Wie ein echter Grimm über "Grimm" denkt

18. Februar 2013, 16:22 Uhr

Die US-Serie "Grimm" erzählt von einem Nachfahren der Brüder Grimm, der Polizist ist. Musiker Markus Grimm stammt wirklich von den Märchensammlern ab. stern.de sagt er, warum er einschaltet.

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Stammt von den legendären Brüdern Grimm ab: Musiker Markus Grimm©

Herr Grimm, wann haben Sie erfahren, dass Sie ein Nachfahre der Brüder Grimm sind?
In der Grundschule, da war ich acht Jahre alt. Ich bin recht früh auf die Theaterbühne geschubst worden. Damals hab ich die Hexe Wackelzahn gespielt in einem Märchenstück, das angekündigt wurde mit "Grimm spielt Grimm". Dafür gab's Schläge auf dem Schulhof.

Warum das?
Ich war der kleine dicke Außenseiter mit den schiefen Zähnen. Im Hexenkostüm brauchte ich gar keine Maske, das passte perfekt. Meine Mutter meinte, es könnte mir helfen, wenn sie mit dem Ahnenbrief in die Schule kommt und die Abstammung belegt. Doch das hat es nur verschlimmert: Danach gab es erst recht einen drauf.

Ist Ihre Familie noch immer mit den alten Grimms verbunden?
Die Familie meines Vaters wohnt noch immer in Klein-Welzheim, das ist Luftlinie zehn Kilometer von Hanau entfernt, wo die Brüder Grimm geboren wurden. Weiter hat es die Familie nicht geschafft. Nur mein Vater ist weggezogen, deswegen bin ich im Ruhrgebiet geboren.

Haben Märchen in Ihrer Kindheit eine besondere Rolle gespielt?
Schon immer. Allein durch den Nachnamen durfte ich Theaterstücke spielen, das waren fast immer Märchen. "Grimm spielt Grimm", später "Grimm liest Grimm". Märchen sind ein Stück Heimat für mich.

Am Montag startet auf Vox die US-Serie "Grimm". Die Hauptfigur, Nick Burkhardt, ist ein Nachfahre der Familie Grimm. Was halten Sie davon, dass Ihre Familiengeschichte zu einem Mystery-Krimi verarbeitet wird?
Schön finde ich, dass das Thema immer weitergesponnen wird und immer aktuell bleibt. Ich fand auch den Kinofilm "Brothers Grimm" toll, der auch historisch komplett neben der Spur war. Aber man muss auch unterscheiden: Früher gab es keinen Fernseher, da waren Märchen Unterhaltung. Heute ist das Fernsehen die Unterhaltung, da werden die Geschichten weitergedichtet.

Fühlt es sich nicht komisch an, wenn man im TV einen Nachfahren der Brüder Grimm sieht, der man selbst sein könnte?
Komisch nicht, ich find's lustig. Ich hab da auch keine Berührungsängste, ich habe mich damit nie geschmückt. Es ist witzig, was die Leute da reininterpretieren. Auf meiner Facebook-Seite sprechen mich die Fans ständig auf die Brüder Grimm an.

In der Serie auf Vox waren die alten Grimms Jäger, die übernatürliche Wesen bekämpft haben. Entspricht das in einem übertragenen Sinn der Wahrheit: Haben Ihre Vorfahren Märchen gesammelt und aufgeschrieben, um Ängste vor dem Bösen und Übernatürlichen in Erzählungen zu bannen?
Ich glaube, es gibt viele Werte, die in den Märchen drin waren, die auch heute noch gelten. Viele erzieherische Elemente. Das Böse im Sinne von: Ihr dürft nicht vom Weg abkommen, weil dort das Böse lauert. Wie etwas bei Rotkäppchen, wo der Wolf als Synonym für das Böse steht, der immer mit Steinen im Bauch sterben muss. Darum geht es auch in der Serie: um den Kampf gut gegen böse.

Was verbindet Sie heute mit dem Erbe Ihrer Vorfahren?
Ich habe gerade zusammen mit Michael Grimm eine CD aufgenommen, "Grimm trifft Grimm", auf der wir die Originaltexte verwenden.

Ist der auch mit den Brüder Grimm verwandt?
Michael ist Nachkomme von Ludwig Emil Grimm, des Maler-Bruders, der immer vergessen wird. Das ist der Mann, der die Bücher erst verkaufsfähig gemacht hat, weil er die Zeichnungen da reingebracht hat. Wir sind ins Studio gegangen mit einem uralten Märchenbuch, in dem die Originaltexte noch erhalten waren. Wir haben versucht, die Geschichten ins Moderne zu holen und drum herum Songs geschrieben. Wir schlüpfen in die Rollen von Jakob und Wilhelm in der Zeit, als die Märchen entstehen. Wir tragen viele Märchen vor plus den Songs, sodass man nachvollziehen kann, wie die beiden gearbeitet haben. Es sind 152 Minuten Musik geworden.

Werden Sie sich die Serie anschauen?
Ich werde sie definitiv anschauen und freue mich schon drauf.

Die US-Serie "Grimm" startet auf Vox am 18. Februar um 20.15 Uhr, ab dem 25. Februar immer montags um 21.15 Uhr.

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Zur Person: Bekannt wurde Markus Grimm durch seine Teilnahme an der ProSieben-Castingshow "Popstars", die er 2004 gewann und aus der die Band Nu Pagadi hervorging. Seit der Auflösung 2005 arbeitet er als Musiker, Moderator und Schriftsteller. Er ist direkter Nachfahr der Brüder Grimm - und pflegt das Erbe: 2009 brachte er auf der Lesetour "Grimm liest Grimm" in alten Schlössern Kindern die Märchen seiner Vorfahren nahe. Zusamen mit Michael Grimm hat er 2012 die Doppel-CD "Grimm trifft Grimm" veröffentlicht, auf der die beiden zwölf Märchen musikalisch in Szene gesetzt haben. In den nächsten Monaten werden sie mit dem Programm auf Tournee gehen.

Die Serie: Im Mittelpunkt steht Detective Nick Burkhardt (David Giuntoli), der Nachfahre der Brüder Grimm ist und so in einigen Mitmenschen märchenhafte Kreaturen erkennen kann. Eine Fähigkeit, die ihm bei der Lösung seiner Kriminalfälle von großer Hilfe ist. Viele der Folgen enthalten Motive, die auf Märchen basieren. Die Serie startet am 18. Februar um 20.15 Uhr, ab dem 25. Februar immer montags um 21.15 Uhr auf Vox.

Interview: Carsten Heidböhmer
 
 
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