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2. März 2006, 22:53 Uhr

Die Historie, der Werbeblock, die Millionen

Alle wollen seine Eventfilme: Auf Sat.1 lief "Die Luftbrücke", auf RTL "Die Sturmflut", nun zeigt das ZDF "Dresden". stern.de sprach mit Produzent Nico Hofmann über die neue deutsche Lust auf historisches Infotainment der oberen Preisklasse.

Nico Hofmann

Filmproduzent Nico Hofmann verlässt sich auf sein Bauchgefühl© Norbert Millauer/DDP

Herr Hofmann, wie wird man einer der erfolgreichsten Produzenten Deutschlands - ohne Führerschein und Computerkenntnisse?

(lacht) Das ist eine gute Frage. Ich habe als Journalist noch auf der Schreibmaschine gelernt und pflege gerne den persönlichen Kontakt, das ist Teil des Erfolgs. Ansonsten kenne ich zwischen Singapur und Los Angeles alle Taxifahrer.

Ihre Produktionsfirma teamWorx verfilmt mit großem Aufwand historische Stoffe - die Oetker-Entführung, das Attentat auf Hitler, nun den Bombenangriff auf Dresden. Woher kommt die Lust an der Geschichte?

Zunächst mal aus mir selbst heraus. In meiner Zeit an der Münchener Filmhochschule habe ich ein sehr großes Interesse am Nationalsozialismus entwickelt - und später, als Regisseur, deutsche Geschichtsbetrachtung betrieben. Das deckt sich im Moment mit einem großen Interesse bei der jüngeren Generation.

Sind die Deutschen auf der Suche nach Orientierung?

Die Leute schauen wesentlich inhaltlicher fern, als man denkt. Die Dokumentation zur Luftbrücke haben nachts fünfeinhalb Millionen Zuschauer gesehen. Identität ist ein wichtiges Thema. In anderen Ländern wie den USA war das schon immer so.

In einem Interview haben Sie gesagt, mit der "Luftbrücke" wollten Sie das deutsch-amerikanische Verhältnis positiv darstellen und das deutsche Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Sind Sie ein Volkspädagoge?

Nein, Volkspädagogik liegt mir fern. Ich glaube auch nicht, dass die Filme pädagogisch daherkommen, sondern emotional. Unfreiwillig werden solche Events aber pädagogisch begriffen. Das haben wir beim "Tunnel" gemerkt, da war der Freiheitsbegriff ein großes Thema. "Dresden" könnte die Debatte um den Bombenkrieg und die Stunde Null neu entfachen.

Welche Stellung beziehen Sie dabei? Für mich ist "Dresden" ein Anti-Kriegsfilm. Es gab in Deutschland seit Jahrzehnten keinen Film mehr, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Meine Intention war jedoch nicht, den Briten die Bombardierung vorzuwerfen. Wie gefällt Ihnen persönlich der Schluss von "Dresden", der 1945 endet und dann die Feiern zur Einweihung der Frauenkirche zeigt? Da diskutieren wir mit dem Regisseur. Ich würde gerne die Gesichter der überlebenden Zeitzeugen sehen, auf politische Reden während des Festakts kann ich jedoch verzichten.

Felicitas Woll ist hauptsächlich als Seriendarstellerin bekannt geworden. Wie groß war das Risiko, sie mit der Hauptrolle zu besetzen?

Das war meine Idee. Ich habe keine Minute an Felicitas Woll gezweifelt und war ihr großer Fan. Für mich hat sie die große Kraft einer Volksschauspielerin, sie ist ein Mensch, der andere Menschen öffnet - das ist ganz selten. Es gab am Anfang viele Bedenkenträger, aber nach dem Casting in London haben alle zugestimmt.

Das war also nicht Ihre letzte Zusammenarbeit mit Felicitas Woll?

Ganz im Gegenteil. Ich suche händeringend nach einem neuen Stoff für sie.

Zur Person: Nico Hofmann gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Filmproduzenten. Er wurde 1959 in Heidelberg geboren und studierte an der Münchner Filmhochschule. Mit seinen Regiearbeiten ("Der Sandmann", "Solo für Klarinette") gewann er alle wichtigen Filmpreise. 1998 gründete er die Produktionsfirma teamWorx, eine Tochter der Ufa, die auf zeitgeschichtliche Event-Filme ("Stauffenberg", "Der Tunnel") spezialisiert ist. Hofmann doziert an der Filmakademie Ludwigsburg.

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