie die Nebentätigkeiten des Moderators jeweils genehmigt.

Auf stern.de-Anfrage wollte der für die "Tagesthemen" zuständige Sender NDR sich nicht zu dem möglichen internen Protestschreiben äußern. Der Leiter der Pressestelle, Martin Gartzke, verteidigte die Arbeit Buhrows: Die Glaubwürdigkeit der "Tagesthemen" sei durch die Nebentätigkeiten nicht gefährdet, sagte er. Buhrow mache einen "exzellenten Job". Der Beitrag von "Zapp" habe sich an die gesamte Journalistenzunft gerichtet und sich mit moralisch-ethischen Fragen beschäftigt. Es sei dabei nicht um Rechtsverstöße gegangen. Eine Anfrage von stern.de an Buhrow blieb unbeantwortet.

Beim NDR wird bereits seit geraumer Zeit über einen Verhaltenskodex für die Mitarbeiter in Bezug auf Nebentätigkeiten und private Vorteile diskutiert. "Das läuft schon seit Wochen, Auslöser ist also nicht der "Zapp"-Beitrag, sondern das passt nun nur gut dazu", sagte NDR-Sprecher Martin Gartzke am Samstag.

Fernsehdirektor Frank Beckmann hatte am Freitag im Sender "NDR-Info" davor gewarnt, die Diskussion auf eine Person wie Buhrow zu fokussieren. Schließlich übten sehr viele Journalisten Nebentätigkeiten aus: "Sie schreiben Bücher, sie halten Vorträge, sie moderieren vor einem Plenum. Und dafür wird man bezahlt und das ist normal."

Das NDR-Magazin "Zapp" hatte am vergangenen Mittwoch über Journalisten und Moderatoren wie Tom Buhrow ("Tagesthemen"), Claus Kleber ("heute-journal") und Petra Gerster ("heute") berichtet, die im Einzelfall bis zu 20.000 Euro für Gast-Vorträge bei Unternehmen und Verbänden verlangten.

mit DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
ewk1952 (21.06.2009, 12:25 Uhr)
Schade
Eigentlich hatte man erwartet, das unsere Moderatoren im öffentlich rechtlichen Fernsehen auf dem Boden bleiben wenn sie Vorträge etc. halten.
Ihre gehälter sind doch hoch genug für ihre Leistung. Aber auch hier gilt: Raffen,raffen, raffen.... Die Gier ist die Richtung Aller, die im Rampenlicht stehen, also auch die der Moderatoren.Eine unabhängige Presse gibt es schon lange nicht mehr...
Marquis (21.06.2009, 11:33 Uhr)
Tom Buhrow ist mir gestern wieder als engagierter Nebelkerzenhalter aufgefallen,
nämlich bei seiner Berichterstattung über die Piratenpartei und Tauss' Beitritt. Etwas erhellender fielen da noch die folgenden Sätze des Co-Moderators aus. Nun, wenn man 20.000 € für einen Gast-Vortrag erhält, dann muß man für seinen Sold ja auch etwas leisten.
Der Zuschauer darf diese Leistung dann auch gleich nochmal bezahlen - mit GEZ-Gebühren.
Xennia (21.06.2009, 09:40 Uhr)
Gefährdung der Demokratie
@ flyingfree
Unsere gesamte Herrschaftselite ist mittels Seilschaften miteinander verquickt, um ihre Interessen gegen die arbeitende Bevölkerung durchzusetzen und ihre Privilegien und ihren Reichtum zu sichern. Deutschland heute - das ist ein engmaschiges Netzwerk aus hochrangigen Politikern, führenden Konzernchefs, allzu toleranten Justizbehörden und eben beeinflussbaren Medien, die allesamt systematisch und übergreifend mit teilweise kriminellen Methoden den Rechtsstaat aushöhlen, Gemeinsinn durch puren Egoismus und Gesetze durch die Macht des Kapitals ersetzen.
flyingfree (21.06.2009, 07:31 Uhr)
Nebentätigkeiten
Wer da oben hat wohl keine?
Und wenn nun ausgerechnet ein Politiker - Rainer Brüderle - Offenheit verlangt, dann muss ich mich schon sehr wundern.
traldors (20.06.2009, 23:59 Uhr)
Journalismus (...)
ist fast immer tendenziös und meist bis auf die Grundmauern mit der eigenen Überzeugung durchseucht. Es gilt bei intelligenten Menschen der Satz: Niemals mit der Polizei oder einem Journalist zu reden. Das was am Ende dann das Substrat bildet, ist alles andere als das was man sagen wollte. Stellt man dies dann fest, ist es zu spät. Habe fertig....
bundesboy (20.06.2009, 23:23 Uhr)
Gekaufte Meinung ist pervers
Schon oft genug hat zunächst harmlos anmutender Meinungsaustausch dafür gesorgt, das aus der Annäherung Wandel wurde und man hinterher nicht mehr wusste, warum man seine Position geräumt hat. Genau so funktioniert nämlich leider der Abbau von Sozialleistungen oder die Rücknahme von Versprechen. Indem man den Meinungsmacher durch ein hohes Honorar wertschätzt, verschafft man sich Zugang zu dessen Möglichkeiten, die Menschen zu manipulieren.
Wenn nämlich jeder glaubt, er würde z.B. bei Günter Jauch noch rechtzeitig Millionär werden können, bevor der Staat pleite ist, dann sucht er auch nicht mehr bei den Schuldigen, die den Staat in die Pleite getrieben haben.
waldi22 (20.06.2009, 19:55 Uhr)
@you_me_2
OT: Besser nichts zu sagen haben als Andere beleidigen, oder? Anscheinend haben Sie nur die Überschrift gelesen, zugegeben etwas platt ;-).
Pixelschubser (20.06.2009, 19:19 Uhr)
Ablenkungstaktik
Was das Gejammere der Politiker bezüglich der Nebeneinkünfte der Moderatoren angeht, sollte diese Spezies lieber die Klappe halten. Meinetwegen sollen sie sich die Nase versilbern lassen mit ihren Nebenjobs, das wäre mir persönlich egal - wie viele "gut dotierte" Moderatoren sind denn überhaupt betroffen? Braucht man schon zwei Hände, um die zu addieren? Stattdessen benutzen irgendwelche Politiker, die im Bundestag oder in diversen Landtagen sitzen, ihre Ämter als Sprungbrett in Aufsichtsräte - und wehren sich mit Händen und Füßen gegen eine Offenlegung Ihrer Einkünfte.
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Es ist in Deutschland wie überall auf der welt, es gilt das Gesetz, das George Orwell in "Farm der Tiere" aufstellte:
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"ALLE TIERE SIND GLEICH. ABER MANCHE TIERE SIND GLEICHER ALS DIE ANDEREN!"
Gockeline512 (20.06.2009, 18:08 Uhr)
Müßen wir nicht alle unsere Nebeneinkünfte melden?
Jeder der angestellt ist muß seine Nebeneinkünfte seinem Arbeitgeber melden.Nebeneinkünfte dürfen sich nicht mit dem Betrieb des Arbeitgebers in Verbindung bringen oder gar stören.Wenn Werbeträger sich an Ansager halten und ihnen einen Auftrag geben,dann haben sie einen Hintergrund im Kopf.Billigere Werung zu bekommen als eine 1 Minute im Fersehen zu senden ,die ist teurer.Wo bringen diese Ansager ihre Werbung unter?Sie bringen ihr Gesicht das jeder kennt in die Öffentlichkeit mit einem Produkt.Dem Arbeitgeber könnt so auch ein Werbevertrag entgehen?
sensitiv (20.06.2009, 17:48 Uhr)
Lächerlich
Nebentätigkeiten der Jornalisten, na und? Ausgerechnet Politiker schreien danach. Sollen Sie (die Politiker) erstmal an die Regeln halten!
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