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21. September 2010, 10:20 Uhr

Der Moderator ist der Star

Egal ob Quiz, Show, Sport oder Verbrecherjagd - wenn es etwas zu moderieren gibt, dann machen unsere Fernsehmoderatoren das. Sie sind längst Generalisten, oft unabhängig vom Sender. Mehr noch: Moderatoren sind zu einer Marke geworden und die eigentlichen Stars des Fernsehens. Die Medienkolumne von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Bernd Gäbler, ARD, Günther Jauch, RTL, Anne Will, i & U

Jeder kann mit jedem: Hier ist Frank Plasberg zu Gast bei Günter Jauch. Es geht aber auch umgekehrt© DPA

Frank Plasberg macht jetzt auch "in Quiz". Es ist ungefähr so freundlich, läppisch und mainstream wie früher eine Quiz-Sendung von Pilawa oder Kerner, aber die Quote war gut. Besonders deshalb, weil ein Rateteam aus Johannes B. Kerner, Oliver Pocher und Günther Jauch bestand. Nicht Politiker, Popmusiker oder gar die Programmchefs sind die Stars des Fernsehens, sondern die Moderatoren. Warum? Weil sie die Funktion des Mediums am besten garantieren: das Gespräch der Gesellschaft über sich selbst in Gang zu halten. Darin liegt die beruhigende Vergewisserung. Wir fühlen uns gut informiert und diskutieren permanent.

Nehmen wir die Sarrazin-Debatte: Sie gebiert ständig neue Debatten, aber kaum eine Konsequenz. Nun steht "das Thema Integration" überall "ganz oben auf der Agenda". Na und? Wie langweilig wäre demgegenüber ein konkrete Untersuchung, was in Offenbach anders gemacht wird als in Duisburg-Marxloh. Oder Handfestes wie eine Änderung des Bleiberechts? Nur weil dieses "Eigentliche" als Nebensache erscheint, können aus der Schar jener, die Filme ansagen, Interviews führen und die Zuschauer durch Magazine, Quiz-, Show- oder Talksendungen geleiten, die eigentlichen Stars des Fernsehens erwachsen.

Der Moderator kann alles

Ist es seine eigentliche Aufgabe, das Programm in Fluss zu halten, dann darf der Moderator auch kein Spezialist mehr sein. Denn wichtiger als die Sache ist der Übergang von einem Gegenstand zum nächsten. Spezialisten - etwa für Umwelt, Literatur oder Naturwissenschaften - gibt es allenfalls noch am Rande des Programms. Nur als Generalist ist der Moderator Garant dafür, dass alles immer weitergeht. Nur als Generalist kann er berühmt werden. Darum macht Plasberg Politik und Quiz; kann Jauch Magazin wie Talk, Beckmann Sport und Gespräch, Oliver Welke Sport und Satire; Rudi Cerne Sport und Verbrecherjagd; Kerner Talk, Sport und Show.

Nun könnte man glauben, dass dies nur für die prominenteren TV-Persönlichkeiten gilt, weil deren besondere Qualifikation ja tatsächlich mit ihrer Präsenz zu tun hat und es vor diesem Hintergrund relativ gleichgültig ist, ob da nun ein "Quiz der Deutschen" zu moderieren ist oder "Hart aber fair". Tatsächlich aber setzt sich der Trend, einfach alles wegzumoderieren, bis hinein in die weniger bekannten Regionen des Mediums fort.

René Kindermann sagt für "Brisant" mit bebender Stimme Autounfälle und Sexaffären an, um dann in dick wattierter Jacke im Wintersport wieder aufzutauchen. Ob "Big Brother", "Eins live" oder "Die Goldene Henne" - Miriam Pielhau macht das schon. Elton, der ewige Show-Praktikant von Stefan Raab, ist ab dem 16. Oktober als etwas verlegener Neu-Moderator der Kindersendung "Eins, zwei oder drei" im ZDF zu bewundern. Johanna Klum, die auf Pro Sieben ("Elton vs. Simon") eben diesen Elton und seinen Kontrahenten Simon Domina-gleich zu ziemlich dämlichen Wettkämpfen antreibt, tiriliert gleichzeitig als mädchenhafte Moderatorin der WDR-Lokalzeit Ruhr etwas von Gartentipps und "der Königsklasse unter den Floristen" oder sagt lieblich das "schönste Tier im Revier" an. Komisch ist: stets betonen Moderatoren ihre Leidenschaft für die Sache, dabei scheint gerade die Gleichgültigkeit ihr gegenüber zur Jobvoraussetzung zu gehören. Wenn er jetzt vom ZDF als idealer Kinderfreund gepriesen wird, spielt es gar keine Rolle mehr, dass Elton mit "Die Alm" schamlos die hässlichste aller "Big Brother"-Nachfolgesendungen moderiert hat.

Der sender- und systemunabhängige Moderator Gestern noch war Harald Schmidt eines der Sendergesichter der ARD, bald wird er wieder auf Roadshow für Sat. 1 gehen. Wenn Günther Jauch 2011 in der ARD als Polit-Talker am Sonntag debütiert, wird er dennoch freitags und montags mit dem Millionärsquiz Quotenrekorde für den Konkurrenten RTL einfahren. So sind sich die Moderatoren längst selbst die Nächsten. Ihr Gewicht und ihre Unabhängigkeit ist gewachsen. Weder in Genres noch in feste Senderzugehörigkeit sind sie noch einzuhegen. Längst gilt das auch für die alte Systemgrenze zwischen öffentlich-rechtlich und privat.

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
Sinibaldi (21.09.2010, 18:15 Uhr)
Touch of harmony.
With white
colours recalling
sounds and a
sweet sensibility
you touch my
desire, the inner
relief and a
delicate sadness
that covers
the sun.

Francesco Sinibaldi
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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