Eine "Tatort"-Inflation

19. Oktober 2013, 10:25 Uhr

So viel "Tatort" war nie: 35 Erstausstrahlungen hatte 2012 zu bieten. Und rundherum wurde viel vermeldet und diskutiert. 2013 kommt es noch geballter - da verliert so mancher den Überblick.

So sah man Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) im vergangenen Jahr im Jubiläums-"Tatort" "Das Wunder von Wolbeck", mit dem das chaotische Team aus Münster sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Verliebt in eine Ziege scheut der Pathologe sich nicht, im klassischen Cowboy-Outfit auf den westfälischen Acker zu treten. Das bewahrt ihn allerdings nicht davor, kurze Zeit später von einem gehörigen Kuhpfurz mitten ins Gesicht überrascht zu werden.

Der exzentrische Geschmack des Gerichtsmediziners tritt nicht nur bei der Kleidung zutage: Boerne fährt einen Mercedes SLK, Porsche oder Jaguar, Hauptsache oben offen und sündhaft teuer. Als Connaisseur greift er gern zu einem edlen Glas Rotwein, mit abgespreiztem Finger. Sein bodenständiger Kollege Thiel (Axel Prahl) konterkariert die affektierte Art und lebt das Gegenteil: radfahrend, Bier trinkend, meist ausgestattet mit einem St.-Pauli-Fan-Outfit.

Die gegensätzlichen Charakterzüge der Hauptdarsteller im Münsteraner "Tatort" spielen in jedem Fall eine wichtige Rolle - für manche Fans der Krimireihe eine zu wichtige. Die Kritik: Klamauk statt Spannung, der Kriminalfall werde dadurch in den Hintergrund gedrängt.
©