16. Juni 2009, 17:00 Uhr

Eva Hermans müdes Comeback

Die Autobahn wurde ihr zum Verhängnis: Die geschasste NDR-Moderatorin und Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman startet ihre eigene Talkshow im Internet. Doch die Querelen um ihre Person und der Eklat bei "Kerner" haben Spuren hinterlassen. Von Jens Maier

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Startet mit alten Thesen ins Internetzeitalter: Eva Herman©

Nach 53 Minuten war am 9. Oktober 2007 das Ende ihrer Fernsehkarriere besiegelt: In der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" philosophierte sie fast eine Stunde lang über die Thesen in ihrem Buch "Das Prinzip Arche Noah". Sie rechtfertigte ihre Äußerungen über das Mutterbild in der Nazizeit, sprach von einer gleichgeschalteten Presse und äußerte schließlich den Satz, für den "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner sie eine "blöde Kuh" gescholten hatte und der als Eklat in die TV-Geschichte eingegangen ist: "Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf", sagte Eva Herman, wurde anschließend von Kerner aus seiner Sendung geschmissen und aus der deutschen Fernsehunterhaltung gleich mit. Im Internet meldet sie sich jetzt mit einer Talkshow zurück.

Für das Familienportal "Familyfair" moderiert die 50-Jährige ab sofort wöchentlich die Sendung "Das Eva-Prinzip". Die Internetseite wird vom Hamburger Verein "Familie Direkt" betrieben. Mitbegründer sind unter anderem der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, und der Geschäftsführer der Stiftung "Ja zum Leben", Manfred Libner. Beide vertreten äüßerst konservative Positionen und stützen damit die Thesen, die Herman in ihrem ersten Buch "Das Eva Prinzip" aufgestellt hat. Dass ihre Talkshow den gleichen Titel trägt, ist deshalb kein Zufall.

Talk mit "Klaus" Dall

Auch in Hermans Internet-Talk soll es um das Thema Familie und Werte gehen. Mit prominenten Gästen werde sie über aktuelle familienbezogene Themen reden, hieß es vorab in einer Pressemitteilung. Eine erste Kostprobe gibt es seit vergangener Woche zu sehen. Doch statt knallharter Thesen wirbt Karl Dall dort für sein Buch. Der Komiker ist einer der ersten Interviewpartner und wird auf der Website als "Klaus Dall" angekündigt. Ansonsten wirkt die Aufmachung der Sendung für Web-Verhältnisse professionell.

Zwar besteht die Kulisse aus weißen Ikea-Schränken, auf denen neben Vasen auch Geschirr des schwedischen Möbelherstellers platziert wurde, doch das Studio kann durchaus mit denen von privaten Fernsehsendern konkurrieren. Wer erwartet hatte, dass die Sendung wirkt, als habe sie ein Praktikant im Hobbyraum zusammengeschraubt, wird positiv überrascht. Sowohl der Einspieler, als auch die Musikuntermalung und die Schnitte wirken hochwertig - ganz im Gegensatz zur Moderatorin. Bei Eva Herman haben die Querelen um ihre Person offenbar Spuren hinterlassen.

Deutlich rundlicher als noch vor zwei Jahren sieht sie aus, wenn sie die Internet-Zuschauer stehend zu ihrer Sendung begrüßt. Und auch die Leichtigkeit, mit der Herman einst durch die NDR-Talkshow führte, ist Vergangenheit. Verkrampft, mit verkreuzten Beinen und aufgestützten Händen, stellt sie ihre Fragen - besser gesagt, liest sie ab. Im Interview mit dem Buchautor Carlos A. Gebauer wirkt sie mit dem Thema Wirtschaft und Kapitalismus vollkommen überfordert. Ganz selten geht Herman, die früher vor einem Millionen-Publikum Live-Sendungen moderiert hat, auf eine Antwort ein.

Die Fragen könnte jeder vorlesen

"Ein spannendes Gespräch sieht anders aus", sagt der Münchner Moderatoren- und Sprach-Trainer Michael Rossié. "Das Format lebt vom Gast und nicht von Eva Herman. Die vorbereiteten Fragen könnte jeder stellen", lautet sein vernichtendes Urteil. Noch dazu leiste sich Herman manchen sprachlichen Schnitzer wie zum Beispiel "das unglückliche Amok-Attentat" oder dresche mit Phrasen wie "der Ruf wird laut" oder "wie ich Ihren Worten entnehme" auf den Gesprächspartner ein. "Das klingt schrecklich nach Schriftdeutsch und nicht nach einem lockeren Gespräch über Themen, die die Welt bewegen", sagt Rossié.

Offenbar will sich Herman bewusst mit unkritischen Fragen aus der Schusslinie bringen. Das ist vielleicht auch besser so. Denn über ihre Motivation, bei "Familyfair" mitzuarbeiten, sagt sie unter anderem: "Diejenigen, die gegen die schöpfungsgemäße Aufteilung von Frau und Mann argumentieren und deswegen ohne Not Millionen Kleinstkinder in 'moderne' Fremdbetreuung bringen, bedauere ich, denn sie kämpfen gegen Naturgesetze." Ein Satz, der nicht nur Feministinnen auf die Palme bringen wird und der beweist, dass Eva Herman ihre geistige Haltung nicht geändert hat.

Noch hält sie sich mit Statements dieser Art in ihrer Internet-Talkshow zurück. Sollte es dazu kommen, wird allerdings keiner da sein, der sie aus der Sendung wirft. Das müssen dann die Zuschauer übernehmen, indem sie nicht mehr klicken. Denn während ihr Skandal-Auftritt bei Johannes B. Kerner bis heute fast 900.000 Mal in der ZDF-Mediathek online abgerufen wurde, kann Herman von ähnlichen Quoten nur träumen.

Von Jens Maier
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
raptor-xl (17.06.2009, 11:15 Uhr)
gleichberechtigung - wie ist das definiert?
wäre es nicht auch gleichberechtigt, wenn die arbeit der frau für familie und haushalt als ebenbürdig eingestuft worden wäre?
natürlich nicht! frauen müssen selbstverständlich auch dachdecker, schweißer oder maurer werden können!!! mit kalkrissiger haut, gesplitterten fingernägeln und muskelbepackten säulenbeinen.
dafür stehen alle dann um 5.00uhr auf, weil das kind um 6.00uhr in der krippe sein muss, denn mama und papa müssen um 6.45uhr auf der baustelle sein!
etwas übertrieben? nun ja... -noch. denn wir nähern uns ja hier dem erziehungsbild der ddr an. sicher mag das fördern von kindern in krippen und horten, in kitas und vorschulen richtig sein. aber auch um 6.00uhr? so sah es nämlich in der ddr aus. dort waren weit über 90% aller frauen in einem beruf tätig. und denen wurde das so auferlegt und als einzig wahre lebensform eingetrichtert. die erziehung überließ man da gleich dem staat. vom kollektiven töpfchengehen bis zur ideologischen ansichtsweise. ich empfand das nicht als erstrebenswert. meine kindheit begann erst, als meine mutter zu hause blieb. nach der schule heimkommen und es duftete nach essen... das war geborgenheit, sicherheit und wärme. ein echtes zu hause. ich plädiere dafür, dass kinder dieses wenigstens einige jahre erleben sollten/müssten/dürften...
bmpost (17.06.2009, 10:11 Uhr)
Warum sollte Sie ihr Meinung ändern?
Für mich hat Frau Herman mit ihren Thesen genauso recht wie die Feministinnen mit ihren. Aber im Schwarz-weiss-Land Deutschland gibt es nur ein zackiges jawoll oder nein. Hallo liebe Deutsch, es gibt viele Wahrheiten und jeder hat Recht! Dazu gehört allerdings ein bisschen Toleranz sowie etwas Hirnschmalz, den die Deutschen in ihren ideologischen Grabenkämpfen gern in die Tonne hauen. Lasst doch die Herman denken was sie will, ohne sie gelich auf dem Scheiterhaufen der politschen Korrektheit zu verbrennen. Verdammt nochmal!
ganzbaf (17.06.2009, 09:59 Uhr)
Bin dabei... ;-)

Höhlen kosten keine Miete.
DasBertl (17.06.2009, 01:19 Uhr)
Es war nicht alles schlecht...
in der Steinzeit. Gehen wir doch wieder zurück. Weg mit dem Fernsehmüll und zurück in die Höhle...
DasBertl (17.06.2009, 01:17 Uhr)
Meinungsfreiheit...
das alte Lied... Nur, das die am lautesten um "Meinungsfreiheit" brüllen, allen anderen keine mehr gewähren würden, hätten sie "das Sagen". Oder um einen alten Bekannten zu zitieren: "Wenn sie so dumm gewesen sind, uns Meinungsfreiheit zu gewähren, so brauchen sie nicht glauben, dass wir ihnen das Gleiche gewähren werden." (1933)
DasBertl (17.06.2009, 01:04 Uhr)
Zudem...
ich hab mir das Interview mit Karl Dall eben angesehn. Und ich muss dem Herrn Maier recht geben: Sie wirkt steif und nervös, spielt ständig am Kugelschreiber und ihren Fingern herum und fühlt sich scheinbar fehl am Platz.
By the way, mir ist da ein Fauxpax passiert: Sie heisst natürlich Eva Herman und nicht Hermann...
floyd77 (17.06.2009, 00:41 Uhr)
Sehr überrascht
Ich bin zutiefst über die Kommentare überrascht. Ein Mal im Leben hat man es doch geschafft, alle (oder fast alle) gleicher Meinung zu sein. Das finde ich gut. Noch überraschender ist, dass alle Massenmedien anderer Meinung sind!!! Genau wie viele andere Kommentatoren hier geht's bei mir nicht darum, ob die Frau richtig oder falsch liegt, sondern ich war -als Ausländer in D.- sehr enttäuscht darüber, wie solche Zensuren und insb. kollektives Niedermachen von Andersdenkenden in D. geschieht. Somit finde ich den Satz (wie viele andere Sätze hier auch) sehr herrlich:
"Was die Sendung von Kerner betrifft, so war das der Tiefpunkt des deutschen Fernsehens, in den letzten 20 Jahren. Es bleibt ein Skandal, daß diese offene Unterdrückung der Meinungsfreiheit keine Folgen für Kerner hatte."
DasBertl (17.06.2009, 00:40 Uhr)
So langsam...
wird mir klar, warum der Stern bei politisch brisanten Themen die Kommentarfunktion sperrt. Da kommt einem ja das kalte Kotzen...
Warum zum Teufel, war Frau Hermann nicht die ganzen Jahre die sie im Fernsehen zugebracht hat Zuhause und hat den Herd gehütet, wie sich das nach ihrer angeblichen Auffassung gehört? Hätte uns viel Schwachsinn und Reaktionismus erspart. Eine eigene Meinung ist schön und gut, manche taugen halt nicht viel für eine öffentliche Darstellung. Die Zukunft sieht anders aus und unter anderem in Frankreich wird es deutlich bewiesen, dass es genau so funktioniert, wie Frau Hermann (und ihre ultrakonservativen Unterstützer) behaupten es würde nicht funktionieren, nämlich, eine erfolgreiche Karrierefrau und gute Mutter zugleich zu sein. Auch mit "Fremdbetreuung"
(by the way: lieber eine gutmenschliche sozialistische demokratie als eine schlechtmenschliche nationalsozialistische diktatur)
Anemone (16.06.2009, 22:07 Uhr)
Frage:
Werden besondere Unverschämtheiten eigentlich unverschämt bezahlt?
Anemone (16.06.2009, 22:03 Uhr)
Ja, armselig!
"Müdes Comeback", "verkrampft", "wirkt sie mit dem Thema vollkommen überfordert", "...wird keiner mehr da sein, der sie aus der Sendung wirft; das müssen dann die Zuschauer übernehmen, indem sie nicht mehr klicken"!
Pfui!!!
Die Namen Jens Maier und "Moderatoren-Trainer" Rossie muß man sich merken. Sie reihen sich ein in die Riege Kerner-Berger-Schreinemakers. Mobbing, Bosheit und Schlimmeres, was hier zu lesen ist gegen eine mutige und tolle Frau!
Das neue www.familyfair.de habe ich mit Interesse und Freude gelesen! Guter Anfang mit guten Themen! Empfehlung!
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