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13. September 2011, 07:14 Uhr

Klassenkampf auf moderne Art

Ist Deutschland eine "Gesellschaft mit beschränkten Chancen?" Internationale Studien sagen ja, SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach auch. In Frank Plasbergs Talkrunde erntet er dafür heftigen Widerspruch - mit Recht. Von Christoph Forsthoff

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Hart, aber nicht immer fair: Frank Plasberg behandelte in seiner letzten Sendung nicht alle Gäste gleich© Jörg Carstensen/DPA

Jeder hat die Chance, egal aus welchem Hintergrund er kommt, nach oben zu kommen und Anerkennung und Respekt zu finden." Nein, Christian Rach konnte das Gerede über die fehlende Chancengleichheit und die sozialen Herkunftshürden auf dem Weg in ein erfülltes Berufsleben wohl einfach nicht mehr hören – und so stieß Frank Plasberg in seiner jüngsten Talkrunde auf einen für den Moderator ganz offensichtlich unerwarteten Widerpart. Denn der Sterne-Koch und Restauranttester kritisierte nicht nur das "wahnsinnige Anspruchsdenken" vieler (junger) Jobsuchender, "dass immer alles auf dem Silbertablett serviert wird", sondern stellte auch ganz konkret fest, dass es allzu oft schon an "simpelsten Tugenden wie Pünktlichkeit, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit" fehle.

Von wegen "Der blockierte Aufstieg – Gesellschaft mit beschränkten Chancen?" wie Plasberg im Sendungstitel gefragt hatte und "Einmal unten, immer unten", wie SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach nicht müde wurde, in immer neuen Abwandlungen zu wiederholen: Rach sah das Ganze ebenso wie RTL-Moderatorin Nazan Eckes weitaus pragmatischer. Und fand damit volle Unterstützung beim Berliner Handwerkskammerpräsidenten: "Ihre Position demotiviert und entmutigt junge Leute", hielt der Chef eines Reinigungsunternehmens mit 3100 Mitarbeitern dem Sozialdemokraten vor.

Keine Chancengleichheit in der Talkrunde

Doch der Sozi mit der Fliege (die er an diesem Abend lieber in der Sakkoinnentasche gelassen hatte – "ich wollte jünger aussehen") hatte den Moderator auf seiner Seite und damit weitgehend ungebremste Redefreiheit und -zeit. Macht sich halt immer gut, den Sozialen zu geben und obendrein noch gegen die doch ach so konservativen Bayern zu sticheln – in diesem Fall trafen Plasbergs Spitzen und bissige Nachfragen vor allem den Münchner Bildungsminister Ludwig Spaenle.

Dessen Erfolgszahlen aus dem süddeutschen Bildungssystem wurden ignoriert, lieber nochmal gegen die "Herdprämie" gewettert, dafür aber die praxisnahen Neuerungen im bayerischen Schulmodell (frühe Einbindung von Unternehmen und Arbeitsagenturen) kurzerhand aus der Diskussion gefegt. Chancengleichheit sieht auch in Talkrunden anders aus.

Lauterbach - spalten statt versöhnen

Dabei bestätigte Schwarz im Grunde den Ansatz des CSU-Politikers, sieht vor allem in den mittelständischen Unternehmen für junge Jobsuchende "die treibende Kraft für eine berufliche Perspektive": "Gerade das Handwerk ist ein gutes Beispiel für den sozialen Aufstieg." Doch Lauterbach hat sich nun mal das Studium für jedermann in den Kopf gesetzt und verstieg sich – unterstützt von Beiträgen zu Studien über soziale Herkunft und späterem Aufstieg in Führungsetagen (fragt da eigentlich mal jemand nach deren Repräsentationsgrad?) – sogar zur Bemerkung "es kann nicht angehen, dass die Geburt darüber entscheidet, wer später Professor wird und wer Handwerker". Als ob ein Theoretiker etwas "Besseres" sei als der Praktiker! "Sozialer Aufstieg ist doch nicht mit Studium gleichzusetzen", hielt Rach dem SPD-Professor vor – wer solle denn dann bitte all die Elektroanlagen bauen oder neue Häuser errichten?

Und auch Schwarz verlangte für Handwerkstätigkeiten eine größere Wertschätzung: Sein Beruf etwa habe einfach keine Reputation in der Gesellschaft – deshalb schicke er inzwischen frühzeitig Meister in die Schulen, um über das Berufsbild aufzuklären. "Es kann nicht jeder seinen Traumberuf bekommen, aber Ihr habt die Chance auf einen interessanten Beruf – Ihr müsst nur zugreifen", forderte der Handwerkspräsident die Jugendlichen angesichts von allein in Berlin noch immer mehreren tausend unbesetzten Lehrstellen auf. Für Lauterbach kein Angebot – der proklamierte lieber noch einmal den vermeintlichen gesellschaftlichen Bruch: "Die Herkunft dominiert alles." Spalten statt versöhnen – sein Parteifreund Johannes Rau wird sich im Grabe umgedreht haben.

Von Christoph Forsthoff
 
 
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